PlattenkritikenPressfrisch

SEEDS OF TORMENT – Those Who Feed The Maw

2025/2026 (Black Blood Records) - Stil: Death Metal

Aus den Katakomben des Ruhrgebiets meldet sich eine Formation zurück, die ihre Hörer lieber in Ketten legt, als sie behutsam an die Hand zu nehmen. SEEDS OF TORMENT aus Gelsenkirchen und Hattingen haben mit ´Those Who Feed The Maw´ ein Debüt geschaffen, das im Frühjahr 2025 zunächst als Tape über “Head On Stakes Records” seinen Weg in die Sammlungen der Szene fand. Die Nachfrage der Old-School-Gemeinde ließ dem Duo offenbar keine Ruhe, und so erscheint das Album im August 2026 nun auch als CD über “Black Blood Records”. Wer das Tape bereits kennt, weiß um die Wucht der acht Songs. Wer noch nicht eingeweiht ist, wird schon nach den ersten Takten hineingezogen.

Die Wurzeln der Band reichen zurück ins Jahr 2023, als sich zwei Seelen im Dunkel des Ruhrpotts fanden. Gitarrist Marcel Schiborr, bekannt aus SYMBIONTIC, HRAUN und THE WITCHES DREAM, hatte einen Gastauftritt auf dem jüngsten Album von SUFFERSYSTEM beigesteuert, und die Zusammenarbeit entfachte einen kreativen Funken, der sich nicht mehr löschen ließ. Er saß bereits auf einem Fundus finsterer, im Old-School-Death-Metal verwurzelter Kompositionen, denen nur noch die passende Stimme fehlte. Diese fand er in Sänger Daniel Funke, seines Zeichens auch bei DEFECTED DECAY und SUFFERSYSTEM aktiv, dessen Growls zwischen tiefer Verdammnis und hasserfülltem Fauchen pendeln. Aus der ursprünglichen Idee einer EP wuchs binnen kurzer Zeit ein vollständiges Album mit acht Songs heran, dessen Titel als Metapher für jene steht, die sich den finsteren Mächten hingeben.

Textlich gräbt Daniel Funke tief in den Abgründen menschlicher Existenz, in Verdammnis, Erlösung und der Kapitulation vor Mächten, die größer sind als der Einzelne. ´Those Who Feed The Maw´ ist dabei weniger Fantasy-Finsternis als vielmehr ein Spiegel innerer Kämpfe, die sich hinter jeder Zeile auftun. Diese emotionale Tiefe hebt das Album über reines Riff-Handwerk hinaus und verleiht ihm eine fast beklemmende Ernsthaftigkeit.

Musikalisch bewegt sich das Duo in einem Spannungsfeld, das sich zwischen der ritualistischen Riff-Architektur von MORBID ANGEL aus der ´Covenant´-Ära und der frostigen, todesschwarzen Melodik von DISSECTION im Stil von ´Reinkaos´ aufspannt. Dennoch verweben SEEDS OF TORMENT diese Einflüsse zu einem eigenständigen, dämonischen Klangbild.

Vom ersten Ton an lässt die Platte keinen Zweifel an ihrer Richtung. ´Incantation Of The Damned´ zieht mit akustischen Klängen und geflüstertem Gesang sofort einen okkulten Bannkreis, ehe mit ´Cause Of Anguish´ der eigentliche Sturm losbricht, knochentrocken und roh, während Daniel Funke seine gesamte stimmliche Bandbreite auffährt. ´The Conjuring´ entwickelt einen wälzenden, schweren Groove, bevor ´Winged Divinity´ mit rasenden Blastbeats und eisig-melodischen Riffs die geschwärzte Seite des Duos offenbart.

Auf ´Insane Veiled Slavery´ zeigt Marcel Schiborr sein technisches Können, mit sägenden Läufen und unerwarteten Tempowechseln. ´Embrace The Curse´ peitscht mit einem Thrash-Riff nach vorne, verpackt in die dreckige Produktion des Ruhrpott-Undergrunds. Mit ´Deliverance´ liefert die Band den längsten und vielschichtigsten Song der Platte, der akustische Zwischenspiele mit epischen, melancholischen Soli verbindet und beweist, dass in diesem Duo auch ein Gespür für große Songstrukturen schlummert. Den Kreis schließt ´The Invocation Rite´, das sich im monumentalen Doom-Tempo dem Ende entgegenschleppt und die rituellen Beschwörungselemente des Openers noch einmal aufgreift.

Der ursprüngliche Weg über die Kassette war dabei kein Zufall, sondern bewusstes Bekenntnis zum rohen Charme der Tape-Kultur früher Underground-Jahre. Dass die Nachfrage diesen Rahmen inzwischen gesprengt hat, spricht für die Qualität der acht Songs, und die CD-Version dürfte ´Those Who Feed The Maw´ nun endlich das Publikum verschaffen, das dieses Debüt verdient.

Produktionstechnisch bleibt das Album angenehm ruppig, ohne an Durchschlagskraft zu verlieren, und die Vocals von Daniel Funke tragen die Songs mit einer Wucht, die stark an die goldenen Neunziger erinnert. SEEDS OF TORMENT haben mit ihrem Debüt einen Geheimtipp geschaffen, der Fans von altem Death Metal mit schwarzer Seele in die Tiefe zieht und dort festhält, bis der letzte Ton verklungen ist. Wer sich den finsteren Mächten hingeben will, sollte diesem Ruf aus dem Ruhrgebiet folgen.

(8 Punkte)

seeds-of-torment.bandcamp.com
https://www.facebook.com/SeedsOfTorment

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"