
CODE 18 – Two Places
2026 (Unicorn Records/Just For Kicks) - Stil: Prog Rock
Mit ´Two Places´ legen CODE 18 ein Album vor, das den symphonischen Prog Rock der klassischen Schule mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit in die Gegenwart transportiert. Das Projekt aus Montréal existiert bereits seit 2008, lange Zeit allerdings eher im Hintergrund der kanadischen Prog-Szene. Johnny Maz, vielen bereits durch HUIS bekannt, entwickelte CODE 18 über Jahre hinweg zu einem sehr persönlichen musikalischen Kosmos, geprägt von aufwendig arrangierten Keyboardpassagen und jener cineastischen Größe, die man eher mit den großen Konzeptwerken der siebziger Jahre verbindet.
Schon das Debüt ´Human Error!´ zeigte 2020 eindrucksvoll, wie souverän Johnny Maz symphonischen Neo Prog, Artrock und moderne Progmetal-Elemente miteinander verzahnen kann. Das dystopische Konzept rund um einen Krieg um die letzten Wasserreserven verlieh der Platte eine kühle, fast futuristische Stimmung. ´Two Places´ wirkt nun geschlossener, emotionaler und persönlicher. Inhaltlich dreht sich das Album um Ortswechsel, innere Zerrissenheit und das Gefühl, gleichzeitig irgendwo anzukommen und sich doch fremd zu fühlen. Diese Thematik prägt auch die musikalische Architektur der Platte.
Gemeinsam mit Gitarrist JF Rémillard und Sänger Benoit Plamondon entwickelt Johnny Maz einen Sound, der hörbar von GENESIS, UK, KING CRIMSON, Emerson, Lake & Palmer oder auch TANGERINE DREAM beeinflusst wurde, dabei aber jederzeit eigenständig bleibt. Martin Plante am Schlagzeug und Bobby St-Louis am Bass sorgen zusätzlich für jene technische Präzision, die diese komplexen Arrangements überhaupt erst möglich macht.
Der Einstieg mit ´Prelude´ funktioniert wie das langsame Öffnen eines schweren Kinovorhangs. Dunkle Synthesizerflächen, ruhige Pianopassagen und schimmernde Mellotron-Klänge bauen eine geheimnisvolle Spannung auf, die durch den Gastgesang von Sylvain Descôteaux veredelt wird, ehe sich das Album mit ´Polyrhythm´ abrupt beschleunigt. Vertrackte Taktwechsel, harte Gitarrenriffs und breit angelegte Keyboardpassagen treiben den Song permanent nach vorne. Klassische Prog-Strukturen treffen auf moderne Progmetal-Schärfe, ohne dass die melodische Seite verloren geht.
´The Old House´ entwickelt sich über neun Minuten zu einem vielschichtigen Prog-Epos mit melancholischen Gitarrenmotiven, langen Instrumentalpassagen und mehreren ruhigen Zwischenteilen, die stark an klassischen Neo Prog der frühen MARILLION- oder CAMEL-Phase erinnern. Mit ´Alors Je Cherche´ wechselt CODE 18 überraschend ins Französische – unterstützt durch Daniel Lacasse am Mikrofon – und verleiht dem Album damit zusätzliche Persönlichkeit. Hymnische Refrains treffen auf düstere Synthesizerfarben und einen fast filmischen Spannungsaufbau. Selbst diese Mischung aus emotionalem Gesang und komplexer Instrumentierung funktioniert.
Der ungewöhnlich betitelte Longtrack ´The Lovers, The Incompetent And The Asshole´ gehört zu den ambitioniertesten Momenten der Platte. Über fast elf Minuten springt die Komposition zwischen aggressivem Progmetal, verspielten Jazzrock-Passagen und ruhigeren Keyboardteilen hin und her, während JF Rémillard mehrere scharfe Gitarrensoli abfeuert. ´Moving In A Peach Nightmare´ wirkt danach wie eine surreale elektronische Zwischenwelt. Verzerrte Stimmen, schiefe Harmonien und düstere Sequencer-Figuren erzeugen eine leicht verstörende Stimmung irgendwo zwischen VANGELIS, elektronischem Artrock und modernem Industrial-Prog.
Der über vierzehn Minuten lange Longtrack ´A New Soul´ verbindet balladeske Passagen mit symphonischer Größe und entwickelt sich langsam zu einem majestätischen Finale voller schwebender Synthesizer und großer Gitarrenmelodien. Benoit Plamondon überzeugt hier besonders mit seinem eindringlichen Gesang. Den Abschluss bildet ´Justice?´, ein technisch anspruchsvolles Prog-Finale über zwölf Minuten voller orchestraler Keyboardwände, harter Riffs und komplexer Rhythmuswechsel. CODE 18 begeistern noch einmal mit progressiver Härte, melodischen Refrains und virtuoser Instrumentalarbeit.
Mit ´Two Places´ gelingt CODE 18 ein starkes modernes Prog-Album, das klassische Einflüsse respektiert und zugleich genug eigene Ideen entwickelt, um niemals wie bloße Nostalgie zu wirken. Johnny Maz bestätigt damit eindrucksvoll seinen Ruf als einer der interessantesten Köpfe der aktuellen kanadischen Prog-Szene.
(8,5 Punkte)



