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PETER FRAMPTON – Carry The Light

2026 (Universal Music Enterprises) - Stil: Classic Rock, Blues Rock, Soft Rock

Mit ´Carry The Light´ meldet sich Peter Frampton nach sechzehn Jahren erstmals wieder mit einem vollständigen Album aus neuem Originalmaterial zurück. Für viele Künstler seines Formats wäre das längst die komfortable Phase gepflegter Rückblicke geworden. Peter Frampton entscheidet sich jedoch für einen anderen Weg. Der inzwischen 76-jährige Gitarrist nutzt dieses Album als sehr persönliches Statement über Zeit, Verlust, Familie und das Weitertragen von Erfahrung. Dass die Songs gemeinsam mit seinem Sohn Julian Frampton entstanden sind, prägt die gesamte Atmosphäre der Platte.

Die Vorgeschichte dieses Albums schwingt dabei permanent mit. Bereits 2009 bemerkte Peter Frampton während eines Roadtrips mit seinem Sohn erste Symptome jener Muskelkrankheit, die später als Einschlusskörperchenmyositis diagnostiziert wurde. Lange hielt er die Erkrankung geheim, verabschiedete sich 2019 scheinbar endgültig von den großen Tourneen und stand anschließend vor der Frage, ob seine Karriere überhaupt weitergehen könne. Ausgerechnet ein Anruf von Dion DiMucci brachte die Wende. Der Altmeister forderte Peter Frampton auf, Gitarrensoli für dessen Album einzuspielen. Diese Sessions gaben ihm das Selbstvertrauen zurück, seine Technik neu anzupassen und weiter aufzunehmen.

Der Titeltrack ´Carry The Light´ eröffnet das neue Album mit Chants und akustischen Gitarrenfiguren, ehe sich daraus ein schwerer, hymnischer Rock-Song entwickelt. Peter Frampton klingt geerdeter als früher, seine Stimme trägt heute deutlich mehr Charakter. Die Gitarrenarbeit verzichtet dabei auf unnötige Virtuosität und konzentriert sich auf sofort hängenbleibende Melodien. Der Americana-Rocker ´Buried Treasure´ ist eine Hommage an Tom Petty und funktioniert gleichzeitig als cleveres musikalisches Rätsel, weil der komplette Text aus Songtiteln des verstorbenen Rockmusikers zusammengesetzt wurde. Peter Frampton übernimmt stellenweise sogar bewusst den Rhythmus und die Phrasierung seines alten Freundes.

Die Ballade ´I’m Sorry Elle´ erinnert stark an den klassischen kalifornischen Songwriter-Sound der Siebzigerjahre. Graham Nash liefert dazu wunderbar schwebende Harmoniegesänge. Akustikgitarren, dezente Pianolinien und Peter Framptons gereifter Bariton verleihen dem Stück eine stille Eleganz. Gemeinsam mit Sheryl Crow entsteht der lässige Midtempo-Rocker ´Breaking The Mold´. Die Stimmen harmonieren hervorragend, während sich Peter Frampton im Solo sichtbar freispielt. ´Lions At The Gate´ verbindet klassischen amerikanischen Rock mit den Effektattacken von Tom Morello. Während Peter Frampton auf melodische Riffs setzt, feuert Tom Morello seine futuristischen Whammy-Eskapaden dazwischen. Inhaltlich entwickelt der Track eine raue, fast kämpferische Stimmung.

Spannend gerät aber ebenso das instrumentale ´Islamorada´. Gemeinsam mit H.E.R. liefert sich Peter Frampton ein generationenübergreifendes Gitarrenduell, das erstaunlich locker und organisch wirkt. Mal dominieren jazzige Läufe, dann tauchen bluesige Bends auf. ´Can You Take Me There´ und ´Tinderbox´ erweitern das Album anschließend um jazzrockige Farben. Bill Evans sorgt mit seinem Saxofonspiel für eine angenehm warme Note. Für den Abschluss ´At The End Of The Day´ reichen eine cleane Gitarre, zurückhaltende Melodien und diese leicht brüchige Stimme vollkommen aus, um dem Song enorme Wirkung zu verleihen.

Produziert wurde das Album gemeinsam mit Julian Frampton und Toningenieur Chuck Ainlay, der bereits mit Mark Knopfler arbeitete. Man hört ´Carry The Light´ die enorme Sorgfalt an. Selbst die Gästeliste wirkt niemals wie bloßes Namedropping. Sheryl Crow, Graham Nash, H.E.R., Tom Morello, Bill Evans und Benmont Tench ergänzen die Songs genau dort, wo ihre jeweilige Handschrift Sinn ergibt. Gerade dadurch entwickelt das Album eine erstaunliche Vielfalt zwischen Classic Rock, Americana, Blues, Jazz-Rock und modernen Gitarrensounds.

Im direkten Vergleich zu den großen Siebzigerjahre-Alben fehlt natürlich die jugendliche Euphorie. Dafür besitzt ´Carry The Light´ etwas anderes: Gelassenheit und Reife. Peter Frampton spielt hier nicht gegen das Alter an. Er nutzt jede Erfahrung, jede Einschränkung und jede neue Technik, um Songs zu schreiben, die musikalisch äußerst stark wirken.

Für viele langjährige Fans dürfte ´Carry The Light´ deshalb weit mehr werden als nur ein spätes Comeback. Es ist ein Album über das Weitermachen, über Familie und über einen Musiker, der auch nach sechs Jahrzehnten noch genau weiß, wie man großartige Rocksongs schreibt.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/PeterFrampton

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