
KHEMMIS – Khemmis
2026 (Nuclear Blast) - Stil: Doom/Heavy Metal/Black Metal
KHEMMIS liefern mit ihrem selbstbetitelten fünften Album eine konzentrierte Zusammenfassung ihrer bisherigen Entwicklung. Das Album ist eine bewusste Verdichtung dessen, was die Band über viele Jahre aufgebaut hat, nämlich die unbändige Doom-Schwere, klassische Heavy Metal-Melodik und ein zunehmend songorientierter Zugriff, der die früheren Exzesse deutlich zurücknimmt.
Der Einstieg über ´Invocation Of The Dreamer´ setzt direkt den Ton. Ein schneidender Auftakt, in dem harsche Vocals kurz ins Bild treten, bevor sich schnell die typische Doppelstruktur etabliert, mit Phil Pendergasts hellem, zunehmend harmonisch ausgearbeiteten Gesang als Zentrum, flankiert von punktuell eingesetzten Growls.
Diese sind nicht verschwunden, aber stärker funktional eingebunden, etwa in ´Corpsebloom Garden´, ´Grief’s Reverie´ oder ´Gilded Chambers´, wo sie eher Intensität markieren als einen Kontrast erzeugen. Die harmonischen Gesangslinien erinnern dabei weniger an moderne Metal-Standards als an eine klassischere Theatralik zwischen Dio und Messiah Marcolin.
Im Kern arbeitet das Album stark riffgetragen, aber auffallend kontrolliert. ´Beneath The Scythe´ zeigt diese Balance besonders deutlich und ist ein unmittelbarer, fast hymnischer Zugriff, getragen von klaren Hooks und einer präzisen rhythmischen Basis.
Der Bass von David Small fällt dabei stärker ins Gewicht als früher, mit kleinen Läufen und Übergängen, die das Fundament nicht nur stützen, sondern erweitern. Auch das Zusammenspiel mit den Drums wirkt bewusster gegliedert und ist keine Überladung, sondern ein stetiger Fluss, der die Songs trägt und nur dort bricht, wo es die Struktur verlangt.
Die zweite Hälfte öffnet das Klangbild etwas weiter. ´Gilded Chambers´ und ´Carrion King´ treiben das Material in schwerere, teils rauere Regionen, inklusive kurz aufblitzender Black Metal-Färbungen und einer deutlich grimmigeren Gitarrentextur.
Gerade ´Carrion King´ lebt von diesem Wechsel zwischen schleppender Dichte und plötzlich aufreißenden Klangschichten. Der Abschluss ´Benediction Tones´ wirkt dagegen weniger als Finale im klassischen Sinn, sondern eher als kontrollierter Ausklang aus der aufgebauten Spannung.
Trotz der durchgehend dunklen Grundfarbe wirkt das Album erstaunlich offen. Gerade im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen und nach der langen Pause von fünf Jahren entsteht der Eindruck eines bewussten Neuanfangs, einer Art Sammlung und Neuordnung des eigenen Materials.
Viele Beschreibungen aus dem Umfeld der Band treffen es gut: ein Werk, das gleichzeitig schwer und zugänglich ist, düster in der Haltung, aber von einer spürbaren Aufbruchsstimmung getragen. KHEMMIS reduzieren hier nicht ihre Vielseitigkeit, sondern bringen sie in eine klarere Form. Das Ergebnis ist ihr bislang geschlossenstes Album – und eines, das gerade durch diese Klarheit trägt, nicht durch Überladung oder Übermaß.
(9 Punkte)



