PlattenkritikenPressfrisch

JACK BRUCE AND FRIENDS – I Always Wanted To Do This (Boxset)

2026 (Cherry Red Records) - Stil: Rock / Jazz Rock / Art Rock

Jack Bruce war einer der einflussreichsten Bassisten der Rockgeschichte und auch ein hervorragender Sänger, was er schon bei CREAM unter Beweis stellte. Später war er solo unterwegs, aber er veröffentlichte auch insbesondere Alben mit Robin Trower, aber auch als BBM mit Gary Moore und Ginger Baker.

Diese erweiterte und remasterte 5-CD-Box-Edition seines 1980 als JACK BRUCE & FRIENDS (mit Ausnahme-Schlagzeuger Billy Cobham, Keyboarder David Sancious und Gitarrist Clem Clempson) veröffentlichten Albums enthält u.a. zwei komplette Konzerte, die im März 1980 im „The Bottom Line“ in New York City und im November 1980 in Denver, Colorado, aufgenommen wurden. Diese Formation trat auch im „Rockpalast“ auf.

CD 1:

Seine gesanglichen Qualitäten kann Jack gleich eindrücklich beim lockeren Opener ´Hit And Run´ nachweisen. ´Running Back´ ist lockerer Rock mit Fusionsanleihen. Auch ´Facelift´ geht in Richtung gepflegter Soft Rock. Dank seinen hochkarätigen Mitstreitern auf technisch einwandfreiem Niveau. Auch sein Bass ist hier sehr qualitätsvoll eingesetzt.

Das haut mich umgangssprachlich „aber jetzt nicht unbedingt aus den Socken“. ´Mickey, The Fiddler´ ist schon irgendwie im hochglänzenden Cocktail-Sound zu verorten. Das federnde Schlagzeug von Billy Cobham im Zusammenspiel mit Bruce‘ Bass rettet den Song.

Das ist sicher dem Zeitgeist geschuldet. Denn vom Jazz kommende Musiker wie Billy Cobham, Herbie Hancock oder George Duke wagten zur gleichen Zeit auch kommerziellere Spielarten und verbanden ihren Sound mit Funk oder gar mit Disco wie Duke.

Der Boogie Rock von ´Livin‘ Without Ja´ ist deutlich spannender. ´Wind And The Sea´ ist eine geschmackvolle Ballade. ´Bird Alone“, Charlie Parker gewidmet, geht dann zum Schluss mit komplexen Rhythmen stärker in die Fusionsrichtung. Ein guter Song.

Interessanter sind die auf vier CDs verteilten in der genannten Besetzung oben genannten Konzerte, die viele Klassiker und kleinere Jam-Sessions bieten.

CD 2 + CD 3:

´Live At The Bottom Line 1980´ startet mit dem CREAM-Klassiker ´White Room´. Gute Version, wenn auch die Magie des Originals etwas fehlt. Das Zusammenspiel ist aber erwartet superb und auch der Sound sehr gut.

´Jet Set Jewel´ und ´Post War´ (vom Album ´Harmony Row´ 1971) folgen zwischen Art Rock und Fusion Rock. Mit ´Born Under A Bad Sign´ folgt der nächste CREAM-Klassiker (ursprünglich von Albert King unsterblich gemacht), bei dem auch Clem Clempson richtig loslegen darf.

´The Loner´ von Bruce mit Cozy Powell für dessen Solo-Album geschrieben und eines der stärksten Stücke, das Gary Moore später aufnahm, dient vor allem wieder Clem für seine Gitarrenkünste. Er war auch auf der Studioversion beteiligt.

´Politicians´ und das schöne progressive ´Running Through Our Hands´ folgen. ´Theme Of A Imaginery Western´ ist wahrscheinlich eines seiner bekanntesten Solo-Stücke. ´Quadrant 4´ gibt (endlich) auch den anderen Musikern mehr Raum, den diese natürlich gekonnt nutzen.

´Childsong´ geht wieder stärker in die Art Rock-Ecke. Bei der neunzehnminütigen Version von ´Bird Alone´ darf jeder einmal ran. Vor allem Billy Cobham kann da beeindrucken. Er ist einfach immer großartig mit seinem unnachahmlichen Schlagzeugspiel. ´Sunshine Of Your Love´ beendet das Konzert.

CD 4 + CD 5:

In Denver starten die Musiker nach kurzem Intro wieder mit ´White Room´. Der Sound ist auch hier sehr transparent, die Gitarre manchmal zu leise (´Born Under A Bad Sign´). ´Hit And Run´ folgt.

Sessionartige Spielereien bei ´Post War´. Nächster wirklicher Höhepunkt ist ´Theme For An Imaginary Western´. ´Morning Story´ und das fragmentarische ´Tightrope / Escape To The Royal Wood (On Ice)´ sind neue Stücke im Vergleich zu New York. Das erste eher komplexer Natur – wie so oft mit dem Bass als Melodiengeber.

´Traintime´ ist ein kurzer „Zugausflug“ mit Mundharmonika. Mit ´Politicians´ und einer längeren Version – mit einem gut aufgelegten Clem Clempson – von ´Sunshine Of Your Love´ kommt wieder CREAM zum Zuge. ´Bird Alone´ ist dieses Mal der sessionartige Abschluss.

Für die Studioaufnahmen gibt es von mir 7,5 Punkte, trotz der versammelten hochkarätigen Musikergilde und des immer geschmackvollen Gesangs von Jack Bruce. Die Live-Alben sind spannender. Auch wenn Jack seine prominenten Mitstreiter meist dominiert. Insgesamt ein sehr zeitgenössisches Dokument – im positiven wie im negativen Sinne.

(7,5 Punkte Studioalbum, Live-Aufnahmen ohne Wertung)

https://www.facebook.com/JackBruceMusic


(VÖ: 16.10.2026)

 

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"