
Es gibt Bands, die schreiben über Wikinger, Tolkien oder irgendwelche längst totgerittenen Schlachten. OLD RUINS scheißen seit Jahren auf den Standard und holen sich ihre Inspiration aus der finsteren Welt von “Diablo”. Klingt erstmal nach Zocker-Nische, ist aber in Wahrheit verdammt starker Stoff für ein Black Metal-Konzept. Und das Wichtigste: ´Mount Arreat´ funktioniert auch dann, wenn du nie einen Fuß nach Sanktuario gesetzt hast.
Schon nach wenigen Minuten ist ebenfalls glasklar: Die Gelsenkirchener haben sich hörbar weiterentwickelt. Das Debüt war bereits stark, ´Mount Arreat´ legt aber in praktisch jeder Disziplin nach. Die Produktion hat ordentlich Wumms, ohne steril zu wirken. Die Gitarren sägen, kreischen und liefern gleichzeitig Melodien, die sich sofort festsetzen.
OLD RUINS schaffen etwas, woran viele moderne Black Metal-Bands scheitern. Sie schreiben Songs und nicht bloß Aneinanderreihungen von Riffs. Hier bleibt tatsächlich etwas hängen. Die Leads sind stark, die Refrains funktionieren und trotz aller Härte bleibt die Atmosphäre immer erhalten. Das Album klingt kalt, düster und majestätisch, aber niemals künstlich oder überladen.
Besonders beeindruckend ist die Gitarrenarbeit von Kraje und Ersin. Die beiden ergänzen sich hervorragend und feuern ein Lead nach dem anderen ab, ohne dabei in übertriebenes Gefrickel abzudriften. Alles dient dem Song. Dementsprechend wirken Stücke wie ´Call To Arms´, ´Mount Arreat´ oder ´Lord Of Destruction´ so zwingend. Das sind keine Fingerübungen, sondern Songs mit Wiedererkennungswert.
Auch gesanglich hat Kraje hörbar zugelegt. Seine aggressiven Vocals transportieren genau die richtige Mischung aus Wut, Verzweiflung und epischer Erhabenheit. Dazu kommen kleine melodische Akzente, die dem Album zusätzliche Tiefe verleihen, ohne den Black Metal-Charakter zu verwässern.
Das Konzept zieht sich dabei konsequent durch die komplette Platte. Die Geschichte um Baal, Harrogath, Nihlathak, den Weltstein und Tyrael bildet den roten Faden, während die Musik jederzeit im Mittelpunkt bleibt. Genau so muss ein Konzeptalbum funktionieren. Erst kommen die Songs – die Geschichte macht sie anschließend noch stärker.
Man hört vier Musiker, die genau wissen, was sie wollen und ihre Stärken inzwischen hervorragend ausspielen. Gerade die Mischung aus atmosphärischem Black Metal, melodischem Death Metal und klassischen Heavy Metal-Einflüssen verleiht OLD RUINS einen eigenen Charakter. Klar hört man Inspirationen heraus, aber am Ende klingt die Band vor allem nach sich selbst.
Unterm Strich liefern OLD RUINS genau das ab, was man sich von einer gereiften Band erhofft. Härter, atmosphärischer, melodischer und selbstbewusster als zuvor. ´Mount Arreat´ ist kein Nerd-Album für “Diablo”-Fans, sondern ein bockstarkes Extreme Metal-Album mit einer klaren Identität. Es ist abwechslungsreich, packend und voller starker Songs. Kein unnötiges Gefrickel, keine Längen, keine Füller – einfach knapp 50 Minuten ehrlicher, packender Extreme Metal mit verdammt viel Herzblut. Wer auf melodischen Black Metal mit mächtigen Leads, ordentlich Druck und einer dichten Atmosphäre steht, sollte hier unbedingt reinhören. Das Ding wird im Melodic Black Metal dieses Jahr ganz weit vorne mitspielen. Wer die Scheibe liegen lässt, ist selbst schuld.
(8,5 Punkte)
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(18.09.2026)



