
MORTAL TERROR – Filthy Old Thrash
2026 (Independent) – Stil: Thrash/Speed Metal
Vierzig Jahre im Underground hinterlassen Spuren. Manche Bands werden zahmer, andere versuchen mit modernen Produktionen oder stilistischen Kurskorrekturen Anschluss an den Zeitgeist zu finden. MORTAL TERROR schlagen seit jeher den entgegengesetzten Weg ein. Die Kasseler Thrash-Institution bleibt ihrer eigenen Linie treu und veröffentlicht mit ´Filthy Old Thrash´ genau das Album, das der Titel bereits unmissverständlich verspricht: dreckig, schnell und kompromisslos.
Seit den Demos der Achtzigerjahre, den zwischenzeitlichen Ausflügen in den Death Metal und der Rückkehr zum klassischen Thrash haben MORTAL TERROR ihren ureigenen Stil immer weiter geschärft. Nach ´Creating Destruction´ und dem bärenstarken ´Bite Of The Underdog´ steht nun erstmals das neue Line-up mit Sänger Jann Hoffmann und Rhythmusgitarrist Andreas Klein auf einem Studioalbum. Obwohl beide bereits Ende 2021 zur Band stießen, verzögerten sich die gemeinsamen Aufnahmen erheblich. Umso deutlicher ist zu hören, wie viel aufgestaute Energie sich inzwischen angesammelt hatte.
Nach dem düsteren Intro ´Ghosts From The Past´ spannt ´1986-6-6´ mit schwerem Groove und mächtigen Riffs den Bogen über vier Jahrzehnte Bandgeschichte. Der längste Song der Platte entwickelt sich dabei keineswegs zu einem überladenen Epos, sondern verbindet klassische Midtempo-Wucht mit den typischen Temposteigerungen des alten Teutonen-Thrash.
Anschließend kennt das Album kaum noch Gnade. Der Titeltrack ´Filthy Old Thrash´ marschiert mit galoppierenden Gitarren und rotziger Punk-Attitüde direkt ins Moshpit. ´I Come For Everyone´ lässt keinerlei Verschnaufpause zu und hämmert kompromisslos nach vorne. Besonders ´Cold, Ugly And Rotten´ trägt den Dreck förmlich im Titel. Zwischen MOTÖRHEAD, frühem Crossover und räudigem Speed Metal entsteht genau jene Mischung, die MORTAL TERROR auszeichnet.
Überhaupt verzichten die Nordhessen konsequent auf jede Form künstlicher Hochglanzproduktion. Das Schlagzeug klingt nach echtem Schlagzeug, die Gitarren nach röhrenden Verstärkern, während sich Jann Hoffmann und Dirk Wieland am Mikrofon immer wieder die Gesangslinien zuspielen. Gerade dieses Wechselspiel verleiht den Liedern zusätzliche Dynamik und erinnert daran, dass Thrash Metal niemals geschniegelt oder glattgebügelt klingen sollte.
Mit ´Under Attack´ und dem komplexer aufgebauten ´Deadly Class´ beweisen MORTAL TERROR außerdem, dass sich Eingängigkeit und spielerische Reife keineswegs ausschließen. Den endgültigen Genickbruch verteilt schließlich ´Here Is Some Speed´.
Selbst die kleine Panne rund um die verzögerte Vinyl-Ausgabe passt irgendwie ins Gesamtbild. Während das ursprünglich beauftragte Presswerk kurz vor Veröffentlichung Insolvenz anmeldete, erschien das Album zunächst digital und auf CD. Für eine Band, die seit fast vier Jahrzehnten lieber auf ehrliche Handarbeit als auf Perfektion setzt, wirkt selbst dieser Umstand beinahe wie ein weiteres Kapitel echter Underground-Geschichte.
´Filthy Old Thrash´ erfindet den Thrash Metal selbstverständlich nicht neu. Das will dieses Album aber auch gar nicht. MORTAL TERROR liefern stattdessen eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die goldenen Achtziger, an verschwitzte Proberäume, röhrende Marshall-Türme und ehrlichen Underground. Nach vierzig Jahren spielen die Kasseler noch immer wie ein paar Headbanger, die den nächsten Moshpit eröffnen wollen.
(8 Punkte)
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