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ROD STEWART – A Night On The Town

1976/2026 (Rhino Records) - Stil: Rock

Los Angeles im Sommer 1976. Der Sonnenuntergang taucht den Sunset Strip in ein grelles, oranges Licht. Auf den Straßen dröhnen die V8-Motoren der Muscle-Cars, aus den offenen Cabrios plärrt Radio-Pop, und im Pool der Luxusvilla in Beverly Hills treiben leere Champagnerflaschen. Mitten in diesem Dekadenz-Rausch steht ein schottischer Draufgänger mit ondulierter Mähne, schiefem Grinsen und einer Stimme wie ein Schotterwerk: Sir Roderick David Stewart.

Die britische Musikpresse schäumt vor Wut. Ihr einstiger Liebling, der ehrliche Pub-Rocker der FACES, hat dem verregneten London den Rücken gekehrt. Im erbitterten Steuerstreit mit der Heimat flieht der Sänger nach Kalifornien. Als er dann noch das Cover seines siebten Studioalbums ´A Night On The Town´ präsentiert, ist die Entrüstung komplett. ROD STEWART im feinen Frack, mit Strohhut und Champagnerglas, hineinmontiert in Pierre-Auguste Renoirs impressionistisches Gemälde Bal du moulin de la Galette. Ein Bild als provokante Ansage: Der Straßenköter ist im Jetset-Olymp angekommen. Doch wer denkt, jetzt hat der Kerl seine Seele an den Glamour verkauft, wird beim ersten Nadelkontakt eines Besseren belehrt.

ROD STEWART liefert mit ´A Night On The Town´ sein absolutes Meisterstück ab. Das Album ist dabei streng in zwei Hälften unterteilt, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Seite 1 gehört der Leidenschaft, den leisen Tönen und den großen Geschichten. ´Tonight’s The Night (Gonna Be Alright)´ eröffnet den Reigen mit schwebender Eleganz. Getragen von einer feinen Akustikgitarre und dem verruchten Saxophon-Solo von Jerry Jumonville entfaltet der Song ein erotisches Knistern, das selbst der BBC zu gewagt war. Das Verbot im britischen Radio war natürlich die beste PR überhaupt. Am Ende hört man das echte, laszive Flüstern von Britt Ekland, der damaligen Bond-Girl-Freundin des Sängers.

Danach verwandelt sich das Cat Stevens-Cover ´The First Cut Is The Deepest´ unter Stewarts rauchigen Stimmbändern in eine epische Hymne voller Sehnsucht und Schmerz, untermalt von monumentalen MGM-Streichern. Mit der ehrlichen Soul-Ballade ´Fool For You´ verneigt sich Stewart tief vor seinen Stax-Wurzeln, wenn sanfte Piano-Akkorde und sein raues Flehen nahtlos ineinandergreifen.

Doch das unbestrittene Kronjuwel der ersten Seite ist ´The Killing Of Georgie (Part I and II)´. Ein Stück Musikgeschichte. Stewart erzählt darin die wahre Geschichte eines schwulen Freundes aus der New Yorker Szene, der von einer Straßenbande ermordet wurde. 1976 ist Homosexualität ein absolutes Tabuthema im Radio. Während das Management Schweißausbrüche bekommt, bleibt der Sänger stur. Part I rollt auf einem unwiderstehlichen Funk-Groove, bevor Part II in ein zutiefst berührendes, orchestergestütztes Requiem übergeht. Ein Meilenstein voller Empathie und Mut.

Dreht man die Platte um, weicht die Melancholie purem Schweiß. Auf Seite 2 regiert die rohe Energie. Stewart holte sich für diesen Teil die echte Studio-Prominenz ins Boot. Bei ´The Balltrap´ liefern sich Steve Cropper von BOOKER T. & THE M.G.’S und Joe Walsh von den EAGLES einen mitreißenden Schlagabtausch an den E-Gitarren. Stewart feuert die Musiker betrunken vom Studio-Sofa aus an. Die Musik klingt dreckig, ungezähmt und absolut mitreißend.

Das flotte Manfred Mann-Cover ´Pretty Flamingo´ pustet den Staub von den Boxen, während ´Big Bayou´ mit schmutzigem Fiddle-Einsatz und Südstaaten-Sumpf-Romantik punktet. Bei ´The Wild Side Of Life´ jagt das Honky-Tonk-Klavier die Gitarren im irren Chuck Berry-Tempo durch die Rille. Den glanzvollen Schlusspunkt setzt das unterschätzte ´Trade Winds´. Ein schwelgender Blues-Balladentraum, veredelt durch die meisterhafte Orgelführung von Booker T. Jones.

´A Night On The Town´ ist das perfekte Dokument einer Epoche, in der Rockstars noch echte Lebemänner waren. Es verbindet schmutzigen Kneipen-Dreck mit edlem Hollywood-Glanz. Ein zeitloses Werk des Analog-Zeitalters, geprägt von unverfälschter Leidenschaft, genialem Songwriting und einer der unverwechselbarsten Stimmen der Rockgeschichte.

Gleichzeitig schlägt das Herz von Sammlern und Audiophilen weltweit höher: Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums spendieren „Rhino Records“ dem Klassiker eine fulminante Frischzellenkur in der edlen „Rhino Reserve“-Reihe. Die auf schwerem 180g-Vinyl gepresste Scheibe wurde von Mastering-Papst Matthew Lutthans in den legendären „The Mastering Lab Studios“ komplett analog direkt von den originalen Masterbändern geschnitten. Was hier aus den Rillen schallt, ist purer Dynamik-Segen. Die Instrumente stehen luftig im Raum und Rod Stewarts Schotterstimme klingt so nah und intim, als stünde der Meister persönlich im heimischen Wohnzimmer – ohne jeden digitalen Schleier, genau mit dem warmen, analogen Röhrenschmelz der originalen 1976er-Aufnahmen.

Klassiker.

https://www.facebook.com/rodstewart

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