
JESS BY THE LAKE – Human
2026 (Svart Records) - Stil: Indie Rock / Psychedelic Rock
JESS AND THE ANCIENT ONES war die Band von Sängerin Jasmin “Jess” Lempinen. Mit ´Human´ liegt jetzt das zweite Album des Nachfolgeprojekts JESS BY THE LAKE nach dem Debüt ´Under The Red Light Shine´ von 2019 vor.
Jasmin spielt auch noch Gitarre, Fender Rhodes und wird begleitet von Marianne Heikkinen am Schlagzeug, Sampo Leksis an der Gitarre und Oliver Karttunen am Bass. Das komplett analog erstellte Album wird laut Info als Gegenbewegung und analoges Statement zu allem negativen Modernen wie Plastik oder seelenlosen und geistlosen digitalen Veröffentlichungen gesehen. Und – dem Titel entsprechend – menschelt es bei den Texten. Na denn.
Der Opener ´Jalehou´ beginnt auch mit einem gewaltigen Schrei und monotonen Riffs und der spröden und kraftvollem Stimme von Jasmin, begleitet von krächzenden Gitarrensalven und weiteren vokalistischen, emotionalen Ausbrüchen.
´Wanderin’ Kind´ ist anschließend eingängiger und deutlich sanfter. Jasmin beweist dabei die Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme. Sie erinnert mich wegen ihrer Power und Direktheit auch immer wieder an starke Sängerinnen, die Anfang der 70er-Jahre die Rockszene beherrschten, wie zum Beispiel die einmalige Julie Driscoll. Und hier bei diesem Song auch irgendwie an die großartige Fiona Apple. Starker Song.

´Lovely Boy´ ist bitter-süßlich mit Tiefgang und Abgründen. Ein relaxter Indie-Blues mit schrägen Elementen. ´Sister´ geht musikalisch in eine ähnliche Richtung und textlich geht es um Emanzipation von den Eltern und Selbstbestimmtheit. ´Falling Under´ ist eine weitere gesangliche Tour de Force mit Rückkopplungen. Ein Glanzpunkt.
´How Could You Tell?´ fördert die Hörerin / den Hörer durch seine Direktheit und Wut heraus. ´The Shame´ ist ein dunkler und melancholischer Blues mit hoher Qualität, der im zweiten Teil eine starke Dynamik entfaltet. ´Holy Grove´ ist zum Schluss eine psychedelische Offenbarung mit viel Charisma.
Bei finnischen Veröffentlichungen wird es selten langweilig, aber oft sperrig und melancholisch. Das ist eine gewagte These und ein Vorurteil. Ich weiß. Natürlich passt ´Human´ zu meiner These. Self-fulfilling prophecy sozusagen.
Mich erinnert JESS BY THE LAKE an die Tage als Bands wie THE GUN CLUB unbeeindruckt von anderen Bands ihre Kreise zogen, auch wenn es musikalisch in diesem Fall nur überschaubar Gemeinsames gibt. Ein klares analoges Statement hat die Band auf jeden Fall mit diesem Album abgegeben.
Und hat mit Jasmin eine wirklich außergewöhnlich talentierte Sängerin an der Front. Gibt es in schwarz und blau auch passend analog auf Vinyl.
(8,25 Punkte)
https://www.facebook.com/jessbythelake
Pic: Sampo Leksis
(VÖ: 11.09.2026)



