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UWE LULIS PROJECT – Analog

2026 (Uwesen Records) - Stil: Heavy Rock / Heavy Metal

Manchmal riecht man eine Platte schon, bevor man sie hört. Nach kaltem Proberaum. Nach heißgelaufenen Röhren. Nach Bierflecken auf Flightcases. Nach verrauchten Clubs, in denen der Schweiß von der Decke tropft und die Marshall-Türme lauter sprechen als jedes Marketingkonzept. ´Analog´ ist genau so ein Album.

Während sich große Teile der modernen Rock- und Metalwelt immer tiefer in digitale Perfektion, sterile Produktionen und algorithmische Beliebigkeit flüchten, dreht Uwe Lulis die Uhr demonstrativ zurück. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung. Dementsprechend wirkt dieses Debüt des UWE LULIS PROJECTS wie ein Faustschlag in die Magengrube einer Szene, die vielerorts vergessen hat, warum Heavy Metal einst gefährlich, unberechenbar und lebendig war.

Wer Uwe Lulis nur als Gitarristen von ACCEPT, GRAVE DIGGER oder REBELLION kennt, erlebt hier einen Musiker, der nach Jahrzehnten endlich wieder völlig frei agieren kann. Viele der Ideen auf ´Analog´ entstanden bereits während seiner ACCEPT-Zeit, fanden dort jedoch nie ihren Platz. Statt in Archiven zu verstauben, wurden sie Anfang der Dekade ausgearbeitet und schließlich zu einem Album geformt, das sich bewusst jeder aktuellen Mode verweigert.

Dabei klingt ´Analog´ keineswegs wie ein Altherren-Projekt. Es klingt wie eine Band. Mit Ecken und mit Kanten. Gemeinsam mit Sänger Erdmann Görg, Bassist Cord Kunze und Schlagzeugerin Katharina Kunnert hat Uwe Lulis eine Formation geschaffen, deren Fundament tief im klassischen Heavy Metal verwurzelt ist. Musikalisch bewegt sich das Album irgendwo zwischen ACCEPT, frühen DIO, SAXON, GRAVE DIGGER, den melodischen Momenten von JUDAS PRIEST und der bodenständigen Direktheit von MOTÖRHEAD.

Doch das Entscheidende ist auch der Klang. Der Sound von ´Analog´ erinnert an jene Underground-Produktionen der frühen Neunziger, bevor Trigger, Samples und Rasterkorrekturen die Oberhand gewannen. Der eigens entwickelte Lulis-Signature-Amp von Tube Workshop Amplification liefert dabei einen Ton, der sich anfühlt wie glühendes Metall. Warm. Organisch.

Bereits der Refrain des Openers ´You Don’t Know My Name´ besitzt genau jene stadiontaugliche Hymnenqualität, die klassische Metal-Alben einst so unvergesslich machte, während Erdmann Görg mit seiner rauen Stimme sofort eine markante Duftmarke setzt.

´Faust (To Hell And Back)´ ist ein über sieben Minuten langes Monster, das sich wie eine verlorene Metal-Oper aus einer alternativen Realität anfühlt. In der Zusammenarbeit mit Alexander „ASP“ Spreng entsteht ein regelrechtes Theaterstück zwischen Himmel und Hölle. Während Erdmann Görg den suchenden Faust verkörpert, schlüpft ASP mit sichtlichem Vergnügen in die Rolle des Mephistopheles.

Noch düsterer wird es mit ´Midnight In The Night Of Ghosts´. Klavier und Cello eröffnen eine gespenstische Klanglandschaft und wecken Erinnerungen an KING DIAMOND, MERCYFUL FATE und klassische Horrorfilme der Hammer Studios. Die mehrstimmigen Gesänge im Refrain erzeugen eine Atmosphäre, die tatsächlich an ein verlassenes Herrenhaus erinnert, in dem hinter jeder Tür ein neuer Albtraum wartet.

Rasende Double-Bass-Attacken und aggressive Gitarrenläufen zeigen die Band in ´Lady Nosferatu´ von ihrer härtesten Seite. Dabei blitzen immer wieder Erinnerungen an die frühen GRAVE DIGGER auf. Ganz anders präsentiert sich dagegen ´Ballad Of The Lost´. Aus einer ruhigen Akustikballade erwächst eine emotionale Metal-Hymne.

Purer Straßendreck regiert auf ´Deceiver´, wenn MOTÖRHEAD-Attitüde, Rock’n’Roll-Schmutz und Heavy Metal-Energie frontal aufeinander treffen. Doch mit ´Emerald In The Dark´ liefert das UWE LULIS PROJECT noch einen klassischen Metal-Song ab. Genau jene Art von Song, die früher alle zum Mitsingen brachte.

´Analog´ ist eine Platte, die man bewusst auflegt. Laut. Sehr laut. Mit einem Getränk in der Hand und einem Grinsen im Gesicht. Uwe Lulis beweist eindrucksvoll, dass er seine Ideen noch lange nicht verschossen hat. Gemeinsam mit Erdmann Görg, Cord Kunze und Katharina Kunnert hat er ein Debüt aufgenommen, das den Geist klassischer Heavy Metal-Alben in die Gegenwart transportiert, ohne altmodisch zu wirken.

Zwischen düsteren Horror-Geschichten, literarischen Metal-Epen, dreckigem Rock’n’Roll und hymnischem Heavy Metal präsentiert sich ein Album voller Herzblut und echter Leidenschaft. So klang der Underground Anfang der Neunzigerjahre. Deshalb klingt ´Analog´ heute so verdammt erfrischend. Pflicht für Traditionalisten!

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/uwelulis

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