
In Chile ist der gute Seb Kings vor etwa 20 Jahren als Musiker gestartet und irgendwann in die Niederlande gezogen. Seit 2018 spielt er noch Gitarre bei den schwedischen Thrashern MORPHETIK, hat aber endlich auch die Zeit gefunden, sein Debütalbum mit NECROBEAST zu veröffentlichen. Die liebe Cheryl Schindler hat sich sogleich bereit erklärt, für einen zünftigen CD- und LP-Release zu sorgen.
Und so grummelt das Album jetzt bei mir daheim durch die Boxen der Anlage, aus Liebe zum Untergrund selbst gekauft, Support muss ja sein, gerade bei einer leidenschaftlichen Metal Waffenschwester wie Cheryl.
Seb Kings bzw. Reyes hält sich dann auch an ein schwermetallisches Reinheitsgebot für die 35 Minuten seines ersten vollen Albums, für das er von seinem MORPHETIK-Kollegen Francisco Escalona (ursprünglich Venezuela, seit 2018 auch Bassist bei den langlebigen Melodeathern NIGHTRAGE) und dem finnischen Drummer Filip Gäddnäs (zuviele Bands, die keiner so Recht kennt) spielerische Unterstützung erhält.
Musikalisch ist es ein Speedmetal-, Thrashmetal- und Black Metal-Gemenge, dessen offensichtliche Einflüsse irgendwann zwischen 1992 und 1995 stehengeblieben, aber zumeist eh noch älter sind. Das wird einen bekennenden Torwächter wie mich in verzückte Raserei versetzen. Ein großer Pluspunkt ist der Hang zu schmissigen Riffs und generell eingängig packenden Strukturen, die von Refrains gekrönt werden, welche Potential zum halben Ohrwurm haben. So bleibt das Material auch während der pfeilschnell blastenden Black Metal-Einlagen noch hymnisch und unterhaltsam.
Sowohl das spielerische, als auch das Intensitätslevel sind hoch. Die drei Musiker kommen auf den Punkt und rasen präzise aus den Boxen, auch wenn sie wie wütende Wildsäue nur mit einer ordentlichen Schrotladung aufzuhalten wären. Zwischendurch drosselt Seb auch mal das ICE Tempo auf Regionalbahn, aber das währt immer nur kurz.
Die Originalität des Albums ist halt fraglich. Blackthrash boomt im Underground nach wie vor und die Qualität ist oftmals eigentlich recht hoch. Ich denke da an deutsche Truppen wie VOMIT DIVISION, OLD, DESASTER, für deren Fanschichten NECROBEAST wie gemacht erscheinen. Es sind kleine Nuancen, die auch Seb Reyes musikalisches Schaffen in diesen illustren Kreisen zu mehr als nur einer Randnotiz werden lassen.
Aber ach, Musik und gerade diese feurig wilde Spielart des Rock’n’Roll neu erfinden zu wollen, ist doch müßig. Wenn man alle genannten Kapellen hintereinander hört, weil man diesen Stil abgöttisch liebt, wird man bald schon die einzelnen Künstlergruppen von einander unterscheiden können.
Und so leidenschaftlich und diabolisch lustvoll Seb hier sein infernalisches Blackthrashfeuerwerk abbrennt, so sehr genieße ich persönlich die gebotene Musik auch. In 20 Jahren wird sich zeigen, ob das NECROBEAST eine langlebige Schöpfung Satans ist. Aber für diesen wunderbaren Augenblick überrollt mich die entfesselte Wucht des Albums schlichtweg und lässt mein schwarzes Herz schneller schlagen. Ohne Kammerflimmern.
Ich würde sagen, nur Liebe dafür, Geld ist vernünftig angelegt.
(7,5 Punkte)



