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THE EMERALD DAWN – The Land, The Sea, The Air (Vol. II)

2026 (World's End Records) - Stil: Prog Rock

Mit dem ersten Teil von ´The Land, The Sea, The Air´ hatten THE EMERALD DAWN bereits bewiesen, dass Progressive Rock auch im Jahr 2025 noch große Geschichten erzählen kann. Doch anstatt die Reise lediglich fortzusetzen, führen Ally Carter (Gitarren, Saxophon, Keyboards), Tree Stewart (Gesang, Keyboards, Flöte), Dave Greenaway (Bass) und Tom Jackson (Schlagzeug) ihr Konzept nun zu einem emotionalen Höhepunkt, der noch geschlossener und eindringlicher wirkt. Wo Volume I staunen ließ, fordert Volume II den Hörer heraus, tiefer einzutauchen.

Mit nur drei Kompositionen nehmen sich THE EMERALD DAWN diesmal alle Freiheiten, musikalische Landschaften ohne Zeitdruck entstehen zu lassen. Den Auftakt übernimmt das über einundzwanzigminütige ´Song Of The Rainforest´. Bereits die ersten Minuten wirken wie das Erwachen eines unberührten Dschungels. Flötenklänge imitieren Vogelrufe, sanfte Keyboardflächen legen sich wie Nebelschwaden über die Szenerie und David Greenaways warmer Fretless-Bass hält alles organisch zusammen. Doch diese Idylle bleibt nicht bestehen. Gitarrenriffs schneiden sich zunehmend aggressiver durch das Klangbild, Tom Jackson treibt die Dynamik mit wechselnden Rhythmen unaufhaltsam voran und Ally Carters expressives Saxophon klingt schließlich weniger nach Virtuosität als nach einem verzweifelten Aufschrei. Zwischen jazzigen Ausbrüchen, symphonischer Wucht und nahezu meditativen Ruhephasen entfaltet sich ein Werk, das zu den stärksten Kompositionen der Bandgeschichte zählen dürfte.

Nicht minder beeindruckend fließt ´Rivers Of Tears´ dahin. Während Tree Stewart am Klavier zunächst eine beinahe fragile Melodie entwickelt, gleiten Bass und Schlagzeug mit beeindruckender Eleganz durch ständig wechselnde Taktarten. Ihr Gesang besitzt dabei eine Wärme, die den ökologischen Gedanken des Albums nicht predigend, sondern zutiefst menschlich vermittelt. Erst allmählich ändert sich die Atmosphäre. Dunklere Synthesizer, scharfkantige Saxophoneinwürfe und komplexe rhythmische Verschiebungen lassen die einst friedliche Strömung bedrohlich anschwellen. Dennoch verliert die Musik niemals ihren melodischen Kern.

Nach diesen beiden monumentalen Werken wirkt ´Paradise´ beinahe wie das Licht hinter einem langen Tunnel. Tree Stewart trägt die eingängige Melodie mit einer berührenden Selbstverständlichkeit vor, während sich orchestrale Keyboardarrangements und Ally Carters geschmackvolles Gitarrenspiel zu einem hoffnungsvollen Finale vereinen. Das abschließende Solo verzichtet auf jede Eitelkeit und setzt stattdessen vollständig auf Atmosphäre. So schließt sich der Kreis des Doppelalbums mit einer Botschaft, die trotz aller Melancholie den Glauben an Veränderung nicht aufgibt.

Erneut beeindruckt auch die Produktion. Jeder Klang besitzt Tiefe und Transparenz. Die zahlreichen Keyboardfarben, Saxophon- und Flötenpassagen, Gitarren und der außergewöhnlich präsente Bass erhalten genügend Raum, um ihre Wirkung vollständig entfalten zu können. Das Album klingt warm, lebendig und organisch – genau so, wie Progressive Rock dieser Güteklasse klingen sollte.

Mit ´The Land, The Sea, The Air (Vol. II)´ vollenden THE EMERALD DAWN nicht einfach ein zweiteiliges Konzeptalbum, sondern erschaffen ein geschlossenes Progressive Rock-Meisterwerk. Die Verbindung aus musikalischer Klasse, emotionaler Tiefe und einer cineastischen Klangsprache wirkt noch konzentrierter als auf dem ohnehin hervorragenden Vorgänger. Wer sich auf diese fünfundvierzig Minuten einlässt, erlebt eine intensive Reise durch Schönheit, Verlust und Hoffnung.

(9 Punkte)

https://www.facebook.com/TheEmeraldDawn

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