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LE TOUR DE FORCE – Le Tour De Force

2026 (Astronomy Recording Music / Just For Kicks) - Stil: Progressive Rock / Math Rock / Eclectic Prog

Man wirft den Schalter um, schnallt sich fest in den Regiesessel und spürt augenblicklich, wie die Sicherungen im Sicherungskasten bedrohlich glühen. Was das spanische Trio LE TOUR DE FORCE auf seinem gleichnamigen Debütwerk veranstaltet, ist ein reiner instrumentaler Hexenkessel aus verschachtelter Mathematik und purer Fripp-Mania. Wer immer dachte, virtuos geschulte Jazz-Musiker könnten keinen saftigen Prog-Rock mit Ecken und Kanten schmieden, bekommt hier eine ordentliche Abreibung verpasst. Aus dem Staub von Saragossa heraus abgefeuert, bringt das Trio ein Instrumentalkaliber auf den Seifenkisten-Parcours, das mit heulenden Reifen direkt in den Palast eines gewissen Prog-Königs brettert.

Schon beim irren Auftakt ´Radical´ fliegen dem Hörer die Fetzen um die Ohren. Gitarren-Flitzefinger Fernando de la Figuera de Arriba feuert rückwärts eingespielte Klangelemente und vertrackte Taktarten ab, als wollte er das Gehirn des Hörers im Minutentakt neu verdrahten. Bassist Martín Gros Breto übernimmt mit einem wuchtigen Funk-Groove das Kommando, während Schlagzeuger Francisco Gazol Gracia polyrhythmische Salven abfeuert. Hier regiert nicht das kalte Reißbrett, sondern der pure Spaß an der musikalischen Eskalation.

Die musikalische Ahnengalerie schreit mit jeder Note nach den legendären Heldentaten von KING CRIMSON, lässt jedoch ebenso die technische Schärfe von ANIMALS AS LEADERS und DON CABALLERO durchblitzen. Im fast neunminütigen Epos ´Planet 503´ taucht die Band tief in hypnotische Sphären ab. Fernando de la Figuera de Arriba schichtet analoge Tonband-Loops über vielschichtige Arpeggios. Diese Frippertronics erzeugen eine psychedelische Dichte, die direkt an die glorreiche ´Discipline´-Ära erinnert.

Auf dem wuchtigen Siebenminüter ´The Genesis Of The Seven Tides´ bricht die Jazz-Vergangenheit der drei Spanier mit unbändiger Wucht durch. Komplexeste Akkordfolgen treffen auf harsche Rock-Eruptionen. Das gigantische, knapp zwölfminütige ´Inconsciencias´ gibt dem Hörer schließlich den Rest. In einer schweißtreibenden Session eingespielt, wälzt sich dieser Brocken mit der düsteren Schwere der Siebziger-Scheibe ´Red´ durch den Gehörgang. Wilde Tempowechsel, dramatische Riffs und knochenharte Math Rock-Breaks treiben den Puls schlagartig auf einhundertachtzig.

Nach der atmosphärischen Post Rock-Atempause ´Daydreaming´ und dem peitschenden Rhythmus-Monster ´Psycho-Jungle´ entlässt das Finale ´Penguins´ den Hörer mit einem breiten Grinsen. Wie eine Herde zufriedener Pinguine watscheln die Gitarrenlinien durch eine glasklare Eiskristall-Landschaft. LE TOUR DE FORCE versenken hier sieben messerscharfe Nägel im Gebälk des Genres und liefern ein Debüt ab, das den Geist alter Helden heraufbeschwört und gleichzeitig voller moderner Energie steckt.

(8,5 Punkte)

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