
Mit ´Beast´ legen POWERRAGE ein Debüt vor, das aus dem Wunsch nach einem echten Neubeginn entstanden ist. John Ricci kehrt nach Jahren der Stille zurück, nachdem er mit EXCITER über Jahrzehnte den kanadischen Speed Metal geprägt hatte. Statt an frühere Erfolgsformeln anzuknüpfen, entsteht hier ein neues Kapitel, getragen von einer Besetzung, die bereits Erfahrung gesammelt hat. Am Mikrofon steht Jacques Bélanger, dessen Stimme die späten EXCITER-Alben geprägt hat und hier deutlich variabler auftritt, während Todd Pilon aus dem Umfeld von WITCHKILLER kommt und gemeinsam mit Schlagzeuger Lucas Dery das Feuer entfacht.
John Ricci übernahm das komplette Songwriting, jede Note, jede Zeile stammt aus seiner Feder. Das Ergebnis wirkt wie ein bewusst gewählter Neuanfang, der sich stilistisch breit aufstellt und doch immer schnell auf den Punkt kommt. Die Aufnahmen entstanden mit Produzent Manfred Leidecker, gemischt wurde im “Unisound Studio” von Dan Swanö, dessen Handschrift dem Ganzen eine direkte Schärfe verleiht.
´Dark Wings´ eröffnet das Album als schneller Speed-Böller, scharfes Riffing, hohes Tempo, ein Text über Bedrohung und dunkle Mächte. ´Cremation Damnation´ hat einen schleppenden Einstieg, beschleunigt dann aber auch wieder, während sich das Bild von Feuer und Zerstörung durch den Song zieht.
´Dragon Man´ ist eher klassischer Heavy Metal, klar strukturiert, mit einer Figur zwischen Mythos und Gewalt, die sich durch die Strophen arbeitet. ´Haunted Hell´ ist hingegen ein massiver Doom-Stampfer, der Hölle und Verfolgung bildlich vor Augen führt, getragen von schweren Akkorden und dunklem Gesang. ´I Torture I Kill´ wird aggressiv, fast punkig, derweil der Text direkt und kompromisslos bleibt.

´The Devil Is Screaming´ kommt mit Tempo und klassischem Heavy Metal, ein Song über Besessenheit und inneren Druck, der sich im Refrain entlädt. ´Damned And Cursed´ setzt auf einen langsameren Rhythmus, ein Stück über Verurteilung und Ausweglosigkeit, das sich Schritt für Schritt steigert. ´The Black Mass´ beschließt das Album mit einer Mischung aus Speed, Thrash und schweren Passagen, ein geradezu okkult geprägtes Finale.
Der Klang ist bewusst roh gehalten, die Gitarren schneiden klar durch den Mix, das Schlagzeug wirkt direkt und trocken. Diese Produktion passt auch zum Charakter der Songs, die ohne Umwege auf die Zwölf abzielen.
Im Hintergrund steht die Geschichte von John Ricci, der nach vielen Dekaden im gelobten Alter von 70 Jahren noch einmal neu anfängt. Dass sich dabei Spuren seiner Vergangenheit zeigen, liegt nahe, doch ´Beast´ ist ausreichend eigenständig. Acht Songs, knapp über eine halbe Stunde, klar und ohne Umwege. POWERRAGE liefern ein Debüt, das sich direkt festkrallt.
(7,5 Punkte)



