
KADAVAR – Kids Abandoning Destiny Among Vanity And Ruin
2025 (Clouds Hill) - Stil: Apokalyptischer Fuzz-Doom
Der Aschenbecher ist derselbe geblieben, aber die Stimmung in den hauseigenen “Robotor Studios” in Berlin hat sich drastisch gewandelt. Wo im Mai bei den Sessions in Hamburg noch bunte Synthie-Teppiche und sommerliche Leichtigkeit durch die Räume schwebten, herrscht in Berlin jetzt wieder die totale, unbarmherzige Finsternis. Christoph Bartelt sitzt selbst hinter den Reglern der alten analogen Bandmaschine. Kein feingeschliffener Pop-Glanz mehr, kein doppelter Boden, kein externer Produzent Max Rieger, der die Stoner-Attitüde glattbügelt, nur noch der muffige Geruch von überhitztem Equipment, abgebrannten Kippen und schierer Entschlossenheit.
Als KADAVAR am 7. November 2025 über “Clouds Hill” ihr achtes Studioalbum ´Kids Abandoning Destiny Among Vanity And Ruin´ abfeuernten, war das die kompromissloseste Antwort auf alle Zweifel der Fuzz-Gemeinde. Schaut man sich die Anfangsbuchstaben des Titels an, entdeckt man den ersten genial-zynischen Kniff der Berliner: Das Wortungetüm ergibt das Akronym ´K.A.D.A.V.A.R.´. Ein selbstbetiteltes Album über die Hintertür, gewidmet einer Welt im kollektiven Taumel zwischen Klimakrise und Auslöschungsangst.
Dabei war die Platte kein spontaner Wutanfall. Sänger Christoph Lindemann verriet, dass ein Großteil des Materials bereits im Frühjahr parallel zum poppigen ´I Just Want To Be A Sound´ entstand. Während die Band tagsüber durch das schräge Aufeinandertreffen mit Schlager-Ikone Guildo Horn für Schlagzeilen sorgte, stapelten sich im Proberaum bereits die finsteren Riffs für das schwere Spätjahr. Die Musiker schrieben schlicht am sommerlichen Licht und der nuklearen Finsternis gleichzeitig.

Der Opener ´Lies´ empfängt den Hörer mit einem furztrockenen, arschcoolen Riff-Gewitter, das die Rückkehr zur tonnenschweren Urgewalt zementiert. Christoph Lindemann spuckt die Zeilen ins Mikrofonsystem, während Christoph Bartelt und Simon Bouteloup eine fette Rhythmuswand hochziehen. ´Heartache´ bricht die düstere Atmosphäre kurzzeitig auf, tänzelt mit mitreißender Spielfreude durch den Orbit und liefert wuchtige Classic Rock-Melodien.
Doch die Erholung währt nur kurz. ´Explosions In The Sky´ walzt sich als apokalyptisches Doom-Biest durch die Gehörgänge. Nach dem ultrakurzen, filmischen Zwischenspiel ´The Corner Of E 2nd & Robert Martinez´ folgt mit ´Stick It´ ein herrlich rotziges, minimalistisches Slacker-Experiment.
Bei ´You Me Apocalypse´ treffen irre Rhythmuswechsel auf schmissige Mid-Tempo-Grooves. Den irren Einfallsreichtum des Quartetts zeigt ´The Children´. Anstatt auf digitale Sound-Libraries zu setzen, nahm die Band das Intro nachts im hallenden Treppenhaus eines Berliner Altbaus auf. Das gespenstische Echo spielender Kinder bricht nach wenigen Sekunden in eine brutal gesättigte, finstere Soundwand um.
Multiinstrumentalist Jascha Kreft nutzt seine Tasten diesmal nicht für schwebende Space-Träume, sondern erzeugt bedrohliche Horror-Kulissen. Der monströse Titeltrack ´K.A.D.A.V.A.R.´ bricht in der Mitte völlig mit allen Hörgewohnheiten, wächst aber zu einer hypnotischen Hymne heran. Das Finale ´Total Annihilation´ bläst schließlich sämtliche Restbedenken weg. Ein fast siebenminütiger Thrash Metal-Hurrikan, der in rasender Zerstörung und absoluter Stille endet.
KADAVAR haben mit diesem rohen, analogen Doomsday-Befreiungsschlag das schwere Erbe ihrer eigenen Vergangenheit zurückerobert. Rau, apokalyptisch, tonnenschwer.
(8,5 Punkte)
https://kadavarberlin.bandcamp.com/album/kids-abandoning-destiny-among-vanity-and-ruin
https://www.facebook.com/KadavarOfficial



