
Die DWARVES müssen längst niemandem mehr erklären, wer sie sind. Seit rund vier Jahrzehnten gehören Blag Dahlia und seine wechselnden Mitstreiter zu den eigenständigsten Bands des US-Punk. Nicht jedes Album war ein Volltreffer, doch mit ´Jenkem´ liefern sie wieder ein Werk ab, das an ihre stärksten Momente anknüpft. Vierzehn Songs in exakt 18 Minuten – Zeitverschwendung ist ihre Sache nicht.
Ist ´Jenkem´ nun ein neues ´Blood, Guts & Pussy´ oder ´Sugarfix´? Nein. Aber die klassischen Zutaten sind alle vorhanden. Die Musik fällt insgesamt härter und schneller aus als auf den letzten Veröffentlichungen und wirkt wie eine gelungene Rückbesinnung auf die frühen Jahre.

Gleichzeitig bleibt genug Raum für die melodische Seite der Band. Genau diese Mischung aus kompromisslosem Hardcore, eingängigen Hooks und gelegentlichen Ausflügen in Garage Rock, Pop-Punk oder sogar Rock ’n’ Roll war schon immer eine der größten Stärken der Kalifornier.
Der Opener ´Confused´ eröffnet das Album mit einer kurzen, schlagkräftigen Punk-Abrechnung über die gesellschaftliche Polarisierung. ´We Are The Scene´ ist dann eingängiger, ohne an Energie einzubüßen, während ´Drug Lust´ klingt, als hätte der Song genauso gut vor 35 Jahren entstehen können.
´I Must Confess´ rast mit Hardcore- und Thrash-Wucht nach vorne, ´I Wish You Were Dead´ gehört zu den aggressivsten Stücken des Albums, und ´Here We Come´ marschiert mit derselben rastlosen Energie weiter.
Dazwischen setzen die DWARVES bewusst Kontraste. Das für ihre Verhältnisse fast schon epische ´Damned If I Do´ erreicht ganze zwei Minuten Spielzeit und überzeugt als starker Midtempo-Punkrocker mit hervorragender Gitarrenarbeit.
Auch ´Psychosis Tripping´ und das mit weiblichen Background-Vocals ausgestattete ´Too Messed Up´ zeigen, dass die Band musikalisch weit vielseitiger ist, als ihr Ruf vermuten lässt.
Produzent Andy Carpenter sorgt dabei für einen klaren, druckvollen Sound. Die Gitarren schneiden scharf durch den Mix und die Rhythmussektion schlägt mit voller Wucht zu, ohne dass die Songs an Präzision verlieren.
´Jenkem´ erfindet die DWARVES nicht neu, muss das aber auch gar nicht. Die Platte bündelt viele ihrer Stärken in kompakter Form und zeigt eine Band, deren inneres Feuer auch nach vierzig Jahren noch erstaunlich hell brennt.
(8,5 Punkte)



