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VENOM – Into Oblivion

2026 (Noise/BMG) - Stil: NWoBHM/Heavy Metal/Thrash Metal

VENOM gehören weiterhin zu den prägenden Instanzen des extremen Metal. Mit ´Into Oblivion´, ihrem sechzehnten Studioalbum nach acht Jahren Pause seit ´Storm The Gates´, knüpft das Quartett um Cronos an die eigene Historie an, und reduziert sich nicht auf Selbstreferenzialität.

Die aktuelle Besetzung mit Rage (Gitarre) und Dante (Schlagzeug) wirkt dabei erstaunlich eingespielt; vieles klingt weniger nach Retro-Verwaltung als nach einer Band, die ihr eigenes Erbe aktiv weiterformt.

Der Titeltrack eröffnet das Album mit melodischem Riffing, das unmittelbar in ein druckvolles, fast live wirkendes Klangbild übergeht. Schon hier zeigt sich die zentrale Spannung des Albums: rohe, ungebändigte Energie trifft auf eine überraschend transparente Produktion.

´Nevermore´ zieht das Tempo in ein galloppierendes Midtempo, das gelegentlich an klassische NWoBHM-Strukturen erinnert, während ´Man & Beast´ über ein beharrlich stampfendes Riff seine Wirkung eher aus dem Groove als aus Geschwindigkeit zieht.

In Songs wie ´Death The Leveller´ und ´Kicked Outta Hell´ tritt der Punk-Impuls stärker hervor, wodurch das Album zeitweise eine fast dreckige Unmittelbarkeit gewinnt.

Dem gegenüber steht das schleppende, bewusst überladene ´As Above So Below´, das mit okkulter Schwere arbeitet, während ´Legend´ als komplexerer Ruhepol versucht, das Material zu strukturieren, dabei aber nicht vollständig aus dem Schatten der stärkeren Eröffnungsphase heraustritt.

Die zweite Hälfte liefert mit ´Live Loud´ und ´Metal Bloody Metal´ weiterhin ansteckende Direktheit, ergänzt um martialische oder hymnische Momente wie in ´Dogs Of War´.

´Deathwitch´ und das abschließende ´Unholy Mother´ setzen düsterere, teils atmosphärischere Akzente, die jedoch gelegentlich in Wiederholungen und Überlänge kippen.

Unterm Strich ist ´Into Oblivion´ ein selbstbewusstes Alterswerk, das die eigene Bedeutung nicht erklären muss, sondern sie schlicht aus dem Songmaterial heraus bestätigt. Die frühen Klassiker bleiben zwar unerreicht, doch die Energie ist intakt, der Wille ungebrochen.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/officialvenomband


(VÖ: 01.05.2026)
Pic: Necrohorns/Official Venom Band Photo

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