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EMMA RUTH RUNDLE – These Killing Times

2026 (Errant Child) - Stil: Cinematic Doom-Folk

Die Welt brennt, und Emma Ruth Rundle hat zugesehen, wie sie brennt. Anfang 2025, während eine weitere Klimakatastrophe über die USA hereinbricht, sitzt sie da, aus der Ferne, und beobachtet. Was aus diesem Beobachten wird, ist ihr sechstes Album, ´These Killing Times´, ein Titel wie eine Diagnose.

Auf ´Engine Of Hell´ von 2021 war Emma Ruth Rundle mit sich allein, nur Klavier, nur Akustikgitarre, nur die eigenen Dämonen. Jetzt, mitten in der Trump-Ära, im Angesicht des angekündigten Klimakollaps und einem in den Abgrund getriebenen Kapitalismus, holt sie sich eine ganze Band zurück, Jess Gowrie an den Drums, Patrick Shiroishi am Saxofon, Nick Reinhart und Gina Gleason von BARONESS an den Gitarren. Die Einsamkeit weicht der Gemeinschaft, aber die Dunkelheit bleibt.

Post Rock, Doom, Gothic Folk, Grunge, alles verschmilzt hier zu einer Wand aus Wut und Trauer, produziert von Sonny Diperri, der schon MY BLOODY VALENTINE und TRENT REZNOR mit ähnlicher Härte veredelt hat.

´Powerless´ eröffnet zart am Klavier, bevor der Refrain in wabernde Gitarren und donnernde Drums explodiert. Textlich kreist der Song um einen Hammer in der eigenen Hand, dasselbe Werkzeug, mit dem man zerstören oder aufbauen kann, eine Wahl, die sich immer wieder verschiebt, zwischen Zertrümmern und Errichten. Emma Ruth Rundle macht daraus eine Kampfhymne über die eigene Handlungsfähigkeit inmitten von Ohnmacht.

´God’s Picture´ lässt Patrick Shiroishis Saxofon durch düstere Gitarrenakkorde treiben, fast wie ein Gebet. Der Text zeichnet ein apokalyptisches Bild, einen Gott, der die Welt in Asche betrachtet, sowie eine geliebte Person, die in einen endlosen Krieg zieht. Die Bitte am Ende ist kein Flehen um Rettung, sondern einfach nur um etwas mehr Menschlichkeit.

´Anvil´ beginnt mit Kirchenglocken und flüsternden Backing-Vocals, textlich eine verstörende Beziehungsdynamik, wer wen geformt hat, wer wen fürchten sollte, mit einem direkten Seitenhieb auf toxische Manipulation. Emma Ruth Rundle und Bassist Troy Zeigler prügeln dazu auf Handtrommeln ein, während ihre Stimme von zarter Kate-Bush-Zerbrechlichkeit in eine kleine, kräftige Rob-Halford-Attacke schwenkt, dort, wo der Text von Angst zu Vergeltung wechselt.

´Catherine Wheel´ spielt mit der Doppelbedeutung ihres Namens, Feuerwerk und mittelalterliches Foltergerät zugleich, körperliche Grausamkeit trifft auf die Weigerung, Hass hinzunehmen. Musikalisch dreht sich der Song hypnotisch und schwer, das zugänglichste Stück des Albums, aber nicht weniger finster als der Rest.

´Don’t Delay Heaven´ verlangsamt alles zu düsterem Jazz, textlich eine Sehnsucht nach Erlösung aus einem korrupten, babylonischen Dasein, das man nicht mehr glauben, dem man nicht mehr angehören will, ein Zustand, den der Text selbst als Verzückung und Krankheit zugleich beschreibt.

Mit ´Enough´ treibt Emma Ruth Rundle die biblische Elijah-Geschichte in die Gegenwart, eine gierige Milliardärsfigur, deren Habgier im Text buchstäblich zu einem Dokument aus dem Blut der Ausgebeuteten gewebt wird, bis Patrick Shiroishis Saxofon in einen reinen Sturm aus Lärm kippt und die titelgebende Frage stellt, ob es diesen Leuten jemals genug sein wird.

´Human Kindness´, benannt nach Shakespeares Macbeth, ein Song, der zwischen der Behauptung angeborener Güte und deren Erosion durch Angst und Gewalt oszilliert, bis alles im apokalyptischen Kollaps zu zerfallen droht und trotzdem, ganz am Ende, eine Mauer aus Liebe stehen bleibt. Troy Zeiglers Bass und Cello-Schichten ringen dabei mit einem verzerrten Gitarrensolo von Nick Reinhart, bevor ein engelsgleicher Chor alles noch einmal kollabieren lässt.

Erst ´Oceans Of Time´ befreit sich am Ende von aller Wucht, zurück ans einsame Klavier, umarmt von den Stimmen von Marissa Nadler und Amelia Baker, der einzige Moment, in dem sich diese Platte wie Trost anfühlt.

Dieses Album ist kein Trost für Feiglinge. Es ist finster, es ist wütend, es macht keine Kompromisse mit der Hoffnungslosigkeit, aber es kapituliert auch nicht vor ihr. Wer schon lange keine Zukunft mehr sieht, findet hier keine billige Erlösung, aber Gesellschaft im Dunkeln, und manchmal ist das der einzige Ausweg, der noch bleibt.

(9 Punkte)

https://www.facebook.com/emmaruthrundle

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