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BLACK REVELATION – No Light Upon Us All

2026 (Nine Records) - Stil: Heavy Doom Metal

Ich hab da einen Freund, den Federico aka “Iron Fed”, der u.a. den Bass bei der kauzigen Heavy Metal-Band CANTICLE (eine MCD und eine Split 7″ mit den Finnen MEDUUSA bei “Witches Brew”) zupft, absoluter Purist und bester Indikator für geile Musik ist. Und er ist halt der Doom Man, weil er trotz seines jugendlichen Alters von Mitte 30 im Jahr 2026 schon die kultigen Online Foren 2005 oder 2006 und später die Undergroundkonzerte auch in Deutschland miterlebt hat, die kleine Szene, in der aber die echten Fanatiker echte Magie erschufen. Und ich habe mich doch ein wenig auf ihn eingeschossen und bin da manchmal obsessiv. Wird von mir gehörte und geliebte Musik dem “IRON FED Standard” gerecht?

Um der Obsession zu entrinnen, muss ich mir selbst einen Standard setzen. Und meinen Standard als Doom Fanatiker erfüllen BLACK REVELATION auf dem zweiten Album wieder mit einer Leichtigkeit, die gar nicht im Zusammenhang mit Doom und Doom Metal genannt werden sollte. Denn SCHWER in Großbuchstaben ist das Gebotene.

Das beginnt bei Martins Gesang, der charismatisch klar und mittelhoch voluminös zwischen klagend, beschwörend und erhaben seine makaber obskure Geschichte erzählend die Gefühle des gebannt vor der Anlage hockenden und in tiefer Verzückung versunken lauschenden Hörers kitzelt. Martin hat einen leichten Kauz in der Stimme, ein Vibrato, das selbst den großen Heldentenor Momenten einen gewissen schlitzohrigen Schalk verleiht, bei dem ich die Asen feiernd in Walhall vor Augen habe, insbesondere Loki, wie er einen Heldengesang anstimmt. Diese leichte Quäkigkeit mag dem sogenannten “acquired Taste” gerecht werden, aber die von ihr ausgehende makabre Kauzigkeit öffnet Türen zu geheimen Räumen in einer Lovecraft’schen Parallelwelt kosmischen Horrors, wo verbotene Bücher mit unheiligem Wissen alles ins Chaos stürzen können. Hut ab, denn die Metal-Welt braucht Charisma, herausragende Figuren, eben nicht die Nummer Sicher, sondern echte Kerlinnen und Kerle.

Dem Gesang als durchaus prägendes Element schenken die Instrumente mit einem lebendigen und rauen, aber durchaus transparenten Klang einen soliden Unterbau mit wuchtigen Riffs, brodelnden Soli und zu jeder Wendung passenden Rhythmen. Spielerisch sind die Jungs auf dem Punkt, abgeklärt. Sie wissen sich in den Dienst der Komposition zu stellen und spielen befreit, enthusiastisch und lustvoll.

Bei den Songs an sich erkenne ich den Wunsch, sowohl die ultimative kriechende, erdrückende Schwere der klassischen Doomriffs, die auch 56 Jahre nach ´Black Sabbath´ das Genre einfach definieren. Genre oder Subgenre? Oh, Doom ist eine eigene Welt, in der Du drin bist oder nicht. Wieder der Iron-Fed-Standard, aber es ist so. Wenn BLACK REVELATION in den Schlurfmodus schalten und sich der Songabschnitt wie ein mächtiger glühend brodelnder Lavastrom aus dem Schlund eines Vulkans der pyroklastischen Wolke folgend talwärts wälzt, wenn Martin dann darüber wie ein wütende Vipern beschwörender Mystiker seine apokalyptischen Visionen in melodischen Predigten der Verdammnis zum Ausdruck bringt, dann zieht es meine Seele in den Abgrund. Und wenn das nicht des Doom Metal absoluter Zweck ist, dann muss ich auch passen. Aber die packenden Heavy Metal-Augenblicke in den oft zehnminütigen oder sogar längeren Stücken holen Dich schon wieder zurück aus der Tiefe. Nur, was Du dann mit Dir bringst, sollte eher nicht laut ausgesprochen werden.

Wenn der Metal of Doom zwar mit den Traditionen spielt, aber solch berührende Stücke mit sich bringt, bin ich voll und ganz zur Hingabe bereit. Vielleicht war vor bald 25 Jahren das Debütalbum gewisser finnischer Geistlicher noch einen Ticken mehr Legende, ein Ultimum, welches die äußerste Grenze gesetzt hat und hinter dem im grausigen Schlund der Ewigkeit nur mehr unnennbare Schatten lauern. Aber ´No Light Upon Us All´ von BLACK REVELATION hat die Macht, gewisse Tore zu öffnen. Wehe uns…

(9 Punkte)

https://blackrevelation.bandcamp.com/album/no-light-upon-us-all
https://www.facebook.com/BlackRevelationBand

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