
STORMS OF TOMORROW – A Moment Of Silence
2026/2026 (Independent / Arkeyn Steel Records) – Stil: US Power Metal
Im Frühjahr haben wir ´A Moment Of Silence´ bereits ausführlich besprochen, als das Debüt der Clevelander noch als Eigenproduktion durch die Welt geschickt wurde, doch nun, da das griechische Label „Arkeyn Steel Records“ das Album in einer limitierten Auflage von 500 handnummerierten CDs neu herausbringt, lohnt sich ein weiterer Durchgang mit dem Textblatt in der Hand. Denn hinter den zwölf Stücken tritt dabei ein Gerüst zutage, das beim ersten Hören leicht im Schatten der Riffs verschwindet.
Schon die Entstehung spannt einen Bogen über den Atlantik. Bobby Allerton übernahm selbst die Produktion, Nick Giannakos fing die Songs im “Bargain Basement Studio” in Warren ein, einer alten Stahlstadt im Nordosten Ohios, und Robert Romagna verantwortete Mix und Mastering im “Audiostahl Studio” im Tiroler Jenbach. Stahl aus dem Rust Belt, veredelt in einem Alpental, eine reizvolle Pointe für eine Band dieses Kalibers. Bei den Aufnahmen hat Mike Lobo die Bassläufe beigesteuert, inzwischen hält Mark Alexander diesen Posten. Am Mikrofon steht weiterhin Juan Ricardo, dessen Laufbahn mit RITUAL, WRETCH, SUNLESS SKY und ATTAXE sich wie ein Streifzug durch den amerikanischen Metal Underground liest.
Gut 63 Minuten nimmt sich das Quartett Zeit, und diese Großzügigkeit hat Methode. Mehrere Stücke überschreiten die Sechsminutenmarke und gönnen den Arrangements reichlich Auslauf, ohne dass die Spannung dabei versickert.
Wer die Texte mitliest, bemerkt zunächst, dass der Opener ´Storms Of Tomorrow´ und ´Ghosts Of Yesterday´ einander als Spiegelbilder gegenüberstehen. Das eine Stück blickt nach vorn auf eine Zukunft, die sich die Menschheit selbst verbaut, das andere zurück auf eine Generation, die ihren eigenen Übermut erst durchschaut, als die Rechnung längst offen auf dem Tisch liegt. Mitten in diesem Reigen aus Wahn und Verhängnis leuchtet ´Reflections Of Your Soul´ als Signalfeuer in rauer See, denn hier spricht die Band ihren Hörern Mut zu und erklärt jeden neuen Morgen zur Gelegenheit, das Ruder herumzureißen. ´Starchild´ durchbricht die Düsternis auf andere Weise und entpuppt sich als Liebeslied an einen Menschen, ohne den die Welt des Erzählers aus ihrer Umlaufbahn geriete.
´Barren Wasteland´ verlegt die Erzählkunst der Band in die Welt des Italowesterns, eine Rachegeschichte, die nach Pulverdampf und Ennio Morricone riecht. In ´30 Seconds´ berichtet ein Augenzeuge vom Ende dreier Freunde, ohne ein moralisches Urteil zu fällen, und überlässt die Bewertung ganz dem Hörer. ´Societal Collapse´ nimmt schließlich den Faden des Openers wieder auf und führt dessen Mahnung zu ihrem bitteren Ende, sodass sich der Kreis schließt. Das von Bobby Allerton allein geschriebene Titelinstrumental übernimmt danach die Rolle einer Schweigeminute. Der Gesang ist verstummt, die Gitarre führt durch die letzten Minuten, und der Albumtitel verwandelt sich in ein Gedenken an eine Welt, die jede Warnung in den Wind geschlagen hat.
Mit der Neuauflage, deren Coverartwork Shawn Slowburn gestaltet hat, erhält dieser Erstling ein zweites Leben unter dem Dach eines Labels, das sich ganz dem US Metal Underground verschrieben hat. STORMS OF TOMORROW erweisen sich dabei als Geschichtenerzähler in der Tradition jener Bands, die ihre Hörer seit jeher mit echten Erzählungen versorgt haben, und wer bedenkt, dass hier eine Band ihr erstes Album vorlegt, staunt über die Reife, mit der Konzept und Musik ineinandergreifen.
(8 Punkte)



