
SLIFT – Fantasia
2026 (Sub Pop Records) - Stil: Psychedelic Rock, Progressive Rock und Space Metal
Die französischen Heavy-Psych-Visionäre SLIFT präsentieren das vierte Studioalbum ´Fantasia´. Wer allerdings nach dem monumentalen ´Ilion´ eine weitere kosmische Endlos-Expedition erwartet hat, dürfte zunächst überrascht sein. Statt ausufernder 13-Minuten-Jams setzen Jean Fossat, Rémi Fossat und Canek Flores diesmal auf fokussierte Kompositionen, ohne dabei auch nur einen Funken ihrer charakteristischen Wucht einzubüßen. Sie spielen mit der Erkenntnis, dass wahre Größe nicht zwangsläufig in Überlänge gemessen wird.
Schon der neunminütige Titeltrack ´Fantasia´ entfaltet eine gewaltige Sogwirkung. Über hypnotischen Basslinien, schimmernden Synthesizern und donnernden Drums erhebt sich Jean Fossats eindringliche Stimme wie ein Ruf durch die Trümmer einer auseinanderbrechenden Welt. Die zentrale Botschaft des Albums wird hier bereits formuliert: Hoffnung als Akt des Widerstands.
Musikalisch bewegen sich SLIFT weiterhin irgendwo zwischen HAWKWIND, KING CRIMSON, frühen PINK FLOYD, BLACK SABBATH und modernem Heavy-Psych. Doch die Band klingt längst so eigenständig, dass Vergleiche nur noch als grobe Orientierung dienen. Besonders beeindruckend ist die Produktion. Die nahezu live eingespielten Songs besitzen eine rohe Energie, die durch Kurt Ballous transparenten Mix perfekt eingefangen wird. Wo ´Ilion´ gelegentlich in einer gewaltigen Klangwand verschwand, atmet ´Fantasia´.
Zu den Höhepunkten gehört das düstere ´Corrupted Sky´, dessen bedrohliche Atmosphäre an eine Mischung aus dystopischem Science-Fiction-Film und Stoner Metal-Albtraum erinnert. ´The Village´ entwickelt sich dagegen vom unheimlichen Slowburner zu einem der dramatischsten Stücke des Albums und verarbeitet Themen wie Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit mit bemerkenswerter Intensität.
Das treibende ´A Storm Of Wings´ entfaltet eine fast punkige Dringlichkeit, während das von Jorge Luis Borges inspirierte ´Orbis Tertius´ psychedelische Klanglandschaften erschafft, die weit über konventionellen Space Rock hinausgehen.
Ein emotionaler Höhepunkt des Albums ist jedoch ´Waiting Man´. Selten klang Jean Fossat verletzlicher. Die Mischung aus melancholischer Psychedelik und schweren Doom-Riffs erinnert stellenweise an die emotionale Tiefe von PINK FLOYDs ´Wish You Were Here´ und die Erdenschwere von BLACK SABBATHs ´Master Of Reality´.
Mit ´Fantasia´ gelingt SLIFT das Kunststück, ihre Musik zugänglicher zu gestalten und gleichzeitig an künstlerischer Tiefe zu gewinnen. Sie beweisen eindrucksvoll, dass Progressive Rock, Heavy Psych und Space Metal auch 2026 noch relevant, mutig und bewegend sein können. ´Fantasia´ ist kein Rückschritt nach ´Ilion´, sondern die konsequente Weiterentwicklung einer der faszinierendsten Bands des modernen Undergrounds.
(8,88 Punkte)



