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KOLM – Yūgen

2026 (Independent/Just For Kicks Music) - Stil: Cinematic Progressive Rock

Sieben Jahre nach dem Debüt ´Umbra´ melden sich KOLM mit einem Album zurück, das nicht auf Virtuosität als Selbstzweck setzt. Giorg Yela, Mikal Baker und Ben Taylor denken Progressive Rock nicht als technische Leistungsschau, sondern als organischen Prozess. Die neun Stücke von ´Yūgen´ wachsen, verändern ihre Form und entwickeln dabei einen Sog, der über die gesamte Laufzeit anhält.

Das Fundament bildet Ben Taylors Bass. Während viele moderne Prog-Bands ihre Musik über Gitarren definieren, ist hier der Bass die eigentliche Schaltzentrale. Tief grollend, melodisch geführt und permanent präsent trägt er große Teile der Kompositionen. Darüber legt Giorg Yela mehrfach geschichtete Gitarrenspuren, die weniger auf Soli als auf Textur setzen. Die Riffs entstehen aus Wiederholung, Modifikation und Zuspitzung. Dazu kommen elektronische Flächen, Synthesizer und subtil eingearbeitete Ambient-Elemente, die den Songs zusätzliche Tiefe verleihen.

Mikal Baker liefert gleichzeitig die beeindruckendste Leistung des Albums. Sein Schlagzeugspiel verbindet die Präzision moderner Progressive Metal-Schulen mit der Beweglichkeit von Fusion und Post Rock. Polyrhythmische Figuren tauchen ständig auf, wirken jedoch nie konstruiert. Jeder Akzent dient dem Song. Jeder Break verändert die Perspektive.

Besonders stark wird ´Yūgen´ dort, wo KOLM die Härte zurücknehmen. Das grandiose ´Dés Vu´ gehört zu den Höhepunkten des Albums. Elektronische Texturen, reduzierte Percussion und die Gaststimme von Bee Born erzeugen eine der eindrucksvollsten Kompositionen der Platte. Hier zeigt die Band, dass sie Atmosphäre nicht über Lautstärke erzeugen muss. Wenige Töne genügen, um einen kompletten Klangraum zu definieren.

Ebenso beeindruckend gerät der zehnminütige Brocken ´Symbiosis´. Der Song entwickelt sich aus schweren Bassbewegungen und langsam rotierenden Gitarrenfiguren zu einer der stärksten Spannungsbögen des gesamten Albums. KOLM verzichten konsequent auf den schnellen Effekt.

Das eigentliche Herzstück bleibt jedoch der elfminütige Titeltrack. Hier bündelt die Band sämtliche Elemente ihres musikalischen Vokabulars. Elektronische Sequenzen treffen auf massive Gitarrenwände, während JD WolfRobe mit Khöömei-Obertongesang und Đàn-Môi-Klängen zusätzliche Farben ins Klangbild bringt. Das Ergebnis erinnert stellenweise eher an die hypnotischen Weltmusik-Experimente von DEAD CAN DANCE oder die tranceartigen Konstruktionen von SHPONGLE als an klassischen Progressive Metal.

Überhaupt liegt in solchen Überraschungen die größte Stärke von ´Yūgen´. Das Album verweigert sich konsequent den Erwartungen des Genres. Wo viele moderne Prog-Veröffentlichungen auf immer komplexere Taktwechsel und instrumentale Überbietungswettbewerbe setzen, konzentrieren sich KOLM auf Komposition, Dramaturgie und Klanggestaltung. Die Songs funktionieren als einzelne Werke, entfalten ihre größte Wirkung jedoch als geschlossenes Album.

Die Produktion unterstützt diesen Ansatz hervorragend. Jeder Klang besitzt Raum, ohne steril zu wirken. Die elektronischen Elemente verschmelzen nahtlos mit den akustischen Instrumenten. Selbst in den dichtesten Passagen bleibt jede Ebene nachvollziehbar. Gerade über Kopfhörer offenbart ´Yūgen´ eine Fülle kleiner Details, die sich erst nach mehreren Durchläufen erschließen.

KOLM haben mit ihrem zweiten Album keinen Anwärter für den Kosmos von TOOL aufgenommen. Sie haben ein eigenständiges Werk geschaffen, das Progressive Rock, Alternative Metal, Ambient, Electronica und globale Klangtraditionen zu einer bemerkenswert geschlossenen Einheit verbindet. ´Yūgen´ gehört zu den stärksten Progressive Rock-Veröffentlichungen des Jahres 2026 und dürfte seinen Ruf mit jedem weiteren Hördurchgang weiter festigen.

(8,88 Punkte)

https://www.facebook.com/Kolmband

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