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DYLAN JOHN THOMAS – Nothing Here Worth Taking

2026 (Believe Music) - Stil: Indie Folk / Folk Pop / Singer-Songwriter

Das Holz knackt. Die Sonne hängt noch eine Handbreit über dem Hügel, und irgendwer hat einen Klappstuhl zu viel mitgebracht. Passt eigentlich, weil auf dem Cover von ´Nothing Here Worth Taking´ auch so ein Stuhl steht. Ein alter Holzstuhl mitten in einer verdorrten Wiese, ein Banjo dran gelehnt, dahinter eine knorrige Kiefer. Ein paar Schritte daneben steht der Typ selbst, ganz in Schwarz, und tut erst mal gar nichts. Nichts hier, was sich mitzunehmen lohnt. Na ja. Den Stuhl und das Banjo würde ich schon einpacken.

Dylan John Thomas. Glasgow, und das hört man ihm bei jeder Silbe an. Ist in Pflegefamilien aufgewachsen, und die Gitarre war in der Zeit sein ständiger Begleiter. Später hat er auf der Straße gespielt. Schon als kleiner Junge hatte er sich in die Jam-Abende von Gerry Cinnamon geschlichen, und der hat ihn gefördert und später mit auf Tour genommen. Danach kam eins zum anderen. Support für Sam Fender und Liam Gallagher, mehrere ausverkaufte Abende im Barrowland, ein Heimspiel im Hydro, im Sommer TRNSMT. Hat sich halt rumgesprochen, wie gute Geschichten am Feuer.

Das hier ist Platte Nummer zwei, nach dem selbstbetitelten Debüt von 2024. Aufgenommen hat er sie in den “Magic Box Studios” mit Scotty Anderson von THE SNUTS. Alle zehn Songs sind von ihm, und die meisten Instrumente hat er gleich selbst eingespielt. Beim ersten Album kannten die Fans die Lieder längst von den Konzerten. Diesmal ist er mit Sachen ins Studio gegangen, die noch keiner gehört hatte, und hat sich dafür ein ganzes Jahr gegönnt.

Und das Banjo. Das hat er sich erst nach dem Debüt zugelegt und auf eine kleine Reise durch Schottland mitgenommen, wo sie unterwegs alte Folk-Songs gespielt haben. So wie wir hier, nur mit mehr Talent.

Der Titelsong macht den Anfang. Unten rollt dieser alte Eisenbahn-Rhythmus aus dem Country, oben schmettern Trompete und Bläser, in denen der Ska steckt, den er als Kind so mochte. Geschrieben hat er ihn für einen Kumpel, dessen Beziehung gerade zerbrochen war. Einer, der dem anderen sagt, dass es weitergeht. ´Heaven Knows You’re Lonely´ kommt mit Stimme und gezupfter Akustikgitarre aus. ´The Bridge´ fängt allein am Klavier an, das er schon als Kind gespielt hat, und wird dann groß und breit arrangiert. Viele der Songs sind am Klavier entstanden und später auf Gitarre oder Banjo gewandert. Den hier hat er dort gelassen.

´Got You On My Mind´ gehört dem Banjo, gespielt im Bluegrass-Stil, mit Bläsern obendrauf. ´Call It A Day´ setzt auf Stampfen, Klatschen und eine Pfeifmelodie, die einer von uns schon beim Holzsammeln vor sich hin gepfiffen hat. ´Dining With The Devil Next Door´ bekommt einen Ska-Einschlag, und schon der Titel lädt zum Abendessen beim Teufel von nebenan. ´Come And Get It´ holt die Tanzmusik rein, mit der die Jungs groß geworden sind, und will, dass man aufsteht. Die Hälfte von uns steht schon.

Die Sonne ist jetzt weg. Einer greift nach der Gitarre, ein anderer zieht den leeren Klappstuhl ans Feuer. Mal sehen, ob wir das Banjo-Lied hinkriegen.

(8 Punkte)


Cover-Artwork: „Nothing Here Worth Taking“ von Dylan John Thomas
(Fotografie: Conor Gault / Album-Design: Stewart Chown /
Creative Direction: Nicholas Patrick Afchain /
© 2026 Believe Music)

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