
RYAN McGARVEY – Up From The Ashes
2026 (Independent/Just For Kicks Music) - Stil: Blues Rock, Hard Rock
Als Ryan McGarvey Anfang der 2010er Jahre auf den internationalen Bluesrock-Bühnen auftauchte, schien der Weg vorgezeichnet. Der Gitarrist aus New Mexico verband die rohe Energie von Stevie Ray Vaughan mit der melodischen Emotionalität eines Kenny Wayne Shepherd und jener modernen Rock-Attitüde, die ihn schnell von vielen traditionellen Blues-Puristen abhob. Auftritte beim “Crossroads Guitar Festival” von Eric Clapton, Tourneen durch Europa und eine stetig wachsende Fangemeinde machten deutlich, dass hier weit mehr als nur das nächste Gitarrentalent heranwuchs.
Dann wurde es still. Es folgte ein persönlicher Albtraum. Heftige Schmerzen im linken Arm machten es Ryan McGarvey nahezu unmöglich, eine Gitarre zu halten. Mehrere Jahre lang bestimmten Fehldiagnosen, Operationen, Rehabilitationsmaßnahmen und die bange Frage nach der eigenen Zukunft sein Leben. Für einen Musiker, dessen Identität untrennbar mit seinem Instrument verbunden ist, bedeutete dies weit mehr als eine gesundheitliche Krise.
´Up From The Ashes´ entstand aus genau diesem Kampf. Schon der Albumtitel wirkt weniger wie Marketing als wie ein persönliches Statement. Die elf Songs erzählen von Rückschlägen, Verzweiflung, Hoffnung und dem unerschütterlichen Willen weiterzugehen. Man hört einem Musiker zu, der etwas zu verlieren hatte und beinahe alles verloren hätte.
Musikalisch präsentiert sich Ryan McGarvey gereifter, dunkler und emotional deutlich offener als auf seinen früheren Veröffentlichungen. Die Gitarrenarbeit bleibt beeindruckend, wirkt aber wesentlich fokussierter. Jeder Ton scheint eine Geschichte zu erzählen.
Die Gitarrenlinien von ´Back To Life´ besitzen Kraft und Dringlichkeit, ohne jemals in bloßes Technikgeprotze abzurutschen. In dem düsteren Fundament von ´In The Graveyard´ entfaltet Ryan McGarvey einige seiner intensivsten Gesangsleistungen überhaupt. Die Slide-Gitarre klingt dabei rau und bedrohlich zugleich. Das Gitarrenspiel von ´Edge Of Eternity´ pendelt zwischen Melancholie und Hoffnung, während ´Gone Come Morning´ einen klassischen Bluesrock-Drive besitzt.
Die Ballade ´Searching For You´ beginnt beinahe zerbrechlich, ehe sich der Song plötzlich öffnet und die Gitarren sich auftürmen. ´All I’ve Got´ fällt hingegen mit aggressivem Riffing und schmutziger Produktion überraschend hart aus, zwischen Blues und klassischem Hard Rock. Langsam, schwer und voller Spannung entwickelt sich ´Nothin’ Worth Living For´, und spricht über Schmerz, Verlust und Überleben. Funkige Rhythmen, röhrende Hammond-Orgeln und ein herrlich psychedelisches Slide-Solo verleihen ´Have Mercy´ eine fast vergessene Seventies-Energie.
´Cold Prison Cell´ erinnert sogar an traditionellen Delta-Blues, ehe Ryan McGarvey die elektrische Gitarre aufheulen lässt. Schwere Riffs, schmutzige Grooves und ein deutlich härterer Grundton bringen in ´Filthy Lies´ noch eine aggressive Seite des Albums zum Vorschein. Den Abschluss bildet ausgerechnet eine Interpretation von ´When The Levee Breaks´, denn kaum ein Song verkörpert Widerstandskraft besser als dieser Blues-Klassiker. Ryan McGarvey verzichtet dabei auf eine bloße Kopie und entwickelt eine eigene, dunklere Version.
Produktionstechnisch stehen die Gitarren klar im Mittelpunkt, die Rhythmusgruppe liefert ein solides Fundament und die Keyboards sorgen für genau jene Farbtupfer, die den Songs zusätzliche Tiefe verleihen. Doch die Bedeutung dieses Albums liegt letztlich weit über seiner musikalischen Qualität. ´Up From The Ashes´ dokumentiert die Rückkehr eines Musikers, der über Jahre um seine Zukunft kämpfen musste. Es ist die ehrliche Bestandsaufnahme eines Künstlers, der sich seine Stimme zurückerobert hat.
Vielleicht wird dieses Album nicht den großen kommerziellen Durchbruch bringen, der Ryan McGarvey seit Jahren prophezeit wird. Doch unabhängig davon legt er mit ´Up From The Ashes´ ein eindrucksvolles Zeugnis von Durchhaltewillen, Leidenschaft und musikalischer Integrität ab. Ein Album voller Narben, voller Hoffnung und voller Emotionen.
(7,5 Punkte)



