
KRALLICE – Scour Order
2026 (Profound Lore) – Stil: Avantgarde Black Metal
Mit KRALLICE habe ich mich vor allem in der frühen und mittleren Phase intensiv beschäftigt, ungefähr bis zu ´Go Be Forgotten´ aus dem Jahr 2017. Schon damals war klar, dass diese Band selten den direkten Weg nimmt.
Jedes Album zeigte eine etwas andere Seite der New Yorker, ohne dass die charakteristische Verbindung aus technischer Virtuosität, Unberechenbarkeit und hoher Intensität verloren ging. ´Scour Order´ führt diese Entwicklung fort, wirkt dabei aber überraschend geradlinig.

Das beginnt bereits mit ´Agonal Shining´, das ungewöhnlich melodisch einsetzt und anschließend seine Riffs immer wieder neu verschiebt. Die Musik bleibt ständig in Bewegung, ohne ihre Grundspannung zu verlieren.
Gerade die rhythmischen Verschiebungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Albums. ´Kill The Guardian´ gehört mit seinem pulsierenden, riffgetriebenen Aufbau zu den frühen Höhepunkten, während ´Grievous Corrector´ und ´Living Useless Ritual´ mit ihren Tremolo-Läufen und treibenden Snare-Patterns eine besonders konzentrierte Seite der Band zeigen.
Dabei klingt ´Scour Order´ stärker nach traditionellem Black Metal als manche der jüngeren Veröffentlichungen. Die Rückkehr von Marston und Barr zu den Gitarren und McMaster zum Bass trägt dazu ebenso bei wie der insgesamt rohe, wenig polierte Sound.
Gleichzeitig bleiben KRALLICE ihrer komplexen Arbeitsweise treu. Komplizierte Basslinien, verwirrende Schlagzeugmuster und eigenwillige Gitarrenharmonien greifen ineinander, während die Songs zwischen Raserei, Dissonanz und kurzen Momenten entrückter Atmosphäre wechseln.
Die hohe Dichte verlangt dabei Aufmerksamkeit, eröffnet aber mit jedem weiteren Durchlauf neue Details. Besonders ´Her Green Arms´ gewinnt mit der Zeit an Wirkung, während der dreizehnminütige Titeltrack seinen Vorwärtsdrang über mehrere Abschnitte hinweg bemerkenswert konsequent aufrechterhält. Gegen Ende treten sogar wieder jene kosmisch-psychedelischen Elemente hervor, die frühere KRALLICE-Veröffentlichungen geprägt haben.
´Scour Order´ ist zweifellos kein Album, das sich beim ersten Hören vollständig erschließt. Gerade darin liegt ein Teil seiner Stärke. KRALLICE ordnen ihre Musik neu, und verbinden die rohe Direktheit ihrer frühen Arbeiten mit der Erfahrung aus beinahe zwei Jahrzehnten musikalischer Entwicklung. Für mich gehört das Album damit klar zu ihren besseren Arbeiten.
(8,5 Punkte)
https://www.facebook.com/krallice
(VÖ: 18.09.2026)
Pic: Official Press Photo “Profound Lore”



