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VAN HALEN – Live In New Haven 1986

2026 (Rhino Records) - Stil: Hardrock

Man hält dieses transparente Doppelalbum in den Händen, klappt das Gatefold auf und plötzlich scheint es wieder 1986 zu sein. Die Haare sind länger, die Verstärker lauter und VAN HALEN stehen vor der vielleicht wichtigsten Bewährungsprobe ihrer Karriere. David Lee Roth ist Geschichte und Sammy Hagar muss beweisen, dass er die größte Partyband Amerikas in eine neue Ära führen kann.

Vierzig Jahre später liefern „Rhino Records“ genau das Dokument, auf das Fans seit Jahrzehnten gewartet haben. ´Live In New Haven 1986´ ist der legendäre Augenblick, in dem die sogenannte Van-Hagar-Ära geboren wird.

Schon beim donnernden Opener ´There’s Only One Way To Rock´ fliegen sämtliche Zweifel aus der Halle. Sammy Hagar klingt hungrig, aggressiv und voller Selbstbewusstsein. Hinter ihm treibt Alex Van Halen die Band wie eine Naturgewalt nach vorne, während Edward Van Halen förmlich Funken aus seiner Kramer-Gitarre schlägt. Das ist keine routinierte Stadionmaschine. Das ist eine Band mit echter Leidenschaft.

Der eigentliche Reiz dieser Show liegt in ihrem historischen Wendepunkt. VAN HALEN verabschieden sich vom kalifornischen Party-Hardrock der frühen Jahre und steuern in Richtung melodischer Arena-Rock. Die Synthesizer-Hymnen des ´5150´-Albums entfalten live ihre ungeheure Kraft.

´Why Can’t This Be Love´ entwickelt sich zu einem euphorischen Triumphzug zwischen Oberheim-Keyboards und gewaltigem Refrain. Bei ´Love Walks In´ verwandelt Edward Van Halen die Arena fast in eine Kathedrale aus Licht und Melodie. Die Emotionen wirken erstaunlich ehrlich, fernab jeder Achtziger-Jahre-Kitschfalle.

Auf der härteren Seite glänzt das rasende ´5150´. Die Rhythmuswechsel, das irrwitzige Tapping und die explosive Dynamik erinnern daran, weshalb Edward Van Halen als einer der einflussreichsten Gitarristen der Rockgeschichte gilt. Auch ´Best Of Both Worlds´ lebt von jener lockeren Spielfreude, die große Live-Alben von gewöhnlichen Konzertmitschnitten trennt.

Besonders faszinierend wirkt ´Panama´. Einer der wenigen David Lee Roth-Klassiker im Set erhält durch Sammy Hagars rauere Stimme einen völlig neuen Charakter. Der Song verliert nichts von seinem Charme, gewinnt aber eine bluesigere, erdigere Note.

Der emotionale Mittelpunkt bleibt inzwischen jedoch das über 13 Minuten lange ´Guitar Solo´. Hier verschwimmen Rockkonzert und Klangkunst. Edward Van Halen baut Schicht um Schicht aus Echoeffekten, Harmonien und eruptiven Läufen auf. Wer verstehen möchte, warum Generationen von Gitarristen seinen Namen ehrfürchtig aussprechen, findet hier die Antwort.

Für Vinyl-Enthusiasten führt an dieser Veröffentlichung kaum ein Weg vorbei. Besitzer der großen ´5150´-Super-Deluxe-Box erhalten dieselbe Show bereits auf CD, doch erst auf den transparenten Vinylscheiben entfaltet dieses Konzert jene warme, greifbare Aura, die man von einem legendären Live-Dokument erwartet. Bernie Grundmans Remastering gehört zu den größten Pluspunkten der Veröffentlichung. Die Crystal-Clear-Pressung läuft erfreulich ruhig und vermittelt genau jenes warme Analoggefühl, das man sich von einem solchen Archivschatz erhofft.

Dazu kommen mit ´Good Enough´ und ´Wild Thing´ zwei lange vermisste Bonusstücke, die erstmals offiziell auf Vinyl erscheinen und den Sammlerwert zusätzlich erhöhen. Dass die auf 5.000 Exemplare limitierte „Record Store Day“-Auflage bereits kurz nach Veröffentlichung vergriffen war, überrascht kaum.

Vergleiche mit DEEP PURPLEs ´Made In Japan´ oder THE WHOs ´Live At Leeds´ mögen zunächst kühn erscheinen. Doch wie jene Klassiker fängt auch ´Live In New Haven 1986´ einen einzigartigen Moment ein, den Augenblick, in dem eine Band ihre Zukunft vor den Augen der Welt neu definiert.

Diese Platte klingt nicht wie ein Museumsstück. Sie klingt wie verschwitzte Hände am Bühnenrand. Wie Bierbecher in der Luft. Wie Verstärker, die bis zum Anschlag aufgerissen werden. Wie 1986.

Und genau deshalb dürfte sie in den kommenden Jahren vom begehrten Sammlerstück zum echten Live-Klassiker aufsteigen.

https://www.facebook.com/vanhalen

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