
KARCIUS – Black Soul Sickness
2026 (Independent/Just For Kicks Music) - Stil: Prog Rock/Metal
KARCIUS vollziehen mit ´Black Soul Sickness´ den nächsten großen Schritt ihrer Entwicklung. Nach dem schon mächtigen ´Grey White Silver Yellow And Gold´ tauchen die Kanadier noch weiter in cineastische Progressive-Welten ein, in denen moderner Prog Rock, emotional aufgeladener Post Rock und schwerer Prog Metal ineinandergreifen.
Dass KARCIUS inzwischen ihren Bandsound gefunden haben, liegt womöglich auch an der stabilen Besetzung. Sänger und Bassist Sylvain Auclair verleiht den Songs mit seinem charakteristischen Gesang enorme Wiedererkennbarkeit. Gitarrist Simon L’Espérance führt die Kompositionen mit cineastischem Gespür durch abrupte Dynamikwechsel, während Sébastien Cloutier an Mellotron, Hammond, Synthesizern und Piano ganze Klanglandschaften aufzieht.
Dabei ist ´Black Soul Sickness´ nicht nur eine neue Sammlung neuer Stücke. Das Album bildet den Abschluss der Trilogie, die mit ´The Fold´ begann und über ´Grey White Silver Yellow And Gold´ fortgeführt wurde. Passend dazu verschwindet diesmal beinahe jede Farbe aus dem Artwork. Das schwarz-weiße Cover spiegelt Isolation, Verlust und psychische Zerrissenheit wider, die sich durch sämtliche sieben Kompositionen ziehen.
Das fast vierzehnminütige Eröffnungsstück ´Wallow´ entzückt mit zerbrechlichen Akustikgitarren, elegischen Pianofiguren und schwebenden Gesangslinien, die an die melancholische Seite von PORCUPINE TREE oder späte OPETH erinnern. Die melancholische Ballade ´Out Of Nothing´ verbindet anschließend akustische Gitarren mit einem warmen Alternative-Prog-Gefühl. Kurz vor Schluss ergießt sich die Komposition sogar durch hymnische Prog-Metal-Ausbrüche.
In ´Darkest Heir´ nutzen KARCIUS harte Gitarrenriffs, aggressive Vocals und düstere Samples, um in den Prog Metal vorzustoßen. Gleichzeitig brechen immer wieder progressive Keyboardpassagen hervor, die dem Stück eine fast orchestrale Größe verleihen. ´Slow Down Son´ wirkt dagegen wie ein kurzer Moment der Orientierung innerhalb dieses emotionalen Strudels. Akustische Gitarren, warme Synthesizerflächen und tribalartige Percussion verleihen dem Stück einen beinahe meditativen Charakter.
´Rise´ entwickelt sich aus einer akustischen Einleitung zu einem schweren Progressive Metal-Song mit hymnischem Refrain, aggressiven Gitarren und einem furiosen Finale zwischen Hammond-Orgel und Gitarrensoli. Es folgt ´Awakening The Spirit´, kristallklare Pianolinien, schimmernde Synthesizer und schwebender Gesang bauen das Stück langsam zu einem gewaltigen Prog-Epos auf. Zum Abschluss bestimmen langsame Rhythmen und melancholische Gitarren den Song ´Dusting My Coat´. Der abrupte Endpunkt wirkt dabei fast wie ein Cliffhanger innerhalb der Trilogie.
Beeindruckend bleibt über die gesamte Spielzeit hinweg die Produktion von Simon L’Espérance. Die Mischung aus organischen Instrumenten, warmen Vintage-Keyboards und moderner Prog Metal-Wucht besitzt enorme Tiefe.
Mit ´Black Soul Sickness´ liefern KARCIUS ein geschlossenes und emotional intensives Werk ab. Die Kanadier verbinden Progressive Rock, Prog Metal und cineastische Klangwelten zu einem Album, das technisch anspruchsvoll bleibt und gleichzeitig eine enorme emotionale Sogwirkung entwickelt. Eine dunkle und kraftvolle Prog-Reise, die KARCIUS endgültig in die erste Reihe moderner Progressive-Bands katapultiert.
(8,5 Punkte)



