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ROGER TAYLOR – Violence Insane In A Beautiful World

2026 (Nightjar Productions/Columbia) - Stil: Rock

Der Kerl ist 77 Jahre alt, hat mit QUEEN die Stadien dieser Erde in Schutt und Asche getrommelt und könnte sich entspannt auf seiner Finca die Sonne auf die Glatze scheinen lassen. Stattdessen setzt sich Roger Taylor lieber ins Studio, greift nach den Stöcken, schlägt die Tasten ein und rotzt der Welt seine unverblümte Meinung vor die Füße. Fünf Jahre nach ´Outsider´ haut der Brite mit ´Violence Insane In A Beautiful World´ sein siebtes Solowerk raus. Ein wilder Trip zwischen düsterem Riff-Terror, afrikanischem Choral-Zauber und wehmütiger Altersweisheit.

Der Einstieg gerät direkt zum Spektakel. Bei ´A Beautiful World´ holt sich Roger Taylor den südafrikanischen Ndlovu Youth Choir an Bord. Akustikklampfen, flirrende Lap-Steel-Töne und diese gewaltigen Stimmen erzeugen eine Gänsehaut, die sich gewaschen hat. Roger Taylor blickt hier aus der Perspektive eines Außerirdischen auf den Planeten Erde und schließt mit der knallharten Warnung: „Don’t fuck it up“. Direkt im Anschluss reißt der Titelsong ´Violence Insane´ sämtliche Vorhänge ab. Das ist wohl das düsterste, fieseste Stück Holz, an dem je ein QUEEN-Mitglied geschraubt hat. Ein böser Industrial-Rocker mit tief gestimmten Gitarren, verzerrtem Gesang und fiesem Stampf-Beat.

Roger Taylor macht auf dieser Scheibe keine Gefangenen. Bei der sanften Rockballade ´What Really Matters´ und dem atmosphärischen ´I See You Now´ schlägt er zwar ruhige Töne an und singt mit brüchiger Reibeisenstimme wunderschöne Liebeserklärungen an seine Frau Sarina. Aber kurz darauf kocht die Wut wieder hoch. In der schmutzigen Riff-Nummer ´Don’t Photograph Food´ knallt er den Social-Media-Junkies ein fettes Grinsen vors Gesicht, während er im punkigen Zweiminüter ´Chump´ ohne jegliche Zensur frontal mit der Politik abrechnet. Das ist ungefilterter Rock ‘n’ Roll ohne Rücksicht auf Verluste.

Mit dem brettweiten ´Spit In His Eye´ – veredelt durch die Akustikgitarre von Jason Falloon – geht die wilde Fahrt weiter, bevor Roger Taylor zu seinem persönlichen Heiligtum greift. Seine Version des John Lennon-Klassikers ´Jealous Guy´ kommt fast ohne Schnörkel aus. Zartes Piano von Maria-Christina Angela Hizon, dezente Keyboards, dazu Rogers schmirgelndes Organ. Es klingt schmerzhaft ehrlich, zutiefst intim und fügt sich nahtlos in die eigene, melancholische Gefühlswelt des Schlagzeugers ein.

Zum Finale dreht die Scheibe komplett auf. Das Sechs-Minuten-Brett ´Come On Summer (It’s Party Time)´ bringt zusammen mit dem Ndlovu Youth Choir noch mal pure Lebensfreude ins Haus, ehe das epische Reprise ´A Great Big Beautiful World´ den Vorhang schließt. Wer das Schaffen des Ausnahmemusikers seit Klassikern wie ´Strange Frontier´ verfolgt, bekommt hier die volle Ladung Leidenschaft serviert. Ein überraschend rohes, lebendiges Alterswerk.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/RogerTaylor

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