
SPARTAN WARRIOR – Steel n’ Chains
1983/2026 (High Roller Records) - Stil: NWoBHM
1983. Die New Wave of British Heavy Metal hatte ihren explosiven Zenit bereits überschritten. Die großen Namen wie IRON MAIDEN, SAXON oder DEF LEPPARD waren längst auf dem Weg in die Arenen der Welt, während tief unten im englischen Underground noch immer Bands in verrauchten Arbeiterclubs um jede Bühne kämpften. Genau aus dieser rauen Realität von Sunderland stammten SPARTAN WARRIOR. Mit ´Steel n’ Chains´ veröffentlichten David Wilkinson, Neil Wilkinson, Paul Swaddle, Tom Spencer und Gordon Webster ein Debüt, das heute wie eine eingefrorene Momentaufnahme jener letzten, wilden NWoBHM-Jahre wirkt.

Schon der Auftakt mit ´Cold Hearted´ macht klar, wohin die Reise führt. Druckvolle Gitarren, ehrliche Riffs und ein kerniger Gesang eröffnen ein Album, das seine Wurzeln tief im britischen Heavy Metal verankert hat. David Wilkinson singt dazu oft in dieser rotzigen Art wie SAXONs Biff Byford und besitzt dieses leicht raue, typisch nordenglische Arbeiterklasse-Timbre. ´Stormer´ erhöht hernach sofort das Tempo und entwickelt mit seinen schneidenden Twin-Gitarren beinahe Speed Metal-Qualitäten. Dieser fast schon punkige Vorwärtsdrang kombiniert mit Heavy Metal-Riffs war auch typisch für die ganz frühen IRON MAIDEN.
Dagegen unterstreicht das eingängige ´Easy Prey´ den melodischeren Charakter der Band. David Wilkinson singt weniger rotzig, während die singenden Twin-Guitar-Harmonien an die bekannten 70s-Vorreiter erinnern. Insgesamt besitzt die erste Albumhälfte jene raue Energie, die an frühe DIAMOND HEAD, TYGERS OF PAN TANG oder RAVEN erinnert.
Mit ´Breakin’ Sweat´ zeigt sich die Band überraschend hymnisch. Das Stück verbindet durch sein Midtempo-Riff klassische NWoBHM-Dynamik mit einer fast schon stadiontauglichen Eingängigkeit, ganz im Sinne von TOKYO BLADE und early DEF LEPPARD. Der Titelsong ´Steel n’ Chains´ ist der bekannteste Klassiker der Band und bildet dementsprechend den Höhepunkt der ersten LP-Seite. Das markante Hauptriff frisst sich unmittelbar ins Gedächtnis und trägt jene kämpferische Attitüde in sich, die dem Album seinen Namen gibt. Dabei bildet der Song bereits eine Brücke zwischen klassischer NWoBHM-Schule und echtem US Metal.
Die zweite Hälfte offenbart dagegen die Zerrissenheit vieler britischer Metal-Bands des Jahres 1983. Während das klassisch galoppierende ´Hell Hath No Mercy´ und das düster stampfende ´Witchfinder´ noch einmal tief in okkulte Heavy Metal-Gefilde eintauchen und Erinnerungen an ANGEL WITCH und OZZY bzw. WITCHFYNDE wachrufen, öffnen ´It’s Alright´, fast wie eine kommerzielle Rock-Nummer á la PRAYING MANTIS, und ´Don’t Wanna Be A Loser´, eine echte Arbeiterklasse-Hymne zum Lebensgefühl der Jugend im wirtschaftlich gebeutelten Nordosten Englands, die Tür in Richtung melodischer Hard Rock und amerikanischer Einflüsse. Gerade dieses stilistische Schwanken macht ´Steel n’ Chains´ heute so interessant. Es dokumentiert den Moment, als viele NWoBHM-Bands zwischen kompromisslosem Underground und den ersten Verlockungen des internationalen Marktes standen.

Auch hinter den Kulissen erzählt das Album eine Geschichte typischer Underground-Leidenschaft. Nach den beiden Beiträgen zum Sampler ´Pure Overkill´ erhielt die Band ihren Vertrag bei “Guardian Records”. Kurz vor den eigentlichen Albumaufnahmen musste Gitarrist John Stormont ersetzt werden, sodass Paul Swaddle die neuen Songs praktisch im Eiltempo einstudierte. Solche Geschichten gehörten damals zum Alltag kleiner Metal-Bands und verleihen dieser Platte bis heute ihren sympathischen Charme.
Damals verhinderten das kleine Label und die geringe Auflage den größeren Durchbruch. Gerade deshalb entwickelte sich die Originalpressung über die Jahrzehnte zu einem begehrten Sammlerstück, dessen Preise regelmäßig dreistellige Beträge erreichen. Umso erfreulicher fällt die aktuelle Neuauflage von “High Roller Records” aus. Das schwere Vinyl, das stabile 425g-Klappcover, Poster und Booklet sowie das transparente Remastering von Patrick W. Engel im “Temple of Disharmony” holen erstaunlich viel Tiefe aus den Originalbändern heraus. Die Gitarren wirken luftiger, Gordon Websters Schlagzeug erhält mehr Druck und der warme Charakter der frühen Achtziger bleibt vollständig erhalten. Genau so sollte eine liebevoll produzierte Reissue klingen.
´Steel n’ Chains´ ist kein vergessenes Meisterwerk auf dem Niveau von IRON MAIDENs Klassikern. Dafür besitzt dieses Album etwas, das sich kaum restaurieren oder künstlich erzeugen lässt: ehrlichen Enthusiasmus, ungeschliffene Spielfreude und den unverfälschten Geist der NWoBHM. Daher hat diese Platte ihren Kultstatus völlig verdient und gehört in jede Sammlung traditioneller Heavy Metal-Fans.
(8,5 Punkte)
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