
DAVID MOSS – Full House
1984/2026 (Yatak) – Stil: Avantgarde / Vocal & Percussion Performance
Wenn der New Yorker Downtown-Untergrund der 80er Jahre ein Manifest für kreativen Wahnsinn und kompromisslose Spontaneität brauchte, dann trifft David Moss mit ´Full House´mitten ins Schwarze. Das 1984 ursprünglich über das “MoersMusic Label“ erschienene Werk lässt sich kaum in gängige Genreschubladen packen – hier regiert musikalische Anarchie aus Stimmakrobatik, Percussion sowie Sound-, Klang- und Rhythmuskollagen. Um den Geist dieser Zeit wieder aufleben zu lassen, wurde das Werk nun erneut aufgelegt.
Und so hält der Albumtitel, was er verspricht: Moss hat sich eine Handvoll der umtriebigsten Geister der damaligen Szene eingeladen und lebt mit ihnen eine grenzenlose, experimentelle Freude am Erzeugen von Klängen und Rhythmen aus, mit allem, dessen man habhaft werden konnte, zahlreiche Mund- und Körpergeräusche inklusive.
Die Bandbreite der Gäste liest sich wie das Who’s Who der experimentellen Avantgarde: John Zorn erfüllt mit seinen animalischen Tierrufen, gluckernden Geräuschen und Schmatzlauten den Raum (´Hand Tech´), während Christian Marclay per Plattenspieler abgespielte Sound-Collagen über rhythmische Exzesse legt (´Fashion Like Edges´).
Auf ´Impound This Touch´ liefert sich Gitarren-Dadaist Fred Frith schräge Dialoge mit Moss unberechenbarem Stimm- und Schlagwerkarsenal. Bill Laswell sorgt am Bass in ´Tunes´ für eine weitere Klangfarbe, die abermals durch Moss irrsinnige Stimmkapriolen, Quietschen, Grunzen und Klangfragmente durcheinandergewirbelt wird.
Über eine Dreiviertelstunde klappert, scheppert, rasselt, fiept und rumpelt es an allen Ecken. Selbst im direkten Gesangsduell (oder besser: Stimmgeräusch-Duell) mit Phil Minton (´Liquids Of Choice´) eskaliert das Geschehen in eine weitere Klangkaophonie.
Das alles ist keine leicht verdauliche Kost, stellenweise recht anstrengend und verlangt dem Hörer einiges an Offenheit und Humor ab. Nach eingängigen Melodien sucht man hier vergeblich. Doch die pure Energie, Spielfreude und der radikale Innovationsgeist dieser Ära machen ´Full House´ zu einem zeitlosen Dokument der Free Jazz– und Performance-Avantgarde.
Oder anders gesagt: ´Full House´ ist vertonter musikalischer Wahnsinn in Tüten beziehungsweise Duetten. Chaotisch, spontan und schamlos kreativ.
(Ohne Wertung)
https://www.davidmossmusic.com/