
CASTLE – Carrie Chains
2026 (Hammerheart Records) – Stil: Heavy-/Seventies Metal
Die Band um Gitarrist Mat Castle und Sängerin/Bassistin Liz Blackwell liefert mit ihrem inzwischen siebten Album ihr Referenzwerk ab. Das Trio hat sich seit der Veröffentlichung ihres Debüts `The Witch Order` von 2011 immer wieder auf eine Art neu erfunden. Kein Album klingt wie das andere und dennoch haben die Frühwerke eine zentrale Verbindung. Verstärkt doomige Elemente mit teils okkulter Thematik und einem unverkennbaren Abdriften in die schweren Riffstrukturen der späten Siebziger Jahre. Mit dem 2018er Album `Deal Thy Fate` kappt man über weite Strecken diese Verbindungen. Was sich schon im Opener `Can`t Escape The Evil` zeigt, der Teils mit SLAYER-ähnlichen Riffs und Geschwindigkeiten kokettiert. Dazu kommen weitere Songs, die immer mal wieder Vergleiche zu MERCYFUL FATE aufkommen lassen. Auf dem 2024er Album `Evil Remains` ging man noch weiter in diese Richtung, sprich klassischer Siebziger Heavy Metal mit NWoBHM-Einlagen, noch mehr musikalische Breite und die Doom-Elemente wurden erneut an die Seitenlinie degradiert.

Ihre im Frühjahr 2026 veröffentlichte ´Double Vision`-EP mit Cover-Versionen zeigte deutlich die musikalischen Vorlieben und Einflüsse, die zum Teil doch sehr überraschten. Umso spannender kam die Frage auf, wohin gehen CASTLE mit ihrem nächsten Album? `Carrie Chains` macht gnadenlos klar: das Trio hasst Stillstand. Das Album ist ein weiterer Schritt in den klassischen Heavy Metal mit erneut weniger doomigen und okkulten Einfärbungen. Riffs mit der schweren Siebziger Note und wuchtige Taktungen aus eben jener Zeit, gepaart mit erneut hörbaren NWoBHM-Einflechtungen. Auch wenn hier die sogenannten Retroaspekte überwiegen, klingen die acht Songs frisch, energisch, spannnend und vor allem abwechslungsreich.

Mit Liz Blackwells Gesang hat man aber auch noch einen weiteren Bonuspunkt. Auch wenn sie manchmal etwas geradelinig klingt, hat ihre Stimme bestimmte Färbungen, die unverkennbar sind. Wenn die Nummern dann auch noch härter werden, läuft die Frau zu einer unglaublichen Klasse auf. Dass man mit nur einer Gitarre so eine fette Riffwand erzeugen kann, zeigt, Mat Castle ist ein Riffmonster. `Carrie Chains` hat mich von der ersten Minute an den Eiern gehabt. Man wird mit einem Album konfrontiert, das von einer gigentischen, eigenen Identität geprägt ist.
Mit dem Opener `Fooled Again` zeigen CASTLE umgehend auf, dass sie wieder einen Schritt weiter gegangen sind, wie beim Vorgänger. Auch wenn eine gewisse BLACK SABBATH-Riffschwere das Stück dominiert, ist die Taktung erhöht und Blackwell liefert die gesamte Spannbreite ihrer faszinierenden Stimme. Mit dem folgenden ´3 Knocks´ legen sie eine Nummer nach, die zum Besten gehört was bisher von der Band kam. Up-Tempo, mit einer epischen Schwere unterlegt und einer Heavyness, die den Spirit des NWoBHM atmet. Pure Gänsehaut! Etwas abweichend vom Albumtitel steht mit `Carry Chains` eine der Hymnen des Albums an. Was für ein Groove, was für ein Refrain. Beides frisst sich förmlich in die Gehirnwindungen. Packend aufgebaut und mit einer fantastischen Gitarrenarbeit abgerundet. Mit `Evil Nun` kommen zwar schwere Doom-lastige Riffs zurück, denen man allerdings ein kleines Tempo-up-date verpasst hat. Ein Banger vor dem Metalgott. Wenn man denkt, die Band hat schon mächtig geliefert, kommt `Truckgrinder`. Alter Schwede. Musikalisch was komplett anderes. Ein bösartiger, harter, treibender Bolide, der sich komplett löst vom bisher gebotenen. Fucking heavy, ein Marsch durch alle Instanzen. Mit `Orb Weaver` setzt man den Adrenalinschüben ein Ende. Ein schleppender, der doomigen Vergangenheit geschuldeter Song. Fängt etwas schräg an, legt nach zwei Minuten in Sachen Tempo gut zu. Auffallend die immer präsente Melodie und der teilweise schon fast melodische Gesang von Liz. Sicher die ungewöhnlichste Nummer auf dem Album, das vor Stärke nur so strotzt. `Goat Vision` zeigt eine eher melancholisch aufgestellte Band, die mit einer fast schon ruhigen Nummer die Aufmerkamkeit auf sich zieht. Auch hier überpräsent, eine süße Melodielinie, die einen tagelang verfolgt. Mats Gitarrenarbeit eher zaghaft, fast schon schüchtern. Geile Nummer. Mit dem albumschließenden `Burn The Messenger` hobelt man noch einmal eher doomige Riffs in die Atmosphäre. Der Song lebt von einem harten Groove, der schwer an die Siebziger erinnert, aber durch Liz` Gesang nicht ganz so puristisch klingt und durch die atmosphärischen Zwischenparts eher lockerer wirkt. Dass man kurz vor Ende, nach einem kurzen Break, noch einmal durchstartet, wirkt fast schon wie ein Schock. Zumal der Teil des Songs nicht zu dem vorgehenden passt oder ist das ein für sich alleinstehender Song, den man nicht als Track gelistet hat? Berechtigte Frage. Dennoch, die 35 Minuten dieses Album gehören für mich zum Besten, was ich dieses Jahr bisher gehört habe. CASTLE haben ihr bisheriges Meisterwerk geliefert.

Neben der Vinyl-Version in einigen Farbvariationen hat man sich noch was echt geiles einfallen lassen. Es gibt eine „Limited Edition“-CD-Version in einer Longbox, wie man sie damals bei Einführung der CD in den USA kaufen konnte. Zusätzlicher Gag dabei, man findet die im Frühjahr veröffentlichte Cover Songs-EP, damals nur auf Vinyl veröffentlicht, hier in einer CD-Version.
Keine Frage, CASTLE mit haben mit diesem Album gezeigt, dass sie eigentlich in einer ganz anderen Liga spielen müßten. Ich für meinen Teil kann nur eines sagen: Danke, danke, danke, für solch ein großartiges Album.
(9 Punkte)



