
ALICE COOPER – A Paranormal Evening
2026 (earMUSIC) - Stil: Shock Rock / Hard Rock
Vor mehr als fünf Jahrzehnten schuf Alice Cooper eine Kunstform, die bis heute kaum jemand in dieser Konsequenz beherrscht. Seine Konzerte waren niemals bloße Rockshows. Sie glichen düsteren Theaterstücken voller Wahnsinn, schwarzem Humor und makabrer Magie. Guillotinen, Schlangen, Frankenstein-Monster und Zwangsjacken wurden über die Jahrzehnte zu festen Bestandteilen einer Inszenierung, die Generationen von Rock- und Metalbands inspirierte. Ob KISS, KING DIAMOND, ROB ZOMBIE oder MARILYN MANSON – sie alle verdanken Alice Cooper mehr, als sich in Worte fassen lässt.
Mit der eigenständigen Veröffentlichung von ´A Paranormal Evening At The Olympia Paris´ erhält einer der stärksten Konzertmitschnitte seiner späten Karriere endlich die Bühne, die er verdient. Was bislang lediglich Bestandteil größerer Boxsets war, steht nun erstmals als eigenständige Blu-ray und DVD im Rampenlicht. Und dieses Rampenlicht gehört einer Show, die eindrucksvoll beweist, weshalb Alice Cooper bis heute als unangefochtener Großmeister des Shock Rock gilt.
Der 7. Dezember 2017 markierte den Abschluss der weltweiten Tournee zum Album ´Paranormal´. Nach Monaten auf den Bühnen rund um den Globus war jede Bewegung einstudiert, jede musikalische Nuance wirkte selbstverständlich. Genau diese Mischung aus Routine und grenzenloser Spielfreude macht den Abend im traditionsreichen Olympia in Paris so außergewöhnlich. Man spürt von der ersten Minute an die Lockerheit, wie sie häufig erst am letzten Abend einer langen Tour entsteht. Hinter den Kulissen herrschte jene ausgelassene Stimmung, die Musiker gerne mit dem letzten Schultag vergleichen – voller kleiner Streiche, Gelächter und der Gewissheit, gemeinsam etwas Besonderes erlebt zu haben.
Das traditionsreiche Olympia bildet dafür die perfekte Kulisse. Wo sonst intime Chanson-Abende stattfinden, entfaltet Alice Cooper sein makabres Horrorkabinett. Gerade diese räumliche Enge erzeugt eine Intensität, die große Arenen kaum erreichen. Der Wahnsinn sitzt dem Publikum praktisch auf dem Schoß.
Musikalisch präsentiert sich Alice Cooper in einer Verfassung, die selbst langjährige Fans überraschen dürfte. Seine Stimme besitzt Druck und diese unverwechselbare Mischung aus Boshaftigkeit und augenzwinkernder Selbstironie. Altersmilde? Fehlanzeige. Stattdessen steht dort ein Entertainer, der jede Zeile lebt und jede Rolle mit sichtbarer Freude spielt.
Entscheidenden Anteil daran hat seine fantastische Liveband. Nita Strauss, Ryan Roxie und Tommy Henriksen bilden eines der stärksten Gitarrenteams der modernen Rockszene und verleihen selbst jahrzehntealten Klassikern eine erstaunliche Frische.
Schon der Auftakt mit ´Brutal Planet´ macht klar, dass dieser Abend keine nostalgische Zeitreise werden soll. Das Material gewinnt live erheblich an Wucht und entwickelt eine moderne Härte, die hervorragend zum aktuellen Bandsound passt. Direkt danach folgen Klassiker wie ´No More Mr. Nice Guy´ und ´Under My Wheels´, deren Groove das Pariser Publikum augenblicklich in Bewegung versetzt.
Eine der größten Überraschungen des Abends ist allerdings ´Pain´. Der Song vom Album ´Flush The Fashion´ verschwand fast vier Jahrzehnte aus den Setlisten und feiert hier seine triumphale Rückkehr. Live erhält das ursprünglich New Wave-geprägte Stück deutlich mehr Gitarrendruck und entwickelt eine Intensität, die ihm auf dem Studioalbum nur ansatzweise innewohnte.
Auch ´The World Needs Guts´ sorgt für Begeisterung. Dieser lange vernachlässigte Titel aus der ´Constrictor´-Phase zählt zu jenen Songs, deren Wiederentdeckung allein den Kauf dieser Veröffentlichung rechtfertigt. Alice Cooper beweist damit Mut zur eigenen Vergangenheit und verzichtet bewusst darauf, ausschließlich die offensichtlichen Klassiker abzuspulen.
