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LITTLE MILTON – We’re Gonna Make It

1965/2026 (Chess Records) - Stil: Blues

Ein Mann steht am Mikrofon, die Stimme irgendwo zwischen Kirche und Schmerz, und singt seinem Land ins Gewissen. So klingt der Sommer 1965, und so klingt Little Milton.

Geboren wurde er als James Milton Campbell Jr., am 7. September 1934 im Mississippi-Delta, genauer gesagt in Inverness, aufgewachsen im nahen Greenville, wo sein Vater als Farmer und nebenberuflicher Musiker unter dem Namen „Big Milton“ bekannt war. Damit klar war, wer gemeint ist, wenn der Sohn später selbst auf der Bühne stand, blieb der Spitzname „Little Milton“ hängen, obwohl der junge Mann längst kein schmächtiger Junge mehr war.

Schon mit zwölf trat er als Straßenmusiker auf, geprägt vor allem vom Gitarrenspiel T-Bone Walkers, bis ihm Eddie Cusic aus seiner ersten richtigen Band, den RHYTHM ACES, das Gitarrenspiel beibrachte. Ike Turner entdeckte ihn schließlich und brachte ihn zu „Sun Records“ nach Memphis. Der Weg von dort bis nach Chicago, zu „Chess“ und ihrem Sublabel „Checker“, war lang, aber am Ende dieses Wegs stand ein Album, das den ganzen Sound eines Labels neu erfand.

In den frühen Sechzigerjahren hatte Little Milton mit ´So Mean To Me´ bereits seinen ersten echten Charterfolg gelandet, Platz 14 der R&B-Charts, ein erster Fingerzeig, dass in ihm mehr steckte als nur ein weiterer Delta-Blueser.

„Chess“ steckte Mitte der Sechziger in der Krise, der raue alte Chicago-Blues wirkte plötzlich angestaubt. Little Miltons Titelsong änderte das über Nacht. Drei Wochen an der Spitze der R&B-Charts, dazu der Sprung bis auf Platz 25 der Pop-Charts, der einzige Top-40-Erfolg seiner ganzen Karriere. Eigentlich erzählt der Song von einem verliebten Paar, das trotz leerem Kühlschrank zusammenhält, doch mitten in den Jahren der Bürgerrechtsbewegung wurde die Zeile ´We’re Gonna Make It´ zu etwas viel Größerem, zu einem Versprechen einer ganzen Generation.

Das Album eröffnet konsequent mit diesem Titelstück, treibende Bläser, Gospel im Gesang, eine bluesige Gitarre, die den geschmeidigen Soul-Groove immer wieder aufreißt. Gleich danach folgt ´You’re Welcome To The Club´, eine Basslinie so tight, dass sie Jahrzehnte später von Hip-Hop-Größen wie Ghostface Killah gesampelt wurde. ´I’m Gonna Move To The Outskirts Of Town´ verbindet jazzige Phrasierung mit rohen Blues-Schreien, ´Blues In The Night´ verlangsamt einen alten Big-Band-Song zum schweren Drama, und ´Country Style´, geschrieben von Willie Dixon, holt Little Miltons ländliche Mississippi-Wurzeln zurück in die Großstadt. ´Who’s Cheating Who´ beschließt Seite eins noch einmal im vollen Tempo.

Seite zwei beginnt mit ´Blind Man´, eines der großen gesanglichen Highlights, Little Milton wechselt hier mühelos zwischen Flüstern und rauem Shout, während die Bläser wie ein Gospelchor antworten. ´Can’t Hold Back The Tears´ bleibt trotz des traurigen Titels tanzbar, ´Believe In Me´ nähert sich sanft dem Motown-Sound, ohne die bluesige Kante zu verlieren, und ´Stand By Me´, nicht zu verwechseln mit dem bekannten Ben E. King-Song, lässt Little Miltons Gitarre glänzen. ´Life Is Like That´ zeigt deutlich den Einfluss von B.B. King, und ´Ain’t No Big Deal On You´, eine Umarbeitung von Guitar Slims Klassiker, jagt das Album mit rauem Tempo ins Ziel.

Was diesem Album seine Kraft schenkt, ist auch die Band im Hintergrund. Am Schlagzeug saß Maurice White, später Gründer von EARTH, WIND & FIRE, am Bass Louis Satterfield, der ebenfalls bei EARTH, WIND & FIRE landete, an den Arrangements der Saxofonist Gene Barge, der den Titelsong sogar mitschrieb. Drei zukünftige Legenden, die hier noch als Studiomusiker ihre Handwerkskunst schärften.

2026 erscheint ´We’re Gonna Make It´ als Teil der „Chess Records Acoustic Sounds Series“, komplett analog gemastert von Matthew Lutthans in den Mastering-Lab-Studios, gepresst auf schwerem 180g-Vinyl bei „Quality Record Pressings“. Das dicke Stoughton-Tip-On-Gatefold ersetzt die schlichte Single-Sleeve von 1965, die Bläser stechen jetzt schärfer hervor, ohne härter zu klingen, und der tiefe, warme Bassbereich, den digitale Remaster so oft verschlucken, bleibt hier vollständig erhalten.

´We’re Gonna Make It´ ist der Klang eines Mannes, der einem ganzen Genre neues Leben einhauchte und einem ganzen Land ein Versprechen sang, das bis heute nachhallt. 1988 wurde Little Milton in die „Blues Hall of Fame“ aufgenommen, er blieb bis zu seinem Tod im Jahr 2005 aktiv auf der Bühne, und dieses Album bleibt der Moment, in dem aus einem talentierten Sänger endgültig eine Legende wurde.

https://www.facebook.com/LittleMilton

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