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Gary „Angry“ Anderson

(* 5. August 1947 in Melbourne; † 21. September 2026 in Australien)

Wie soll man einen Nachruf über einen Menschen schreiben, den man 30 Jahre kannte, also fast sein halbes Leben? Ein Charakter jenseits des Mainstreams, der alleine durch sein Aussehen Vorurteile erzeugte, der teils unnahbar rüberkam? Am 21.08.2026 verstarb Angry Anderson, die ikonische Leitfigur von ROSE TATTOO. Der Band, die wie keine andere, seit 50 Jahren für den Begriff “Rock`n`Roll” steht, die ein ganzes Genre geprägt hat, zur DNA der australischen Rockszene gehört und mit eben jenem Angry zur Kultband avancierte. 

Neben dem bereits 2006 verstorbenen Gitarristen Peter Wells war Angry der Kern von ROSE TATTOO. Wells‘ Tod war für mich schon ein herber Schlag, selten hatte ich einen Menschen getroffen, der so Konsequent sein Leben lebte und doch ein riesiges Herz hatte. Seine gnadenlose Coolness war eines der markantesten Markenzeichen von Pete. Seine Grußkarten mit Widmungen zu Weihnachten über die Jahre hinweg, lassen heute noch Goosepumps aufkommen. Er war gleichzeitig der Türöffner zu Angry, der Mitte der Neunziger eher diese Fuck-you-Attitüde gegenüber Fremden lebte. Aber hatte man erst einmal diese “Schranke” überwunden, kam ein Angry zum Vorschein, der an Sensibilität, Wärme und sozialer Fürsorge schwer zu übertreffen war. Sein Interesse an Personen war aufrichtig, er sah schnell, wer “echt” oder “fake” war.

Über all die Jahre hinweg, mit all den Ups und Downs der ROSE TATTOO-Geschichte und mit zunehmendem Alter veränderte sich auch Angry immer mehr zu einem Menschen, dem Zwischenmenschliches immer wichtiger wurde. Harte Schale, weicher Kern trifft hier perfekt zu. In Australien war Angry, neben der Musik, die er mit ROSE TATTOO lieferte, durch sein soziales Engagement ein Held. In Europa stand er einzig als Sänger der Band im Vordergrund. Er zählte zu den letzten, echten Rock`n`Rollern, die sich nicht verstellen mussten und deren Charisma übermächtig leuchtete. Es gäbe viel zu erzählen über den Menschen Angry Andersson, seinen Humor, seinen Sarkasmus, seine Ideale, das weit über das hinausgehen würde was er auf der Bühne repräsentierte.

Ein paar Tage vor dem tragischen Tag seiner Einlieferung ins Krankenhaus in Belgien, feierte er seinen 79. Geburtstag auf der finalen Tour von ROSE TATTOO. Stimmlich war er in unglaublicher Form. Ebenso war er clever, Bassist Steve King in die Band zurückzuholen und mit Ronnie Simmons einen zweiten Gitarristen in die Band zu bringen, dessen Stil dem des verstorbenen Mick Cocks (R.I.P.) ziemich ähnelt. Durch diesen Schachzug klang die Band besser als in den letzten 15 Jahren zuvor. Hart, dreckig, aggressiv. Ein einziger Siegeszug für die finale Tour, die die Band unauslöschlich machen sollte.

Dass es aber so tragisch enden würde, war nicht vorherzusehen. Am achten August wurde Angry ins Krankenhaus eingeliefert und sollte sich nicht mehr erholen. Sechs Wochen später verstarb die charismatische Ikone des Rock`n`Roll in Sydney im Kreise seiner Angehörigen. Die Welt ist nicht mehr die gleiche. Ein fantastischer Sänger, ein wunderbarer Mensch und ein enger Freund hat sich unspektakulär verabschiedet. Es wird kein nächstes Wiedersehen geben. We salut you. Ruhe in Frieden! Wir vermissen dich jetzt schon.

Jürgen Tschamler

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