PlattenkritikenPressfrisch

PHIDEAUX – AutoMoto Animus

2026 (Bloodfish/Just For Kicks Music) - Stil: Prog Rock

Acht Jahre nach ´Infernal´ meldet sich PHIDEAUX zurück – und zwar mit einem Album, das wirkt, als hätte jemand die verspielte Fantasie der späten Sechzigerjahre, die Melancholie des klassischen Progressive Rock und die Unsicherheit unserer Gegenwart in einer einzigen Schallplattenrille eingefangen.

Schon der Opener ´Do What U Will´ überrascht. Irgendwo zwischen Post Punk, Art Pop und psychedelischem Prog entwickelt sich ein Song, der mit seinem treibenden Beat und den eingestreuten Handclaps beinahe zum Mitklatschen zwingt. Die eingängigen Harmonien sind dabei tief in den goldenen Tagen von ELO und den späten BEATLES verwurzelt.

Noch stärker gerät das anschließende ´Hey Humanity´. Fröhlich und melancholisch zugleich, als würden Sonnenstrahlen durch eine regennasse Fensterscheibe fallen. Phideaux Xavier besitzt die seltene Gabe, große Melodien zu schreiben, ohne jemals kitschig zu wirken. Die Streicher, die Chöre und die feinen Gitarrenlinien verleihen dem Stück eine Wärme, die im modernen Prog längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

´Driving To Destruction´ ist rhythmisch verspielt, voller clever platzierter Wortakzente und mit einer unterschwelligen Nervosität ausgestattet, so daß der Song an eine ungewöhnliche Begegnung zwischen SPARKS, XTC und klassischem Progressive Rock erinnert. Trotz aller Komplexität bleibt die Nummer erstaunlich zugänglich. Phideaux Xavier verzichtet ohnehin weitgehend auf verkopfte Virtuosität. Die Songs atmen. Sie fließen. Sie leben von Atmosphäre und Charakter.

Das wunderschöne ´Charlie Knew´ trägt unverkennbar den Geist der späten BEATLES in sich. Nicht als billige Kopie, sondern als liebevolle Verbeugung vor jener Epoche, als Popmusik noch Abenteuer sein durfte. Mellotron, Chöre und orchestrale Farbtupfer erzeugen eine fast schwerelose Nostalgie.

´Siren In The Storm´ eröffnet mit akustischer Gitarre und entwickelt sich langsam zu einem der atmosphärisch dichtesten Stücke des Albums. Folk, Psychedelic Rock und Progressive Rock verschmelzen hier zu einem Klangbild, das an frühe JETHRO TULL, PINK FLOYD und stellenweise sogar an die verträumtesten Momente von MOODY BLUES erinnert.

Das Kernstück bildet jedoch das 14-minütige Finale ´Legend Of Mary Jo´. Überraschenderweise verliert sich das Stück nie in typischen Prog-Exzessen. Stattdessen bewahrt es über die gesamte Laufzeit eine fast beschwingte Leichtigkeit. Die Melodien besitzen einen deutlichen Sechzigerjahre-Charme, während Saxophon, Mellotron, Klavier und mehrstimmige Gesänge immer neue Farben hinzufügen. Das Ergebnis wirkt wie ein vergessenes Konzeptstück aus einer Parallelwelt, in der THE BEATLES, GENESIS und 10CC gemeinsam ein Prog-Epos aufgenommen hätten.

Auch optisch trifft PHIDEAUX ins Schwarze. Das Artwork schreit förmlich nach Vinyl. Die gesamte Gestaltung vermittelt jene warme, analoge Magie, die man einst beim Öffnen einer frisch gekauften LP spürte. Dieses Album möchte man nicht streamen. Man möchte es aus dem Regal ziehen, auflegen und bewusst erleben.

Mit ´AutoMoto Animus´ gelingt Phideaux Xavier ein beeindruckendes Comeback. Kein monumentaler Prog-Koloss wie ´Doomsday Afternoon´, sondern ein farbenreiches, melodieverliebtes Werk voller Charme, Seele und zeitloser Songkunst. Ein Album für lange Sommerabende, nächtliche Kopfhörersessions und alle, die glauben, dass Musik noch immer Magie erzeugen kann.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/phideaux.xavier
https://www.facebook.com/PhideauxPage/

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"