PlattenkritikenPressfrisch

IRON SLAUGHT – Metallic Torments

2026 (Gates Of Hell Records) - Stil: Heavy Metal / Speed Metal / Thrash Metal

Während die ersten Sekunden von ´Harbinger Of Afflictions´ aus den Lautsprechern schießen, ist sofort klar, dass IRON SLAUGHT nicht zurückgekehrt sind, um nostalgische Erinnerungen an vergangene Underground-Tage zu bedienen. Denn ihr neues Werk ´Metallic Torments´ klingt wie ein rostiger Knüppel, der elf Jahre lang im Dunkeln geschärft wurde, nur um jetzt mit voller Wucht niederzugehen.

Die französischen Metal-Veteranen aus Bigorre waren nie eine Band, die Trends hinterherlief. Seit ihrer Gründung 2011 vereinen sie traditionellen Heavy Metal, rasenden Speed Metal, thrashige Aggression sowie schwarze und deathmetallische Schattierungen zu einem eigenständigen Sound. Auf ihrem zweiten Album wirkt diese Mischung gefährlicher und kompromissloser als zuvor.

Dabei beginnt alles instrumental. ´Harbinger Of Afflictions´ fungiert als Türöffner. Harmonische Gitarrenläufe bauen die Spannung auf, während die Rhythmussektion bereits signalisiert, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. Die Melodien besitzen eine fast epische Qualität, doch unter der Oberfläche brodelt bereits jene ungezähmte Energie, die das gesamte Album antreibt.

Dann explodiert ´Ghastly Obsession´. Das Tempo rast, die Gitarren schneiden und Iron Jérémy klingt, als würde er seine Geschichten direkt aus einer verfluchten Krypta herausbrüllen. Die Mischung aus klassischem Speed Metal und vereinzelten Black Metal-Anleihen verleiht dem Stück seine rohe Wildheit.

´The Executioner´ erweitert die Formel um mehr Dynamik. Zwischen den Hochgeschwindigkeitsattacken zeigen sich kurze melodische Abschnitte, bevor die nächste Angriffswelle anrollt. Gerade diese Balance zwischen Raserei und Dramatik gehört zu den Stärken des Albums.

In ´Soldier Of Fortune´ erzeugen akustische Gitarren und zweistimmige Leads zunächst eine fast heroische Atmosphäre, bevor die Band den Song in einen klassischen Heavy Metal-Marsch überführt. Dabei zeigt sich, wie tief IRON SLAUGHT im traditionellen Metal verwurzelt bleiben.

´Condamné Pour l’Éternité´ eröffnet die zweite Hälfte des Albums mit Glockenschlägen, Regenatmosphäre, beinahe sakral wirkenden Chorpassagen – und natürlich französischem Gesang. Doch der Song entwickelt sich zu einem der aggressivsten Stücke des Albums. ´Charme Funeste´ überrascht anschließend mit einer ganz anderen Seite der Band. Akustische Passagen, melodischer Gesang und eine fast melancholische Grundstimmung verleihen dem Album die nötige Tiefe.

Mit ´Primal Conquest´ beginnt erneut der Sturm. Klingende Schwerter, donnernde Doublebass-Attacken und heroische Gitarrenharmonien erschaffen den Soundtrack einer mittelalterlichen Schlacht. Die Komposition verbindet Geschwindigkeit mit epischer Größe und entwickelt eine mitreißende Energie, die geradezu nach verschwitzten Underground-Clubs und erhobenen Fäusten verlangt.

Den Abschluss bildet das fast achtminütige ´Fatal Retaliations´. Dabei zeigt sich endgültig, warum ´Metallic Torments´ mehr ist als eine weitere Retro-Metal-Veröffentlichung. Der Song bietet aggressive Riffs, atmosphärische Zwischenspiele, melodische Gitarrenarbeit und eine beeindruckende Dynamik zwischen Härte und Emotion.

Denn ´Metallic Torments´ lebt nicht allein von Geschwindigkeit oder Gewalt. Es lebt von Atmosphäre. Von Leidenschaft. Von einer Band, die ihre musikalischen Wurzeln kennt. Die programmierten Drums mögen anfangs überraschen, doch im Gesamtbild entfalten sie eine erstaunlich druckvolle Wirkung.

Nach elf Jahren Wartezeit liefern IRON SLAUGHT genau das Album ab, das sich viele Anhänger erhofft haben. ´Metallic Torments´ offeriert kompromisslosen Heavy-Speed-Metal mit Herzblut, dunkler Atmosphäre und einem ausgeprägten Gespür für epische Dramaturgie.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/profile.php?id=100049405188851


(VÖ: 10.07.2026)

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"