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JOERIDESTHESKY – Inconsistency

2026 (Independent) - Stil: Alternative Rock

Wer durch die polierte Flut heutiger Fließband-Releases watet, stolpert selten über Platten mit echter Seele. Mit der sechs Stücke starken EP ´inconsistency´ schlägt das Soloprojekt JOERIDESTHESKY des 24-jährigen Essener Multiinstrumentalisten Joel ein spürbares Loch in die sterile Pop-Landschaft. Aufgewachsen in einer Musikerfamilie zwischen Konzertflügel und dröhnenden Verstärkern, nahm Joel nach Jahren in verschiedenen Gruppen das Heft komplett selbst in die Hand. Kein Zögern, keine Ausreden mehr: Singer-Songwriter, Schlagzeuger, Bassist, Gitarrist und Toningenieur in einer einzigen Person.

Der Titel ist hier kühles Programm. Statt auf Nummer sicher zu gehen, wirft Joel jede Stromlinienform über Bord und zimmert eine D.I.Y.-Scheibe zusammen, die mit ihren 32 Minuten Spielzeit meilenweit von kalkulierter Playlist-Ware entfernt liegt. Das zarte Intro ´kodama´ baut eine dichte, melancholische Kulisse auf, ehe das sechsminütige Emo-Prog-Biest ´i’m back´ aus dem Dickicht bricht. Der Song beschwört atmosphärisch NINE INCH NAILS auf Dauerschleife und schraubt sich schleichend in ein gewaltiges, verzerrtes Gitarren-Gewitter hoch.

Inmitten dieser Düsternis zündet die Single ´falsifier´ wie ein blendendes Stroboskop. Geboren aus einer spontanen Jam-Session im Heimstudio, fängt das Stück über einen „lying falsifier“ den verwaschenen Charme des 80er-Jahre-New-Wave ein. Mit dem herbstlichen Herzstück ´he’s the autumn´ schwelgt das Projekt dann in breiten, sehnsüchtigen Gitarrenwänden, während das düstere, beklemmende ´identical strangers´ – getrieben von „dead end paranoia“ und bitterer Entfremdung – deutliche Verneigungen vor Legenden wie THE CURE oder INTERPOL andeutet.

Zum Finale reißt Joel das Gefüge endgültig ein. Das fast zwölfminütige Epos ´the in-between´ ist ein kühnes, frei atmendes Ambient-Post-Rock-Monster. Der Track kreist um die zehrende Formulierung „fool me once, fool me twice“, nimmt sich alle Zeit der Welt für lange Instrumental-Flächen und gipfelt in einem emotional zerrissenen Coda-Finale, in dem das verletzte Befreiungs-Mantra „thank you just for being afraid“ nachhallt.

´inconsistency´ ist ein ungeschliffenes, rohes Stück ehrlicher Underground-Kunst. Die Eigenproduktion klingt intim, besessen und wunderbar unberechenbar. Ein leidenschaftliches Lebenszeichen eines echten Überzeugungstäters.

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