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BO DIDDLEY – Bo Diddley

1958/2026 (Chess Records) - Stil: Bues, Rock

Der Putz rieselt von der Decke. In der Ecke flackert eine müde Neonröhre, das Bier schmeckt nach abgestandenem Holz und kaltem Rauch. Irgendwo zwischen der Jukebox und der Theke steht ein alter Verstärker, der mehr Narben als Lack besitzt. Dann fällt die Nadel in die Rille von ´Bo Diddley´. Mit einem Schlag ist jede Unterhaltung beendet. Dieser Rhythmus marschiert durch den Raum wie ein Dampfhammer. Er poltert, rumpelt und bebt, als würde der Boden unter den Füßen plötzlich ein Eigenleben entwickeln.

Ellas Otha Bates, den die Welt als Bo Diddley kennt, erfand keinen Musikstil. Er erschuf eine Sprache. Der legendäre Bo-Diddley-Beat stammt aus afroamerikanischen Hambone-Rhythmen und westafrikanischen Traditionen. Seine Gitarre wurde zum Schlaginstrument, Jerome Greens Maracas zum Herzschlag einer Revolution. Rock ’n’ Roll bekam plötzlich Muskeln, Schweiß und Dreck unter den Fingernägeln.

Die Geschichte hinter diesem Album riecht nach den Straßen Chicagos. Nach Maxwell Street, nach staubigen Clubs und verrauchten Bars, in denen Musiker um jeden Dollar spielten. Bo Diddley arbeitete als Zimmermann und Mechaniker, ehe er nachts seine ganz eigene Magie entfachte. Inspiriert von John Lee Hooker formte er einen Sound, der mit den damaligen Regeln brach. Seine Verstärker wurden bis an die Belastungsgrenze geprügelt, lange bevor Gitarristen überhaupt von Verzerrern träumten. Die Techniker bei “Chess Records” glaubten anfangs, ihre Geräte würden gleich auseinanderfliegen. Am Ende entstand einer der markantesten Gitarrensounds der Musikgeschichte.

Auch der Mythos um seinen Namen passt zu diesem Mann. Niemand weiß bis heute mit letzter Sicherheit, woher “Bo Diddley” wirklich stammt. Mal war es ein Spitzname aus der Nachbarschaft, mal ein alter Komiker, mal ein Wortspiel. Selbst Bo Diddley erzählte verschiedene Versionen. Das machte ihn nur noch geheimnisvoller.

Legendär bleibt auch sein Auftritt in der “Ed Sullivan Show”. Statt den gewünschten Song zu spielen, legte er einfach seinen eigenen Hit auf die Bühne. Ed Sullivan tobte hinter den Kulissen und verbannte ihn aus der Sendung. Für viele wäre das das Karriereende gewesen. Für Bo Diddley wurde es Teil seiner Legende. Rock ‘n’ Roll war nie dafür geschaffen, höflich zu sein.

Das selbstbetitelte Debüt bündelt die Singles der Jahre 1955 bis 1958 und wirkt wie ein Brennglas für eine Epoche, in der Musik noch nach Risiko klang. Willie Dixon, Otis Spann, Billy Boy Arnold, Jerome Green oder Jody Williams prägten mit ihrem Spiel den unverwechselbaren Klang dieses Werkes, das nicht nur die Ansammlung früher Hits des Komponisten Bo Diddley darstellt. Hier entstand ein Fundament, auf dem später Musiker wie Mick Jagger, Keith Richards, Pete Townshend oder Eric Clapton ihre eigenen Karrieren aufbauten.

Die aktuelle 180g-Mono-Neuauflage in einem glänzenden Tip-On-Gatefold aus der “Chess Records 75 Series” behandelt dieses Vermächtnis mit dem Respekt, den es verdient. Das AAA-Mastering von Matthew Lutthans, direkt von den originalen Masterbändern, lässt jede Aufnahme atmen. Gepresst bei “Quality Record Pressings” entfaltet die Platte eine erstaunliche Wucht – und vermittelt das Gefühl, mitten im Studio von “Chess Records” zu stehen.

´Bo Diddley´, das Album, lebt. Es schwitzt. Es rumpelt. Es grinst dich herausfordernd an und zieht dich hinein in eine stinkend muffige Kaschemme, in der der Blues geboren wurde und der Rock ’n’ Roll zum ersten Mal die Fäuste ballte. Wer verstehen möchte, warum eine rechteckige Gitarre, ein paar Maracas und ein unerschütterlicher Groove die Musikwelt für immer verändert haben, findet hier die Antwort. Laut aufdrehen. Bier öffnen. Geschichte erleben.

https://www.facebook.com/BoDiddleyOfficial

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