
SAVIOR FROM ANGER – Pure Steel Records Years 2014 – 2017
2026 (MRM Production) - Stil: Heavy Metal
Es gab eine Zeit, in der Labels wie PURE STEEL RECORDS beinahe im Wochentakt vergessene Schätze des klassischen Heavy Metal ans Tageslicht beförderten. Zwischen US Power Metal, europäischem Traditionsstahl und obskuren Wiederveröffentlichungen entstand über Jahre ein Katalog, den kaum ein Liebhaber des Undergrounds ignorieren konnte. Doch der Markt veränderte sich. Wegbrechende Konzertstrukturen zu Beginn der Dekade, steigende Produktionskosten für physische Tonträger und ein immer stärker auf Streaming ausgerichtetes Hörverhalten setzten vielen unabhängigen Labels wirtschaftlich massiv zu. Auch PURE STEEL RECORDS blieb von dieser Entwicklung nicht verschont und fuhr seine Aktivitäten schließlich Schritt für Schritt zurück.
Vor diesem Hintergrund wirkt ´Pure Steel Records Years 2014–2017´ beinahe wie eine Zeitkapsel. Die Compilation erinnert an jene Phase, in der SAVIOR FROM ANGER zu den festen Größen im Labelprogramm gehörten und mit ´Temple Of Judgment´ ihren bis heute bekanntesten Longplayer veröffentlichten. Statt einer gewöhnlichen Best-of-Sammlung präsentieren die Italiener bislang unveröffentlichte Master aus den damaligen Sessions – alternative Arrangements, andere Mischungen und einen deutlich raueren Gesamtsound, der den Liedern erstaunlich gut zu Gesicht steht.
Schon damals orientierten sich SAVIOR FROM ANGER stärker an der amerikanischen Schule des Power Metal als viele ihrer italienischen Kollegen. VICIOUS RUMORS, METAL CHURCH oder AGENT STEEL bilden weiterhin die offensichtlichen Bezugspunkte, ohne dass die Band ihre europäischen Wurzeln vollständig verleugnet. Marco Ruggiero entwickelt kantige Riffs, die ordentlich Druck erzeugen, während Frank Fiordellisi und Michele Coppola das rhythmische Fundament mit trockenem Groove zusammenhalten.

Den größten Unterschied zur ursprünglichen Albumfassung macht allerdings Bob Mitchell aus. Seine markante Stimme verleiht den Aufnahmen jene raue amerikanische Note, die dem Material hervorragend steht. Wo die Studioversion stellenweise geglättet wirkte, dürfen Ecken und Kanten diesmal stehen bleiben. Gerade deshalb entwickeln Stücke wie ´Bright Darkness´, ´Across The Sea´ oder ´The Calling´ deutlich mehr Biss. Selbst bekannte Songs erscheinen dadurch keineswegs wie bloße Alternativmischungen, sondern erhalten eine eigenständige Identität.
Heavy Metal war stets eine Kultur der physischen Begegnung, auf kleinen Clubbühnen, Festivals und in Plattenläden, wo neue Bands oft erst durch Mundpropaganda ihren Weg zum Publikum fanden. Doch der Stillstand zu Beginn der Dekade brach der Basis das finanzielle Rückgrat. Mittlerweile wird die raue, autarke Energie von echtem Heavy Metal immer mehr durch klinisch reine, digital kontrollierbare Einheitsware ersetzt.
Gerade deshalb besitzt ´Pure Steel Records Years 2014–2017´ eine Bedeutung, die über den musikalischen Inhalt hinausreicht. Die Compilation dokumentiert eine Band in einer entscheidenden Schaffensphase und erinnert zugleich an eine Epoche, in der unabhängige Labels klassischen Heavy Metal mit großer Leidenschaft gegen den Zeitgeist verteidigten. Veröffentlichungen wie diese bewahren ein Stück Underground-Kultur, das weit mehr ist als ein Eintrag in einer Streaming-Bibliothek. Jeder physische Tonträger einer echten Underground-Band, wie ´Pure Steel Records Years 2014–2017´, bewahrt Sound und Musik der alten, ungebeugten Welt.



