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ANDREW GOLD – Halloween Howls: Fun & Scary Music

1996/2026 (Craft Recordings) - Stil: Spooky Retro-Pop-Rock

Halloween kann kitschig sein. Es kann nach Plastikspinne, Supermarkt-Kürbis und irgendeiner lieblosen Soundeffekt-CD aus der Grabbelkiste klingen. Und dann kommt Andrew Gold um die Ecke, wirft eine Handvoll Knochen in die Luft und serviert mit ´Halloween Howls: Fun & Scary Music´ ein Album, das wie eine Halloween-Party aus einer längst vergangenen Welt tönt: warm, verspielt, leicht verrückt und mit verdammt viel Liebe zum Detail.

1996 veröffentlicht, war diese Platte zunächst ein Kinderalbum. Heute besitzt sie eine völlig andere Aura. Vor allem ´Spooky, Scary Skeletons´ hat sich über YouTube, Memes und Social Media in das kollektive Gedächtnis einer Generation gefressen. Aus dem kleinen Halloween-Projekt wurde ein Kultobjekt. Und hört man ´Halloween Howls´ heute mit offenen Ohren, fällt auf, wie verdammt gut Andrew Gold sein Handwerk beherrschte.

Der Kalifornier war schließlich kein dahergelaufener Gelegenheitsmusiker. Der Multiinstrumentalist, Songwriter, Produzent und Arrangeur arbeitete unter anderem eng mit Linda Ronstadt und prägte den kalifornischen Pop-Sound der Siebziger. Diese Erfahrung hört man aus jeder Rille.

´It Must Be Halloween´ zieht den Vorhang auf. Orgeln, Effekte, eingängige Melodien und plötzlich steht man mitten in dieser kleinen musikalischen Geisterbahn. ´The Monster Mash´ bringt anschließend den klassischen Halloween-Partykracher ins Haus, unterstützt von Linda Ronstadt und Stephen Bishop. Danach kommt der Moment, auf den inzwischen vermutlich die halbe Internetwelt wartet: ´Spooky, Scary Skeletons´. Was für ein Song. Das Xylophon klappert wie eine Kiste voller Knochen, die Gitarre drückt sich mit diesem wunderbar alten Surf-Rock-Flair durch den Song, und darüber sitzt diese grotesk fröhliche Melodie. Der Trick ist simpel und genial. Gold macht aus Grusel pure Lebensfreude. Die Skelette wollen hier einfach nur tanzen.

Anschließend zieht Andrew Gold sämtliche Register. ´Trick Or Treat´ versprüht nostalgischen Kinderlied-Charme, ´The Addams Family´ bedient die morbide TV-Nostalgie, ´Ghostbusters´ bringt den Achtziger-Funk ins Spiel. ´Gimme A Smile (The Pumpkin Song)´ schlägt plötzlich leisere Töne an, während ´Don’t Scream (It’s Only Halloween)´ wieder ordentlich Bewegung in die Bude bringt.

Und gerade diese Mischung macht die Platte so sympathisch. Andrew Gold wollte offenbar nicht bloß möglichst viele Halloween-Geräusche auf Platte pressen. Er baute eine kleine musikalische Welt. Eine Welt aus Pop, Rock ’n’ Roll, Soul, Novelty-Songs, Orgeln, Chören und jeder Menge schaurigem Zierrat. Das hat etwas wunderbar Altmodisches. Man hört einen Musiker, der noch Freude daran hatte, einen Song tatsächlich zu arrangieren. Die Produktion besitzt dieses handgemachte Gefühl, das vielen modernen Kinder- und Themenalben völlig abgeht. Hinter dem vermeintlichen Klamauk steckt ein ausgesprochen versierter Musiker.

Besonders schön ist, wie ´Halloween Howls´ zwischen albernem Grinsen und echter Melancholie pendelt. Da ist immer ein kleines bisschen Dunkelheit unter dem bunten Halloween-Make-up. Und dann wieder dieser völlige Wahnsinn von ´Witches, Witches, Witches´. Für eine Familienplatte ist das erstaunlich farbenfroh.

Natürlich bleibt ´Spooky, Scary Skeletons´ der unangefochtene König des Friedhofs. Der Song entwickelte nach Golds Tod 2011 ein völlig neues Leben im Internet. Der virale Remix von The Living Tombstone trug maßgeblich dazu bei, dass aus einem fast vergessenen Titel ein globales Meme wurde. Eine ziemlich bizarre Wendung für einen Song, der ursprünglich einfach Halloween-Spaß machen sollte.

Noch schöner: Andrew Gold erlebte zwar diesen zweiten Frühling seiner Musik nicht mehr. Er starb 2011 im Alter von 59 Jahren. Doch heute tanzt eine Generation zu seiner Musik, die bei seiner ursprünglichen Veröffentlichung noch gar nicht geboren war. Das besitzt beinahe etwas Gespenstisches.

Und so bekommt ´Halloween Howls´ mit jedem Jahr mehr Charme. Die aktuelle Vinyl-Welle passt hervorragend dazu. Farbiges Vinyl, Halloween-Artwork, Sammlerauflagen – plötzlich liegt dieses alte Album wieder mitten auf dem Plattenteller, während draußen die Nacht hereinbricht.

Wer allerdings eine rabenschwarze Horrorplatte erwartet, liegt falsch. Hier regiert kein John Carpenter. Hier gibt es keine kalten Synthesizer-Alpträume und keine Mordfantasien. Andrew Gold wollte Halloween feiern, nicht den Hörer traumatisieren. Und verdammt: Es funktioniert.

´Halloween Howls: Fun & Scary Music´ ist ein charmantes, hervorragend gemachtes Halloween-Album mit echtem musikalischem Können unter der bunten Oberfläche. Es riecht nach Herbst, Kürbissen, alten Kinderfilmen und einer Zeit, in der ein Studio noch nach Kabeln, Holz, Verstärkern und Bandmaschine roch. Also: Licht aus. Kürbis an. Platte drauf.

Happy, happy Halloween.

https://www.facebook.com/craftrecordingsofficial

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