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LAST KNIGHT – The Lords Of Wisdom 1: Reconquista

2026 (Somnus Media/Just For Kicks Music) - Stil: Prog Rock

Über den zerklüfteten Bergen Asturiens liegt dichter Nebel. In den Tälern lodern Feuer. Fern erklingen Hörner, während Ritter, Pilger, Könige und Eroberer ihre Spuren durch die Jahrhunderte ziehen. An diesem Ort beginnt die Reise von LAST KNIGHT. Mit ´The Lords Of Wisdom I: Reconquista´ öffnet Jose Manuel Medina das Tor zu einem Werk, das weniger Album als vielmehr historisches Panorama ist.

Wer LAST KNIGHT seit ´Talking To The Moon´ oder dem monumentalen ´Seven Deadly Sins´ begleitet, weiß um den gewaltigen Ehrgeiz dieses Projekts. Doch diesmal reicht der Blick deutlich weiter. Wo einst psychologische Abgründe und spirituelle Themen im Mittelpunkt standen, erhebt sich nun eine musikalische Chronik des mittelalterlichen Spaniens. Die Reconquista wird dabei nicht erzählt, sie wird durchlebt.

Die ´Overture´ macht unmissverständlich klar, dass die Schlachtfelder bereits warten. Mächtige Chöre des „Somnus Symphony Orchestra“ treffen auf Mellotron-Wolken, orchestrale Fanfaren und eine Dramaturgie, die eher an große Fantasy-Filmklassiker erinnert als an gewöhnlichen Progressive Rock.

Der eigentliche Zauber des Albums liegt jedoch in seiner Detailverliebtheit. Jose Manuel Medina erschafft eine musikalische Landkarte der Iberischen Halbinsel. Für die christlichen Königreiche im Norden dominieren keltische Farben, Flöten und folkloristische Melodien. Stücke wie ´The Kingdom Of Asturias´ oder das wunderschöne ´A Green Field Of Memories´ atmen die raue Luft des Nordens. Besonders Troy Donockleys Whistles verleihen diesen Passagen eine fast magische Aura.

Auf der anderen Seite steht ´Cordoba´. Hier öffnet sich eine völlig andere Welt. Orientalische Skalen, Saz, Psalter und mittelöstliche Rhythmik entführen den Hörer tief in das Herz von Al-Andalus. Die Verschmelzung dieser kulturellen Gegensätze gehört zu den größten Stärken des Albums.

Musikalisch bewegen sich LAST KNIGHT souverän zwischen klassischen GENESIS-Momenten, der epischen Wucht von AYREON und den orchestralen Visionen früher TRANSATLANTIC-Werke. Dennoch besitzt das Album viel eigene Identität.

Die beiden Herzstücke des Werkes heißen ´The Kingdom Of Leon´ und ´The Kingdom Of Galicia´. Allein diese beiden Mammutkompositionen verschlingen fast eine halbe Stunde Spielzeit. Tempowechsel, ausladende Instrumentalpassagen, Hammond-Orgeln, symphonische Höhepunkte und emotionale Gesangsduelle verschmelzen hier zu einem Prog-Epos alter Schule.

Einen deutlichen Kontrast setzt ´War´. Druckvolle Gitarren von Nelson Pombal und Kheiro Lamri treffen auf das dynamische Schlagzeugspiel von Jeff Duncan. Hier lodern die Konflikte der Reconquista unmittelbar auf. Die orchestralen Elemente bleiben präsent, doch der Rock gewinnt kurzzeitig die Oberhand.

Vokalistisch lebt das Album von seiner Vielfalt. Marc Atkinson, Mariano Gardella, Deibys Artigas und Jose Manuel Medina selbst verleihen den einzelnen Kapiteln unterschiedliche Farben. Mal klingt die Musik nach Hoffnung, mal nach Verlust, mal nach triumphalem Aufbruch. Diese wechselnden Perspektiven halten das Werk über die gesamte Laufzeit spannend.

Nicht unbedingt mittelalterlich war die Entstehungsgeschichte. Die Musiker arbeiteten über Kontinente hinweg zusammen, viele begegneten sich niemals persönlich. Dennoch steckt hinter jeder Passage Leidenschaft. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, entdeckt eine Welt voller Burgen, Kathedralen, Schlachtfelder und Legenden.

LAST KNIGHT erschaffen den Auftakt einer Saga, deren Dimensionen selbst innerhalb der Progressive Rock-Szene außergewöhnlich erscheinen. Wenn die kommenden Kapitel das Niveau dieser ersten Reise noch steigern, könnte ´The Lords Of Wisdom´ eines der ambitioniertesten Konzeptwerke der letzten Jahre werden.

Ein Album wie eine mittelalterliche Kathedrale: gewaltig und voller Geschichten, die hinter jedem Stein verborgen liegen.

(8,25 Punkte)

https://www.facebook.com/LastKnightMusic/

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