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STATUS QUO – Live At Hammersmith 1979

2026 (Demon) - Stil: Hard Rock

Am 1.02.1979 gab es ein einschneidendes Ereignis für mich. Erst vor einigen Wochen hatte ich meinen 14. Geburtstag gefeiert und konnte zum ersten Mal nach meiner Konversion zum beinharten Rock-Fan 1976 das erste große Rockkonzert meines Lebens besuchen. Mein Vater fuhr die ca. 20 Kilometer nach Sindelfingen in die schmucklose Messehalle zum STATUS QUO-Konzert auf der ´If You Can’t Stand The Heat´ Tournee. Zu den “Frantic Four”, die ich 1976 entdeckt und lieben gelernt hatte.

1977 hatte ich mit ´Hello´ mein erstes Rockalbum gekauft und schnell folgten weitere QUO-Alben. Waren STATUS QUO allerdings schon mit ´Rockin’ All Ober The World´ aus meiner Sicht auf musikalische Abwege geraten. Das fand ich aber trotz der poppigen Produktion von Pip Williams noch einigermaßen interessant. Aber ´If You Can’t Stand The Heat´ mit Backgroundsängerinnen und Bläsern ließ mich schon massiv fremdeln. Selbst Alan Lancaster, der Hard Rocker und mein Lieblings QUO-Musiker hatte wahre Weichspüler geschrieben. Nur ´Again And Again´ war für mich ein wirklicher waschechter QUO-Rocker.

Aber live waren QUO eine Wucht und Naturgewalt. Das Konzert ist mir allerdings noch wegen einer anderen Begebenheit in Erinnerung. Mitten im Konzert fiel Francis Rossi beim Gruppen-Headbangen nach hinten vom Schlagzeugpodest. Manche hielten es zunächst für eine Showeinlage. Aber die Band stoppte die Musik und Rick Parfitt murmelte etwas von “I think we have a problem” und die Roadies trugen den gefällten Francis Rossi liegend von der Bühne. Aber QUO waren harte Jungs und Francis stammte aus der Londoner Arbeiterklasse (genauer gesagt hatte die Großfamilie Rossi einen Eisladen). Francis kam nach einer längeren Pause stocksteif zurück und beendete das Konzert, wenn auch verkürzt (ca. 100 Minuten, kurz für ein damaliges Konzert der Band).

So viel zum nostalgischen Ausflug. Warum erzähle ich davon? Aber klar, das angekündigte “Record Store Day” Doppel-Album bzw. die Doppel-CD (die ich aufgrund der auf dem Vinyl fehlenden 25-minütigen ´4500 Times´-Version und dem fehlenden ´Hold You Back´ in diesem Falle ausnahmsweise vorzog, beides war mir insgesamt zu hochpreisig), entfachte das alte QUO-Feuer wieder in mir. Und mit dem besten ´Rockin’ All Over The World´ Song, dem klassischen Parfitt-Rocker ´Rockers Rollin’´ und dem weniger überzeugenden ´Oh What A Night´ von ´If You Can’t Stand The Heat´ gibt es zwei Live-Raritäten auf dem Album.

Wegen u.a. Rückkopplungen von Francis Gitarre auf dem Opener ´Caroline´ (hört man natürlich nichts mehr davon) war die (komplette) Live-Aufnahme wohl 47 Jahre unter Verschluss. Der Sound ist allerdings großartig und die Frantic Four sind top in Form.

´Caroline´ ist der geborene Opener und mit ´Roll Over Lay Down´ folgt der zweite Klassiker vom genannten ´Hello´-Album, bevor es mit ´Backwater´ den nächsten absoluten Hammertitel von ´Quo´, einem meiner Lieblingsalben und bis heute das heavieste QUO-Album, gibt (allerdings der einzige Song, aber mehr als noch ´Just Take Me´ gab es selten). Nix von seicht oder ausgewimpt. Knackig. Dann folgt ansatzlos das angesprochene ´Rockers Rollin’´ in einer starken Live-Version. Klassiker wie ´Is There A Better Way´ und ´Little Lady´ werden mit ´Rockin’ All Over The World´ und den späteren Dauerbrennern ´Hold You Back´ und ´Dirty Water´ (mit viel Publikumsresonanz), die es ja Jahrzehnte auch in die Playlist brachten, vermengt. Und ja, ´What A Night´, aber deutlich kompakter. Fällt nicht negativ ins Gewicht.

Dann folgt auf der zweiten CD das angesprochene ´4500 Times´ in einer wirklich spektakulären 25 Minuten Version und ich erinnere mich an die gewaltige Stimmung, Tausende hüpfende Leute und Dauer-Fangesänge 1979. Francis malträtiert seine Gitarre bis zur Schmerzgrenze (und auch darüber). Wahrscheinlich die beste Live-Version des Klassikers auf Musik-Konserve.

Die nächsten Songs, inklusive Drumsolo des wackeren John Coghlan (dauerte 1981 beim nächsten QUO-Konzert, das ich besuchte, locker gefühlt eine Viertelstunde), muss ich eigentlich nicht benennen, das ist klassisches QUO-Song-Gut von ´Big Fat Mama´ (mit Intro eingeleitet), einem dynamischen ´Don’t Waste My Time´ über das auch wieder in die Länge gerockte elfminütige ´Roadhouse Blues´ und eine famose Version von ´Rain´ bis zum obligatorischen Schlusspunkt ´Bye Bye Johnny´ inklusive frenetischer Fan-Gesänge.

Großartig. QUO-Hasser (soll es tatsächlich geben, die waren wahrscheinlich nie in einem Konzert) wird das nicht aus der Reserve locken, aber alte Enthusiastinnen und Enthusiasten wie mich schon. Keine Band habe ich öfters live gesehen als die guten alten STATUS QUO (und sie haben immer geliefert, auf jeden Fall solange Rick Parfitt noch an Bord war. Dann war es das für mich…..). Doppel-Vinyl und Doppel-CD waren trotz ordentlich hohen Preisen schnell vergriffen und die CDs sollen nachgepresst werden.

Absolut fantastischer QUO-Frantic Four-Stoff (okay, der nette Andy Bown spielte “leider” auch schon auf seinen Tasten mit und der willkommene Bob Young steuerte wie üblich Mundharmonika im Rahmen des ´Roadhouse Blues´ bei). Eine gute Ergänzung zur legendären Glasgow Apollo Konzertreihe von 1976. Soundtechnisch kann diese Aufnahme locker mithalten.

(Wahrer Live-Klassiker einer der besten Live-Bands)

https://www.facebook.com/StatusQuoOfficial

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