PlattenkritikenPressfrisch

BIRTH (DEFECTS) – Fictional Days

2026 (Expert Work Records/Reptilian Records) - Stil: Noise Rock, Post Hardcore

´Fictional Days´ ist ein letzter Faustschlag gegen die Welt. BIRTH (DEFECTS) verabschieden sich mit einem Album, das sämtliche Narben ihrer Geschichte offenlegt. Neun Songs, aufgenommen über Jahre hinweg, zusammengetragen aus unveröffentlichtem Material und Coverversionen jener Bands, die den Sound der Gruppe geprägt haben. Das Ergebnis wirkt wie ein zerfleddertes Tagebuch aus Feedback, Verzweiflung und trotzigem Durchhaltewillen.

Schon der Opener ´Deceiver´ walzt mit einer Wucht durch die Lautsprecher, die an die zerstörerische Direktheit von FLIPPER, CHERUBS oder den frühen MELVINS erinnert. Gitarrist Rob Savillo türmt Dissonanzen übereinander, während Sean Gray seine Texte eher ausspuckt als singt. Jeder Ton wirkt wie eine offene Wunde.

Die Coverversionen geraten dabei zu weit mehr als bloßen Verneigungen. SONIC YOUTHs ´Sunday´ verliert jede Indie-Leichtigkeit und verwandelt sich in einen lärmenden Albtraum aus kreischenden Gitarren. Die COMSAT ANGELS-Hommage ´Postcard´ zieht eine düstere Nebelwand aus Post-Punk und Depression auf, während das brutale ´I Hate Myself And Want To Die´ zeigt, wie nah BIRTH (DEFECTS) dem Geist der frühen NIRVANA tatsächlich stehen.

Besonders faszinierend ist die kompromisslose Haltung der Band. Auf der Bühne gab es keine Ansagen, keine Pausen, keine Entspannung. Zwischen den Songs dröhnten Noise-Collagen aus den Boxen. Die Konzerte sollten Belastungstests sein. Diese Philosophie durchzieht auch ´Fictional Days´ von der ersten bis zur letzten Minute.

Produzent J. Robbins, Mix-Ingenieur Barrett Jones und Mastering-Engineer Matthew Barnhart sorgen für einen rohen, druckvollen Klang, der jederzeit die Kontrolle zu verlieren droht. Das Vinyl transportiert jede Rückkopplung, jedes Kratzen der Saiten und jede Explosion des Schlagzeugs mit beeindruckender Direktheit.

Am Ende bleibt ein Album zurück, das weit mehr ist als eine Resteverwertung oder Abschiedssammlung. ´Fictional Days´ wirkt wie das finale Zeugnis einer Band, die sich nie um Trends, Erwartungen oder Kompromisse geschert hat. Laut, unbequem, aufrichtig und voller Herzblut. Genau so sollte Noise Rock klingen.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/Birthdefectsyouth


Pic: Sam Levin

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"