
Als die ersten düsteren Töne von ´Sleep Eternally´ aus den Boxen kriechen, fühlt man sich schlagartig zurückversetzt in jene magische Epoche, als Heavy Metal noch nach Kerzenwachs, Lederjacken, kaltem Bühnennebel und nächtlichen Plattenladen-Besuchen roch. Doch LEX LEGION sind keine nostalgische Zeitmaschine. Sie sind der lebende Beweis dafür, dass große Musiker auch vier Jahrzehnte nach ihren ersten Schlachten noch hungrig sein können.
Die Geschichte hinter diesem Album wirkt beinahe wie ein verlorenes Kapitel aus einem alten Metal-Märchen. Bereits 2008 entstanden die ersten Ideen von Pete Blakk und Andy La Rocque. Danach verschwand das Material für viele Jahre in der Versenkung, während die Beteiligten mit KING DIAMOND, MOTÖRHEAD, SCORPIONS oder PAGAN’S MIND um die Welt zogen. Erst die erzwungene Ruhe zu Beginn der Dekade brachte die Funken wieder zum Glühen.
Sie bekäftigten jedoch von Anfang an, dass LEX LEGION niemals eine weitere KING-DIAMOND-Kopie erschaffen würden. Natürlich schwebt der Geist der späten Achtziger über vielen Passagen. Wie könnte es auch anders sein, wenn Andy La Rocque, Pete Blakk, Hal Patino und Mikkey Dee gemeinsam musizieren?
Sänger Nils K. Rue wurde ausdrücklich aufgefordert, seine eigene Identität einzubringen – eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweist. Seine Stimme trägt dieses Album mit beeindruckender Autorität. Kraftvoll, dramatisch, und melodisch bewegt er sich dennoch eigenständig genug durch die neun Stücke.

´Sleep Eternally´ eröffnet das Debüt mit einer Mischung aus düsterem Heavy Metal und klassischem Power Metal-Flair. Noch stärker fällt anschließend ´Gypsy Tears´ aus. Hier erwacht die große Theater-Magie des klassischen Metal zum Leben. Die Atmosphäre erinnert stellenweise an die finsteren Glanzmomente von KING DIAMOND.
Mit ´When The Stars Align´ folgt eine jener Hymnen, die man bereits nach wenigen Durchläufen mitsingen möchte. Klassischer Heavy Metal in seiner reinsten Form, der Erinnerungen an frühe QUEENSRŸCHE, CRIMSON GLORY oder SAVATAGE wachruft. ´(I Am) The Resurrected´ verbindet traditionelles US Metal-Songwriting mit progressiven Elementen.
´Lost Inside´ demonstriert eindrucksvoll, wie mächtig ein einzelnes Riff sein kann, wenn es von erfahrenen Songwritern erschaffen wurde. Ein weiteres Highlight stellt ´Darkness´ dar. Die Komposition schlägt eine Brücke zwischen klassischem US Metal und den atmosphärischen Momenten von QUEENSRŸCHEs goldener Ära.
Spätestens bei ´Saviours´ werden die Nackenmuskeln auf eine harte Probe gestellt. Das Stück rast mit NWOBHM-Energie durch die Lautsprecher und erinnert daran, weshalb La Rocque und Blakk einst zu den spannendsten Gitarrenduos des Genres gehörten. Mit ´Life Eternal´ erreicht das Album schließlich seinen melodischen Höhepunkt. Den emotionalen Schlusspunkt setzt allerdings das instrumentale ´Far Away´.
Bei LEX LEGION spielen keine Veteranen, die verzweifelt vergangene Triumphe reproduzieren möchten. Hier musizieren Freunde, die ihre gemeinsame Geschichte feiern und gleichzeitig beweisen, dass klassische Heavy Metal-Werte auch im Jahr 2026 nichts von ihrer Faszination verloren haben. Zudem erschaffen LEX LEGION ein Werk voller Atmosphäre, Klasse und Herzblut. Ein Album, das nach Mitternacht gehört werden will. Und vielleicht mit dem alten Lieblings-Patch auf der Kutte.
(8 Punkte)


