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MONTROSE – Montrose

1973/2026 (Analogue Productions) - Stil: Hard Rock, Heavy Metal, Blues Rock

Als MONTROSE im Oktober 1973 ihr selbstbetiteltes Debüt veröffentlichten, befand sich die Rockwelt im Umbruch. Die britischen Giganten suchten nach neuen Wegen. LED ZEPPELIN hatten ihren Sound erweitert, DEEP PURPLE standen vor personellen Veränderungen und BLACK SABBATH ließen ihre Musik immer vielschichtiger werden. In den USA dominierten Southern Rock, Blues und Glam Rock das Geschehen. Genau in diesem Moment schlug Gitarrist Ronnie Montrose mit einer neuen Band die Tür zu einer völlig anderen Zukunft auf.

Wo andere auf endlose Improvisationen setzten, regierte hier das Riff. Wo psychedelische Ausflüge angesagt waren, zündeten MONTROSE in kaum mehr als einer halben Stunde ein explosives Feuerwerk aus kompromisslosem Hardrock. Produzent Ted Templeman fing diese Energie mit verblüffender Direktheit ein. Trocken, hart und ohne überflüssigen Ballast wirkt ´Montrose´ heute beinahe moderner als so manches Album, das Jahre später erschien. Viele sehen in dieser Platte bis heute die amerikanische Antwort auf LED ZEPPELIN, andere sprechen sogar vom ersten echten US-Heavy Metal-Album. Sicher ist nur eines: Der Einfluss dieses Klassikers reicht bis zu VAN HALEN, MÖTLEY CRÜE und zahllosen Hardrock-Bands der folgenden Jahrzehnte.

Der Opener ´Rock The Nation´ braucht keine Anlaufzeit. Ronnie Montrose schleudert eines der prägnantesten Riffs der frühen Siebziger aus den Boxen, während Sammy Hagar mit jugendlichem Hunger jede Zeile förmlich herausbrüllt. Hier entsteht jener amerikanische Hardrock, der später ganze Stadien füllen sollte.

Das sich anschließende ´Bad Motor Scooter´ gehört längst zum festen Inventar der Rockgeschichte. Das legendäre Gitarrenintro, bei dem Ronnie Montrose mit Slide-Gitarre und Big Muff das Aufheulen eines Motorrads nachahmt, besitzt bis heute Gänsehautpotenzial. Dahinter entwickelt sich ein unwiderstehlicher Biker-Rocker, dessen Groove unter die Haut geht. Kaum ein Song verbindet Straße, Geschwindigkeit und Freiheit so überzeugend.

Mit ´Space Station #5´ hebt das Album endgültig ab. Futuristische Klangfarben treffen auf rasendes Tempo und aggressive Gitarrenarbeit. Jahrzehnte bevor Speed Metal überhaupt einen Namen erhielt, lieferten MONTROSE hier bereits eine Vorlage, die erstaunlich visionär wirkt. Gleichzeitig zeigt Ronnie Montrose seine Klasse als Gitarrist, ohne jemals in bloße Virtuosität abzudriften.

´I Don’t Want It´ bringt den Boogie zurück auf die Überholspur. Der Song trägt den lockeren Geist von STATUS QUO in sich, entwickelt dabei jedoch eine amerikanische Härte, die deutlich mehr Druck entfaltet. Das Zusammenspiel zwischen Bill Church und Denny Carmassi verleiht dem Stück einen federnden Groove, der sofort in die Beine geht.

Die Neuinterpretation von Roy Browns ´Good Rockin’ Tonight´ macht deutlich, woher viele musikalische Wurzeln stammen. Rock ’n’ Roll bleibt das Fundament, wird jedoch mit schweren Gitarren und kompromisslosem Druck in die Zukunft katapultiert. Diese Verbindung aus Tradition und Moderne macht den Reiz des gesamten Albums aus.

Spätestens bei ´Rock Candy´ wird klar, weshalb diese Platte Kultstatus genießt. Denny Carmassis monumentales Schlagzeugintro gehört zu den berühmtesten der Rockgeschichte. Darüber türmt Ronnie Montrose tonnenschwere Riffs aufeinander, während Sammy Hagar seine Stimme bis an die Belastungsgrenze treibt. Dieser Song riecht nach heißen Röhrenverstärkern und verschwitzten Clubs. Er besitzt jene rohe Wucht, die sich weder planen noch künstlich erzeugen lässt.

´One Thing On My Mind´ lockert das Geschehen mit einem leicht funkigen Unterton auf, ohne den Druck aus den Segeln zu nehmen. Die Rhythmusarbeit bleibt messerscharf, Ronnie Montrose setzt geschmackvolle Gitarrenakzente und beweist, dass Härte und Spielfreude keine Gegensätze sein müssen.

Den Abschluss bildet ´Make It Last´. Der längste Titel des Albums beginnt zurückhaltender, baut seine Spannung geduldig auf und wächst zu einem epischen Finale heran. Gerade hier zeigt Sammy Hagar bereits jene Ausdruckskraft, die ihn später zu einem der markantesten Sänger des amerikanischen Hardrock machen sollte.

Die Geschichten hinter den Aufnahmen tragen zusätzlich zum Mythos dieser Platte bei. Das berühmte Motorradintro von ´Bad Motor Scooter´ entstand spontan während einer Studiosession, als Ronnie Montrose mit einer Slide-Gitarre experimentierte und Produzent Ted Templeman den entscheidenden Moment gerade noch auf Band festhalten konnte. Ebenso bemerkenswert ist der spätere Einfluss des Albums auf VAN HALEN. Eddie Van Halen nannte Ronnie Montrose mehrfach als wichtige Inspiration, übernahm später sogar mit Ted Templeman und Toningenieur Donn Landee das Produktionsteam für das Debüt seiner eigenen Band. Die Ironie der Rockgeschichte schrieb schließlich Sammy Hagar selbst, als er Jahre später Frontmann von VAN HALEN wurde.

Mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung hat ´Montrose´ nichts von seiner Sprengkraft verloren. Die Songs klingen ehrlich und zeitlos. Kein Titel wirkt wie Füllmaterial, jede Nummer besitzt ihren eigenen Charakter und fügt sich dennoch zu einem geschlossenen Gesamtwerk zusammen. Dieses Album markiert einen jener seltenen Momente, in denen Musikgeschichte einfach passiert.

Für Audiophile bietet die 2026 erschienene Neuauflage von “Analogue Productions” einen zusätzlichen Höhepunkt. Die Doppel-LP erscheint mit 45 U/min auf schwerem 180g-Vinyl, vollständig analog von den Original-Masterbändern gemastert und bei “Quality Record Pressings” gefertigt. Matthew Lutthans holt im “The Mastering Lab” beeindruckend viele Details aus den Bändern heraus. Ronnie Montroses trockene Gitarren, Sammy Hagars kraftvolle Stimme und die Dynamik der Rhythmussektion entfalten eine Präsenz, die selbst hervorragende Originalpressungen in Bedrängnis bringt. Die hochwertige Tip-On-Gatefold-Hülle von Stoughton Printing, das nahezu geräuschlose Vinyl und die makellose Fertigungsqualität unterstreichen den Ausnahmecharakter dieser Edition. Puristen mögen den raueren Charme früher Pressungen bevorzugen, klanglich gehört diese Ausgabe jedoch ohne Zweifel zu den besten Möglichkeiten, diesen amerikanischen Hardrock-Meilenstein heute zu erleben.

Klassiker.

https://www.facebook.com/MontroseBand/

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