PlattenkritikenPressfrisch

ACHILLES STEEL – Welcome To The War

2026 (Stormspell Records) - Stil: Melodic Heavy Metal

Manchmal braucht es keine Innovation. Keine modernen Spielereien. Keine Trigger, keine Plastikproduktion und keine verzweifelten Versuche, Trends hinterherzulaufen. Manchmal reicht eine rostige Rüstung, ein Schwert in der Faust, ein Marshall-Turm auf Anschlag und der feste Wille, Heavy Metal genau so zu spielen, wie er einst die Herzen einer ganzen Generation eroberte. Dort schlagen ACHILLES STEEL ihr Lager auf.

Fast vierzig Jahre nach ihrer Gründung in Iowa kehrt die Band mit ´Welcome To The War´ zurück und klingt dabei, als hätte jemand eine verschollene US Metal-Kassette aus dem Jahr 1987 unter den Fundamenten eines alten Proberaums ausgegraben. Der Geruch von Leder, Bier und heißgelaufenen Röhren hängt förmlich über diesem Album.

Bereits der Titeltrack ´Welcome To The War´ marschiert mit erhobener Faust aus den Lautsprechern. Messerscharfe Gitarrenriffs, donnernde Drums und eine Energie, die unmittelbar an die frühen Tage von METALLICA, METAL CHURCH und OMEN erinnert. Steve Kelley besitzt genau jene Stimme, die man für solche Songs braucht. Rau genug für die Schlachtfelder dieser Texte, melodisch genug für die großen Refrains.

Überhaupt wirkt die gesamte Platte wie eine Liebeserklärung an die goldene Ära des US Metal. Während viele heutige Retro-Bands lediglich die Oberfläche kopieren, lebt ´Welcome To The War´ von echter Überzeugung. Diese Songs wurden nicht konstruiert. Sie wurden geschmiedet.

Der hymnische Bandtitel ´Achilles Steel´ erhebt sich wie eine vergessene Kriegshymne zwischen VIRGIN STEELE und den epischen Momenten von WARLORD. Die Gitarren von Steve Kelley und John Kelley liefern sich packende Duelle, während die Melodien tief in jener Tradition verwurzelt sind, die einst Hallen voller erhobener Fäuste vereinte.

´Stand Up (The Fallen)´ trägt den Geist klassischer Festival-Hymnen in sich. Man sieht förmlich die wehenden Banner, die Nietenarmbänder und die Reihen von Headbangern vor der Bühne. Der Refrain besitzt genau jene Art von Pathos, die großer Heavy Metal braucht, um über bloße Musik hinauszuwachsen.

Besonders stark präsentiert sich die Band immer dann, wenn sie ihre epische Seite auslebt. ´Battlefield´ und ´Children Born Of War´ entfalten eine Atmosphäre wie alte Fantasy-Gemälde, die zum Leben erwachen. Brennende Städte, marschierende Legionen und stahlklirrende Schlachten ziehen vor dem inneren Auge vorbei. Das mag traditionell sein, doch genau diese kompromisslose Hingabe verleiht dem Album seine Authentizität.

Einer der großen Höhepunkte der Platte ist das über sieben Minuten lange ´Rise (The Unknown Soldier)´. Hier zeigen ACHILLES STEEL ihre gesamte Klasse. Akustische Passagen, dramatische Spannungsbögen und eine majestätische Entwicklung erinnern an die großen Momente von SAVATAGE oder frühen METAL CHURCH. Der Song wächst mit jeder Minute weiter, bis er schließlich in einem Triumphzug aus Melodie, Pathos und Stahl endet.

Auch ´Sins Of The Father´ überzeugt mit starken Gitarrenharmonien und einem klassischen Heavy Metal-Feeling, das irgendwo zwischen NWoBHM und amerikanischem Power Metal angesiedelt ist. Die Melodieführung besitzt dabei eine erstaunliche Wärme und verleiht dem Song zusätzliche Tiefe.

Den Abschluss bildet ´Feel The Steel´ – und treffender könnte ein Finale kaum heißen. Noch einmal werden alle Trümpfe ausgespielt: galoppierende Rhythmen, singende Leadgitarren und ein Refrain, der sich sofort festsetzt. Als würden HELLOWEEN, DOKKEN und VIRGIN STEELE gemeinsam in einer staubigen Arena auftreten.

Produktionstechnisch bleibt die Band ebenfalls erfreulich bodenständig. Hier wird nichts glattgebügelt. Die Gitarren knurren, der Bass arbeitet spürbar im Fundament und die Drums besitzen Druck, ohne steril zu wirken. Genau diese Ehrlichkeit macht einen großen Teil des Charmes aus.

Was ´Welcome To The War´ letztlich so stark macht, ist seine völlige Kompromisslosigkeit. ACHILLES STEEL versuchen niemals, moderner zu wirken als sie sind. Stattdessen zelebrieren sie jene Magie, die den Heavy Metal der Achtziger einst unsterblich machte. Leidenschaft statt Kalkül. Stahl statt Plastik.

Wer bei Namen wie MEDIEVAL STEEL, WARLORD, OMEN, VIRGIN STEELE, SAVATAGE oder DOKKEN automatisch Gänsehaut bekommt, sollte dieses Album in seine Sammlung aufnehmen.

Manchmal reicht eine Faust im Himmel, eine Wand aus Verstärkern und ein Refrain, der lauter ist als die Sorgen des Alltags. ACHILLES STEEL erinnern uns daran, warum wir Heavy Metal überhaupt lieben.

(8,25 Punkte)

https://www.facebook.com/Achillessteel/

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"