
STAIRWAY TO VIOLET erschaffen auf ´Invictus´ eine zusammenhängende Geschichte, in der Rockmusik, Filmdramaturgie und persönliche Erfahrungen ineinandergreifen. Der Titel bedeutet „unbezwungen“ und beschreibt den Kern dieses Albums treffend. Es geht um Rückschläge, Verlust, Zweifel und den festen Entschluss, sich davon nicht bestimmen zu lassen.
Im Mittelpunkt steht Béla Klentze, der vielen zunächst als Schauspieler bekannt wurde. Schon als Kind stand er für Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera, später folgten Serienrollen, Moderationen und die Teilnahme an großen TV-Formaten. Die Musik begleitet ihn jedoch seit seiner Kindheit. Sein Vater Thorsten Klentze ist Jazzmusiker und legte früh den Grundstein für das musikalische Verständnis seines Sohnes. Mit STAIRWAY TO VIOLET entstand schließlich ein Projekt, das beide Welten zusammenführt. Jede Komposition wurde wie eine Filmszene entwickelt, jede Melodie verfolgt das Ziel, Bilder im Kopf entstehen zu lassen.
Unterstützt wird Béla Klentze von Arne Rudolf als Screamer, Christoph Weller am Schlagzeug, Patrick Koch am Bass und Marco Buscher an der Gitarre. Gemeinsam entsteht ein Klangbild, das modernen Rock, Metal, elektronische Elemente und orchestrale Arrangements miteinander verbindet. Der Begriff Cinematic Rock wirkt deshalb nicht wie ein Werbeslogan, sondern beschreibt die Musik erstaunlich genau.
Nach dem kurzen orchestralen Auftakt ´Invictus´ öffnet ´Come Spirit Come´ das Tor zu diesem Kosmos. Mächtige Chöre, breite Gitarren und elektronische Akzente wachsen Schritt für Schritt zu einer hymnischen Eröffnung zusammen, deren Refrain sofort im Gedächtnis bleibt. ´Love, Death & Pixie Dust´ schlägt anschließend eine andere Richtung ein. Tanzbare Elektronik trifft auf moderne Rockriffs und erinnert stellenweise an aktuelle Alternative- und Arena-Rock-Produktionen.
´Paranoia´ schildert in einer dunklen Grundstimmung wie Misstrauen und Ängste langsam Besitz von einem Menschen ergreifen. ´It Thrills It Kills´ setzt dagegen auf harte Gitarren, tiefe Breakdowns und aggressive Shouts. Der Wechsel zwischen Klargesang und Screams funktioniert überzeugend.
In ´My Heart’s Cut Open´ wechseln balladeske Passagen mit kraftvollen Rock-Ausbrüchen und spiegeln den Schmerz wider, den Béla Klentze in den Texten verarbeitet. Noch kompromissloser zeigt sich ´Animal´, dessen Industrial-Einflüsse den Blick auf die dunkleren Seiten menschlicher Instinkte richten.
Die Hymne ´Let It Go´ beschreibt den langen Weg, sich von alten Verletzungen zu lösen und wieder Vertrauen zu gewinnen. Der Refrain empfiehlt sich womöglich für große Festivalbühnen. ´Psycho Me´ verbindet hernach elektronische Klangflächen mit Alternative Rock und beschreibt den Kampf gegen die eigenen Schatten, während ´We Are We Are´ als echte Stadion-Hymne angelegt ist.
´Unholy War´ richtet sich gegen religiös motivierte Gewalt und stellt den Gedanken von Versöhnung und Mitmenschlichkeit entgegen. Sakrale Chöre, schwere Gitarren und orchestrale Akzente verleihen dieser Botschaft das passende musikalische Gewicht. Mit ´Bleeding Love´ folgt eine ruhige Ballade, bevor ´Parade Of Stars´ das Album auf eindrucksvolle Weise beschließt.
Die beiden Piano-Versionen von ´In The Shadows´ und ´Come Spirit Come´ gelten als Bonus, doch ohne den orchestralen Aufwand treten Melodien und Gesang deutlich stärker hervor und zeigen, dass viele Stücke auch in reduzierter Form bestehen.
Bemerkenswert ist, wie konsequent Béla Klentze seine Erfahrungen als Schauspieler in das Songwriting einfließen lässt. Die Stücke wirken weniger wie einzelne Titel als vielmehr wie Kapitel eines Films. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die parallel entstandenen Musikvideos und die Arbeit der eigenen Produktionsstudios, mit denen STAIRWAY TO VIOLET das Projekt von Anfang an als audiovisuelles Gesamtkonzept angelegt haben.
Produziert wurde ´Invictus´ mit einem internationalen Anspruch. Große Chorpassagen, orchestrale Elemente und moderne Rockproduktion verschmelzen zu einem Sound, der Fans von 30 SECONDS TO MARS, BRING ME THE HORIZON oder zeitgenössischem Symphonic Rock ansprechen dürfte.
´Invictus´ ist kein perfektes Debüt. An einigen Stellen hätte eine straffere Spielzeit den Spannungsbogen zusätzlich geschärft. Die große Stärke des Albums liegt jedoch in seinem geschlossenen Konzept und der Überzeugung, mit der STAIRWAY TO VIOLET ihre musikalische Vision verfolgen. Für ein Erstlingswerk besitzt diese Veröffentlichung bemerkenswert viel Eigenständigkeit und macht neugierig auf den weiteren Weg der Band.
(7 Punkte)