Zu den musikalischen Höhepunkten gehört außerdem das monumentale ´Halo Of Flies´. Über elf Minuten entfaltet sich ein faszinierendes Wechselspiel aus Progressive Rock, Hard Rock und psychedelischen Klanglandschaften. Chuck Garric und Glen Sobel erhalten reichlich Raum für beeindruckende Solopassagen, während die Gitarren zwischen filigranen Harmonien und kraftvollen Riffs wechseln.
Natürlich lebt ein Alice Cooper-Konzert seit jeher von seiner legendären Bühnenshow. Im Olympia wirkt das Horrorspektakel intensiver denn je. Die Kameras befinden sich so nah am Geschehen, dass jede Schweißperle, jede Grimasse und jede theatralische Bewegung erlebbar werden.
Während ´Feed My Frankenstein´ verwandelt sich die Bühne in ein verrücktes Labor. Funken fliegen, Maschinen rattern, ehe schließlich das gewaltige Frankenstein-Monster die Bühne betritt. Dass sämtliche Kulissen inklusive des riesigen Monsters überhaupt auf der engen Bühne des Olympia Platz fanden, grenzt beinahe an ein kleines Wunder.
Bei ´Ballad Of Dwight Fry´ folgt eine der berühmtesten Szenen der Rockgeschichte. Alice Cooper windet sich in der Zwangsjacke, kämpft gegen imaginäre Dämonen und liefert eine schauspielerische Leistung, die bis heute ihresgleichen sucht. Der Übergang in die legendäre Guillotinenszene besitzt selbst nach Jahrzehnten nichts von seiner Wirkung verloren. Das Fallbeil saust herab, Sekunden später präsentiert der Henker den blutigen Kunstkopf des Meisters. Das Publikum feiert jede einzelne Sekunde.
Auch ´Cold Ethyl´ entfaltet seine morbide Faszination. Alice Cooper tanzt mit seiner grotesken Stoffpuppe, schwankt zwischen schwarzem Humor und makabrer Poesie. Diese Mischung aus Horrorfilm, Vaudeville und Rock’n’Roll bleibt bis heute einzigartig.
Einen weiteren Höhepunkt liefert Nita Strauss. Während Alice Cooper hinter der Bühne sein Kostüm wechselt, übernimmt sie mit einem furiosen Gitarrensolo die komplette Aufmerksamkeit des Publikums. Technisch brillant, melodisch und voller Energie demonstriert sie eindrucksvoll, weshalb sie längst zu den herausragenden Gitarristinnen der Rockwelt zählt.
Das Finale gehört selbstverständlich ´School’s Out´. Doch an diesem Abend entwickelt sich der Klassiker weit über seine ursprüngliche Form hinaus. Die Band integriert geschickt Elemente von PINK FLOYDs ´Another Brick In The Wall (Part 2)´ und verwandelt den Song in eine gigantische Rockhymne. Konfetti fliegt durch den Saal, riesige Luftballons schweben über die Köpfe des Publikums, während Alice Cooper seine Musiker vorstellt und das Olympia endgültig zum Kochen bringt.
Technisch hinterlässt die Blu-ray einen ausgezeichneten Eindruck. Das 16:9-Bild überzeugt mit hoher Schärfe und einer Kameraführung, die spektakuläre Totalen ebenso beherrscht wie intime Nahaufnahmen. Schnelle Schnitte werden dosiert eingesetzt, wodurch die musikalische Dynamik jederzeit nachvollziehbar bleibt.
Audiophil überzeugt besonders der DTS-HD Master Audio 5.1-Mix. Die drei Gitarren bleiben jederzeit sauber ortbar. Das Publikum verteilt sich glaubwürdig im Surroundfeld und vermittelt echtes Konzertgefühl, ohne künstlich aufgeblasen zu wirken. Wer Stereo bevorzugt, erhält mit der PCM-2.0-Spur ebenfalls eine hervorragend abgestimmte Alternative.
Mehr als vierzig Jahre nach seinen größten kommerziellen Erfolgen beweist Alice Cooper eindrucksvoll, weshalb sein Name bis heute mit goldenen Lettern in die Geschichte des Rock geschrieben wird. ´A Paranormal Evening At The Olympia Paris´ ist das eindrucksvolle Porträt eines Künstlers, der seine Figur bis zur Perfektion verfeinert hat und gemeinsam mit einer überragenden Band einen Abend erschafft, der den Geist des klassischen Shock Rock in seiner reinsten Form atmet. Wer erleben möchte, wie lebendig diese Legende auch im 21. Jahrhundert geblieben ist, findet hier eines der stärksten Live-Dokumente seiner gesamten Karriere.
https://www.facebook.com/AliceCooper
(VÖ: 24.07.2026)



