
Ich bin mit MADONNA groß geworden, aber nicht als beiläufiger Pop‑Konsument, sondern als jemand, der früh begriffen hat, dass sie keine Entertainerin, sondern eine Künstlerin ist.
Seit ´Like A Virgin´ fasziniert mich, wie sie sich immer wieder neu erschafft, ohne jemals ihre Authentizität zu verlieren, und sie war nie eine Figur, die Trends hinterherläuft – sie setzt sie. Ihre Mischung aus künstlerischer Kontrolle, Mut, Körperlichkeit, Intelligenz, Provokation und emotionaler Offenheit hat mich jedenfalls über Jahrzehnte begleitet.
Dass ich sie erst 2023 auf der “Celebration Tour” live sah, war ein spätes, fast überfälliges Erlebnis – und der Moment, in dem mir endgültig klar wurde, warum MADONNA für mich seit vierzig Jahren zu den wenigen gehört, die Pop nicht nur gestalten, sondern definieren.
´Confessions II´ wird seinem Vorgänger gerecht. Statt einer selbstgefälligen Ehrenrunde liefert die Queen Of Pop ihr fokussiertestes und geschlossenstes Album seit vielen Jahren, ein Werk, das fast eine Stunde lang wie ein durchgehender Clubmix funktioniert.
Gemeinsam mit Stuart Price knüpft sie an den Sound von ´Confessions On A Dance Floor´ an, setzt diesmal aber noch entschiedener auf Clubmusik. Einen offensichtlichen Hit wie ´Hung Up´ gibt es zwar nicht, doch das fällt kaum ins Gewicht, alle 16 Songs tragen das Album.
´Danceteria´ bildet dabei ganz offensichtlich das Herzstück. Ähnlich wie einst ´Vogue´ ist der Song eine Hommage an die New Yorker Clubszene der frühen Achtziger und macht deutlich, worum es hier geht: MADONNA erinnert sich daran, dass sie im Kern ein Clubkid ist.
Housemusik wirkt dabei weniger wie ein Stilmittel als wie ihre eigentliche musikalische Heimat. Gastauftritte bleiben die Ausnahme. SABRINA CARPENTER fügt sich auf ´Bring Your Love´ nahtlos ein und STROMAE verleiht ´My Sins Are My Savior´ mit seinem französischen Gesang eine geheimnisvolle Note.
Die erste Albumhälfte feiert die Tanzfläche als Ort der Gemeinschaft, bevor die zweite persönlicher wird. ´Fragile´, MADONNAs bewegender Abschied von ihrem Bruder Christopher, gehört dabei zweifellos zu den stärksten Momenten.
´The Test´ mit Tochter Lourdes Leon greift das Thema von ´Little Star´ wieder auf und wird zu einer stillen Auseinandersetzung mit Mutterschaft, Schuld und den Folgen eines Lebens im Rampenlicht. Den Abschluss bildet ´L.E.S. Girl´, eine schlichte, berührende Ballade über Erinnerungen an die frühe Clubzeit.
´Confessions II´ verbindet die dunkleren Themen von ´Erotica´ mit der Selbstreflexion von ´Ray Of Light´. Gleichzeitig klingt MADONNA hier so unverkennbar nach sich selbst wie auf keinem Album der vergangenen zwanzig Jahre. Es ist Clubmusik zu ihren eigenen Bedingungen – persönlich, geschlossen und erstaunlich zeitlos.
(9 Punkte)



