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GURU GURU – Guru Guru

1973/2026 (Repertoire Records) - Stil: Krautrock / Psychedelic Rock / Rock ’n’ Roll

Mensch, Guru Guru. Wenn ich den Namen höre, riecht es sofort wieder nach Räucherstäbchen, nassem Zeltplatz und billigem Rotwein aus der Korbflasche.

Ich war ja schon dabei, als das alles noch gar keinen Namen hatte. Ende der Sechziger hat man in irgendwelchen Kellern gehockt, Jimi Hendrix und Frank Zappa rauf und runter gehört und sich gefragt, ob man so was hierzulande auch hinkriegt. Mani Neumeier hat sich das nicht lange gefragt. Der kam vom Free Jazz, hatte mit der Pianistin Irène Schweizer gespielt und schon ein paar Jazzpreise eingesammelt, und 1968 gründete er mit Uli Trepte am Bass THE GURU GURU GROOVE. Ein preisgekrönter Jazztrommler, der auf einmal lauter sein wollte als jede Gitarre. Herrlich war das.

1970 kam Ax Genrich an die Gitarre, und es folgten ´UFO´, ´Hinten´ und ´Känguru´. Drei Platten, bei denen ich mich heute noch frage, wie das überhaupt jemand pressen durfte. Lärm, Rückkopplung, Weltall. Wir haben’s geliebt.

1973 kam die vierte Platte, schlicht ´Guru Guru´ getauft. Uli Trepte war weg, am Bass stand jetzt Bruno Schaab, und erschienen ist das Ganze bei “Brain”. Ich weiß noch, wie ich sie zum ersten Mal im Laden in der Hand hielt, mit diesem bunten Wandteppich auf der Hülle, der aussieht, als hätte ihn jemand in der Kommune an langen Winterabenden gewebt. Sterne, eine grinsende Maske, kleine Strichmännchen, ein Skelett, ein paar Tiere, Fransen am Rand und unten in dicken Buchstaben der Bandname. Erde und Himmel auf einem einzigen Stück Stoff. Das Artwork stammt von einer gewissen Sharon, mehr verraten die Credits nicht. Dass auch auf der Platte zwei Welten nebeneinander liegen, hab ich allerdings erst beim Auflegen gemerkt.

Wir legen also die A-Seite auf, und was kommt? Rock ’n’ Roll. Richtiger, alter Rock ’n’ Roll. In unserer WG haben sich zwei angeguckt, als hätte jemand den Joint heimlich gegen eine Bratwurst getauscht. ´Samantha’s Rabbit´ hoppelt rund drei Minuten lang wie ein aufgescheuchtes Karnickel durch die Gegend. Danach kommt das Medley, über dreizehn Minuten lang, eine Verbeugung vor Eddie Cochran mit ´Something Else´, ´Weekend´ und ´Twenty Flight Rock´. Vorneweg läuft ´Rocken Mit Eduard´, und wer dieser Eduard sein soll, kann man sich denken. Wir haben dazu im Batikhemd Twist getanzt, so gut das eben ging. ´Woman Drum´ beschließt letztlich nach rund vier Minuten die erste Seite.

Seite zwei, und da waren wir wieder zu Hause. ´Der Elektrolurch´ dauert knapp zehn Minuten, und hier taucht zum allerersten Mal dieses Fabelvieh auf, das seitdem zu GURU GURU gehört wie die Stöcke zu Manis Händen. Live schlüpft Mani dafür seit vielen Jahren in ein selbst entworfenes Lurchkostüm, und wer das einmal gesehen hat, vergisst es nicht mehr. ´The Story Of Life´ nimmt sich zum Schluss gut zwölf Minuten Zeit und führt dorthin zurück, wo die ersten drei Platten zu Hause waren.

Ob das damals Verrat war oder Geniestreich, darüber haben wir nächtelang gestritten. Heute sag ich, die hatten einfach Lust drauf. Wer so trommelt wie Mani, darf auch mal Eddie Cochran spielen.

“Repertoire Records” bringen das Album jetzt neu auf CD heraus, im Digipack. Als Bonus gibt es ´Skylab´, live mitgeschnitten im Dezember 2024 im “ZAKK” in Düsseldorf, und damit kommt die Scheibe auf rund 50 Minuten. Dass zwischen Album und Bonustrack mehr als fünfzig Jahre liegen und die Band immer noch auf der Bühne steht, ist für mich das schönste Detail an der ganzen Sache.

Ich leg sie gleich noch mal auf. Seite zwei zuerst, alte Gewohnheit.

https://www.facebook.com/gurugurugroove
https://www.facebook.com/groups/1926158180923047


Cover-Artwork: „Guru Guru“ von Guru Guru
(Original-Cover-Design: Sharon /
Reissue-Layout: Repertoire Records /
© 1973 Brain Records / 2026 Repertoire Records)

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