
JOHN VANORE & ABSTRACT TRUTH – Easter Island Suite
2026 (Acoustical Concepts) – Stil: Symphonic Jazz / Fusion / Progressive Big Band
Wer meint, große Konzeptwerke und vielschichtige Suiten seien im zeitgenössischen Jazz eine aussterbende Kunstform, wird von JOHN VANORE und seinem Ensemble ABSTRACT TRUTH eines Besseren belehrt. Fast vier Jahrzehnte reifte das Material zu ´Easter Island Suite´, bevor der Trompeter, Komponist und Arrangeur den Vierteiler nun veröffentlicht. Entstanden ist ein symphonisches Klanggemälde voller Dynamik, Kontraste und überraschender Wendungen.
Den Auftakt macht das fast 13-minütige ´Mvt. 1 Discovery´, das sich zunächst behutsam entwickelt, den Hörer aber zunehmend tiefer ins musikalische Geschehen hineinzieht. John Vanore versteht Bläsersätze dabei keineswegs als bloße Begleitung, sondern formt daraus Klanglandschaften, die vom Kontrabass zusammengehalten werden und sich immer wieder mit solistischen Passagen abwechseln.
Das mit rund sieben Minuten vergleichsweise kompakte ´Mvt. 2 Gods And Devils´ rückt dann stärker in Richtung Modern Jazz, bleibt dabei jedoch dem progressiven Grundgedanken treu. Hier treffen prägnante Hooks auf unerwartete Rhythmuswechsel und sorgen für eine unvorhersehbare Dramaturgie.
Fast kammermusikalisch beginnt ´Mvt. 3 The Secret Caves´, bevor Bassklarinette, Flöten und Waterphone im zweiten Teil für eine wilde, beinahe psychedelische Atmosphäre sorgen, die dem ansonsten orchestrierten Klangbild einen ungewohnten Kontrast entgegensetzt.
Im Finale ´Mvt. 4 Rano Raraku (Journey To The Lake)´ ziehen JOHN VANORE & ABSTRACT TRUTH noch einmal sämtliche Register: Weltmusikalisch angehauchte Percussion, virtuose Klavierpassagen von Ron Thomas und die experimentellen Gitarrenriffs von Greg Kettinger treiben die Suite einem würdigen Crescendo entgegen.
So erweist sich ´Easter Island Suite´ als ausgesprochen cineastisch anmutendes Werk an der Schnittstelle von symphonischem Jazz, Free Jazz, Art Rock und modernem Big Band-Sound. Vanore setzt dabei auf musikalischen Aufbau, Kontraste und Atmosphäre. Wer sich darauf einlässt, entdeckt ein detailreich arrangiertes Konzeptalbum, das allerdings Aufmerksamkeit einfordert, um seine Wirkung zu entfalten.
(8 Punkte)
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